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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elektrometer - Elektromotorische Kraft
Elektrometer (grch.), Vorrichtungen, die nicht
nur die elektrische Ladung der Körper anzeigen (s.
Elektroskope), sondern auch das Elektrische Poten-
tial (s. d.) derselben zu messen gestatten. Altere In-
strumente dieser Art, die nur mehr histor. Interesse
haben, sind die Drehwage oder Torsionswage
(s. d.) von Coulomb (1785), Dellmann (1848), Kohl-
rausch (1848), das Sinus elektromet er von letz-
term (1853). Das vollkommenste Instrument dieser
Art ist das absolute E. von Sir W. Thomson.
Schon Volta hatte versucht, die elektrische Anziehung
mit der Wage zu bestimmen. Harris hat über einer
großen horizontalen Metallplatte eine zweite eben-
solche an die Wage gehängt. Sind beide Platten
von verschiedenem Potential, z. V. mit je einer Be-
legung einer geladenen Leidener Flasche (s. d.)
verbunden, so wächst die Stärke der Anziehung
mit dem Potentialunterschied. Der Zusammenhang
zwischen ersterer und letzterm wäre aber nur dann
einfach, wenn die beiden Platten in ihrer ganzen
Fläche ganz gleichmäßig geladen wären, was jedoch
nicht der Fall ist, da die elektrischen Ladungen nach
den freien Rändern zustreben. (S. Coulombs Ge-
setz.) Schneidet man aber aus dem Innern der
obern Platte ein kreisförmiges kleines Stück heraus
und hängt nur dieses an die Wage, so kann man
dasselbe und die gegenüberliegende Platte, soweit
sie in Betracht kommt, als gleichmäßig geladen be-
trachten. Dann ist der Potentialunterschied V beider
Platten ^ v 1/-^, wobei I) die Plattendistanz
in Centimetern, ^ die Fläche des an der Wage
hängenden Stückes in Quadratcentimetern und ?
die der Anziehung das Gleichgewicht haltende Be-
lastung in Dynes (s. d.) ist. Will man die Potentiale
galvanischer Batterien in dieser Weise messen, so muß
man der Kleinheit der Potentiale wegen mehrere hun-
dert Elemente himereinander schalten. Deshalb hat
Thomson zur Vergleichung der Elemente noch ein an-
deres empfindlicheres Instrument, das Quadrant-
elektrometer (s. nachstehende Figur), erdackt.
Man denke sich eine cylindrische hohle Metallkapsel
und führe durch die Cylindcrachse zwei zueinander
senkrechte Schnitte, wodurch die Kapsel in vier gleiche
Stücke zerfällt, von denen die mit -l- bezeichneten
mit dem einen, die mit - bezeichneten mit dem an-
dern Pol einer starken gal-
vanischen Batterie verbun-
den sind. In der Kapsel be-
findet sich ein biskuitförmi-
ges horizontales Alumi-
niumplättchen an einem ver-
tikalen Draht aufgehängt,
der unmittelbar oberhalb
der Kapsel ein Spiegelchen
trägt. Das Aluminiumplätt-
chen bleibt in der durch die
Figur angedeuteten Symmetrielage, solange das-
selbe unelcktrisch ist, schlägt aber seinem Potential
entsprechend gegen - oder -i- aus, sobald es posi-
tiv oder negativ elektrisch wird. Der Ausschlag
wird durch Spiegelablesung (s. Magnetometcr)
beobachtet. Solche E. sind sehr empfindlich, geben
für die Potentialdifferenz der Pole eines Daniell-
schen Elements leicht viele Teilstriche Ausschlag
und können dazu dienen, die elektromotorische
Kraft eines beliebigen Elements mit jener eines
Taniellschcn zu vergleichen.
Elektromotor, die als Kraftmaschine oder Mo-
tor benutzte Nmkehrung der Dynamomaschine (s. d.),
in welcher also nicht wie bei der Dynamomaschine
Arbeitsenergie in elektrische oder Stromcnergie, viel-
mehr umgekehrt Stromenergie in mechanische umge-
wandelt wird, die beim Einleiten von Strom in die
Polklemmen derselben an der Niemscheibe zu belie-
biger Abgabe zur Verfügung steht. Im Princip
kann jede Dynamomaschine aus einer stromgeben-
den in eine stromnehmende, d.i.in einen Motor, und
umgekehrt jeder E. durch Einleitung von mechan.
Energie in seine Welle in eine Dynamomaschine
verwandelt werden; man pflegt aber doch die E.,
namentlich die kleinern, für diesen ihren Zweck be-
sonders zu konstruieren.
Geschichtlich reicht der E., oder, wie man ihn da-
mals nannte, die elektromagnetische Ma-
schine nur wenig weiter zurück als die Dynamo-
maschine oder deren Vorläufer, die magnctelek-
trische Maschine. Als ersten Schritt auf dem Wege,
mechan. Bewegung durch elektrischen Strom her-
vorzubringen, darf man wohl das in jedem Physik-
buche gegebene Barlowsche Rad betrachten (vgl.
Varlow, Oii in^Fuetic; Httraction, 1823), wenn
man von der 1821 von Faraday und von Ampere
beobachteten Drehung eines Stromleiters um einen
Magnetpol, als zu sehr den Charakter eines Physil.
Experiments tragend, absicht. Aber auch das Bar-
lowsche Rad darf man wohl kaum einen Motor
nennen; der erste wirkliche, eine nennenswerte Kraft
abgebende Motor dürfte der von Iedlicka (1829)
fein. Es folgen, um nur einige der bekanntesten zu
nennen, Professor Henry (1831), Dal Nearo (1832),
Ritchie (1833), Professor Iakobi (1834), Davenport
(1837), Page (1838) und Pacinotti (1865).
Die ersten Anwendungen, die man von dem
neuen Motor machte, waren der Betrieb von Booten
(s. Elektrisches Boot) und von Eisenbahnfahrzeugen
(s. Elektrische Lokomotive). Da man aber für die Er-
zeugung des Stroms auf galvanische Batterien an-
gewiesen und das in diesen verbrauchte Zink denn
doch ein zu teures Brennmaterial war, so konnte
von einer wirklichen Anwendung in der Praxis
natürlich nicht die Rede sein und die seiner Zeit vom
Deutschen Bundestage ausgeschriebene National-
belohnung für die Erfindung eines brauchbaren E.
blieb infolgedessen unbehoben. Rationell wurde der
Betrieb des E. erst, als man gelernt hatte, mittels
der Dynamomaschine Strom in jedem Quantum
billig zu erzeugen; aber es fehlte noch an jedem
Bedürfnis nach einer Anwendung derselben. Erst als
Fontaine auf der Wiener Weltausstellung 1873 die
Möglichkeit einer Übertragung auf größere Entfer-
nung gezeigt hatte (f. Elektrische Kraftübertragung),
gewann der E. eine Bedeutung, die noch größer wurde
mit der Anwendung zum Betriebe von ^trahenbahn-
fahrzeugen (f. Elektrische Eisenbahn) und als Motor
für das Kleingewerbe, gespeist aus dem Netze städti-
scher Elektricitätswerke. Wegen der Konstruktion
der E. s. Dynamomaschinen (Bd. 5, S.653 fg.).
Elektromotorische Kraft nannte Volta dieUr-
sache der ungleichen elektrischen Ladung der Metalle
bei der Berührung. (^. Galvanismus.) In der heuti-
gen Physik versteht man unter E. K. die Potential-
differenz der sich berührendenKörper. (S. Elektrisches
Potential.) In: Gebiete des Galvanismus w'n'5
aber das Potential nicht mit derselben Einheit ge-
messen wie in der Elektrostatik, sondern nach elektro-
magnetischem Maß, das in folgender Weise von der