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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eisenbrod - Eisenbrücken
Eisenbrod, czech. ^ßis^nf-l^i-oä, Stadt in der
osterr. Vezirkshauptmannschaft Scmil in Böhmen,
rechts der Iser, in 228 m Höhe, an den Linien
Seidenberg-Iosefstadt und E.-Tannwald (19 Icni)
derÖsterr/Nordwest'bahn, hat (1890) 3029 czech. E.,
Post, Telegraph, Bezirksgericht (98 l^kin, 18 Ge-
meinden, 49 Ortschaften, 21682 czech. E.), meist
hölzerne Häuser, ueues Rathaus und Schulgebäude
und in der Umgebung große Baumwollspinnereien.
Die Stadt hat ihren Namen von den früher in der
Nähe betriebenen Eisengruben.
Gisenbround, ^ i^, verhält sich im wesent-
lichen wie das Eisenchlorid (s. d.).
Gisenbromür, t'6 Li'2, entsteht auf gleiche Weise
wie das Eisenjodür (s. d.). Auf trocknem Wege er-
halten, bildet es gelbe, blätterig krystallinische
Massen, die bei Luftabschluß sublimierbar sind.
Aus seiner Lösung scheidet sich in blaßgrünen
Krystallen ^V^ -Sll-O ab.
Gisenbrücken, diejenigen Brücken (s. d.), bei
denen das Tragwerk (s. Brückentragwerl) aus Eisen
hergestellt ist, während die Pfeiler (s. Brückenpfeiler)
auch aus Stein oder Holz konstruiert sein können.
Das Tragwerk einer Eisenbrücke besteht aus den
Hauptträgern, die in der Längsrichtung der
Brücke über die Öffnung führen, und den Quer-
oder Zwischenverbindnngen, die teils zur Un-
terstützung der Fahrbahn, teils zur Versteifung der
Hauptträger in der Querrichtung dienen. Je nach
der Art und Weife, wie die Hauptträger die von
ihrem eigenen Gewicht und der Vctncbslast herrüh-
renden Kräfte auf die Pfeiler bez. Widerlager (s. d.)
übertragen, unterscheidet man Balkenbrücken,
Bogenbrücken und Hängebrücken. Bei den
Baltenbrücken werden die Drücke lotrecht nach un-
ten auf die Widerlager übertragen, von denen das
eine, um dies möglich zu machen, horizontal beweg-
lich sein nmß. Bei Bogen- und Hängedrücken sind
beide Widerlager fest und erhalten seitliche Kräfte,
die bei den Bogenbrücken als Druck nach außen,
bei den Hängebrücken als Zug nach innen gerichtet
sind. Bezüglich der in den Trägern felbst wirkenden
Kräfte werden die Valkcnträger anf Biegung bean-
sprucht, fodaß in ihnen teils Zug- und teils Druck-
kräfte wirken. Bei den Bogenbrücken, deren Haupt-
träger konver nach oben gekrümmt sind, herrfcht in
diefen Vorzugsweife Druck, und bei den Hänge-
brücken wird das konvex nach unten gekrümmte
Tragwerk vorwiegend auf Zug in Anspruch ge-
nommen.
Die Balkenbrücken haben entweder Träger
mit vollen Wandungen oder solche mit gegliederten
Wandungen. Vollwandige Träger bestehen sür die
kleinsten 'Spannweiten (bis 4 in bei Eisenbahn-
brücken, 12 in bei Straßenbrücken) aus I-Eisen; für
größere Spannweiten (12-15 m bei Eisenbahn-
vrücken) sind sie unter Beibehaltung des I-förmi-
gen Querfchnitts zusammengesetzt aus Blech tafeln
für die fenkrechte Mittelwand (Steg), aus Flacheifen
für die beiden horizontalen Teile (Obergurt und
Untergurt) und aus Winkeleisen zur Verbindung
der Gurte mit dem Steg; letzterer erhält sehr oft
noch seitliche Versteifungen (Rippen). Zu den
Brücken mit vollwandigen Trägern gehören auch
die historisch berühmten Tunnel- oder Röhrenbrücken
(s. d.). Bei Spannweiten von über 15 m sind voll-
wandige Träger bezüglich des Materialaufwandes
unökonomifch. Man verbindet dann die Gurte
nicht mehr durch eine volle Vlechwano, sondern
durch einzelne Stäbe, wodurch man die Gitter-
und Fachwerksträger erhält. Erstere Bezeich-
nung braucht man für die zuerst ausgeführten
Träger diefer Art, bei denen eine große Anzabl
gleichstarker Flacheisenstäbe, unter 45° gegen die
Gurte geneigt und kreuzweise übereinander gelegt,
ein engmaschiges Gitterwerk bildeten. Da von die-
sen Stäben manche auf Druck, manche auf Zug be-
ansprucht werden, konstruierte man später jeden
Stab entsprechend den in ihm auftretenden Kräften
unter gleichzeitiger Verringerung der Anzahl der
Stäbe und gelangte zu der als Fach werk bezeich-
neten Trägerkonstruktion.
Sind bei den Trägern mit durchbrochenen Wan-
dungen die beiden Gurte geradlinig und parallel,
fo heißen sie Parallelträger, denen die ökonomi-
scher konstruierten Träger mit gekrümmten bez.
polygonalen Gurten gegenüberstehen, wie der
Parabelträger (als Bogensehnenträger,
Fischbauchträger, Linsenträger), der Halb-
parabelträger, der Paulisch'e Träger, der
Schwedler-Träger, der Trapez trä ger, der
Lohseträger. Über die besondern Eigenschaften
und Formen dieser Trägersysteme f. Träger. Der
Parallelträgcr ist bei größern Spannweiten oft als
kontinuierlicher oder durchgehender Trä-
ger ausgeführt worden, d. h. als ein Träger, der
aus einem Stück über mehrere Offnungen gespannt
ist. Man erreicht bei dieser Ausführung eine Ma-
terialerfparnis, die sich für 50-150 ni auf 10-20
Proz. stellt. Ferner ermöglicht er eine Montage
ohne Baugerüst, wogegen als Nachteile zu erwäh-
nen sind der Wechsel von Zug und Druck in ge-
wissen Teilen des Trägers, sowie die beträchtliche
Erhöhung der Gurtspannungen, die sowohl durch
verhältnismäßig geringe Pfeilersenkungen als auch
durch Sonnenbestrahlung eintreten kann. Diese
Möglichkeit einer so beträchtlichen Erhöhung der
Spannungen durch die genannten Ursachen ist bei
dem jetzt sehr in Aufnahme kommenden Gerber-
fchen kontinuierlichen Gclenklräger oder
Träger mit freifchwebcnden Stützen besei-
tigt. Diefe Konstruktion entsteht dadurch, daß man
einen kontinuierlichen Träger so teilt, daß ein Teil,
der kurzer ist als die dazu gehörige Öffnung, mit sei-
nen Enden auf die über die Pfeiler hinausragenden
Enden der benachbarten Träger gelenkig aufgelagert
ist. Dieser ursprünglich als Parallelträger aus-
geführte Gerberträger wird auch mit gekrümmten
und polygonalen Gurten ausgefübrt, sodah die
über die Pfeiler überragenden Trägerenden konsol-
artig ausgebildet sind, während das Zwischenstück
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sehr oft als Parabel- oder Halbparabelträger aus-
geführt ist (f. vorstehende Fignr). Solche Brücken
werden Ausleger-, Kragträger- oder Canti-
leverb rücken genannt und bilden heute ein immer
mehr beliebt werdendes Vrückensystem, wonach unter
andcrm die großartige Forthvrücke (s. d.) in Schott-
land gebaut ist.