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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Epistolae laureatae - Epithymie
Angehörige einer Gemeinde vorzeigen nmßten, wenn
sie bei einer andern Gemeinde Aufnahme finden
wollten. Weil schon früh Fälschungen vorkamen,
schrieben die Konzilien bestimmte Formen für die-
selben vor und daher dürfte (im 4. Jahrh.) der
Name entstanden sein. Bischöfe oder Presbyter
stellten sie im Namen der Gemeinde aus.
Npistolao I2.nrsa.tao (lat.), mit Lorbeeren
umwundene Vriefe, die die röm. Feldherren mit der
Siegesnachricht nach Rom zu schicken pflegten.
HpistölNv odnonröruin virörnni (lat., d. i.
Vriefe von Dunkelmännern, im Gegensatz zu den
UpiZwIao clki'oi'nin viroi'uin aä I^euciliinuui 15)14),
Titel einer Sammlung satir. Briefe, die, durch die
.Haltung der Kölner Theologen im Streit zwischen
Reuchlin (s. d.) und dem getauften Juden Pfeffer-
korn veranlaßt, in barbarischen:, sog. Küchenlatein
(Mönchslatein) unter dem Namen von damals be-
kannten Geistlichen und Professoren in der Rhcin-
gegend, namentlich aus Köln, geschrieben, die Ob-
skurantenpartei der Scholastiker und Mönche in
Beziehung auf ihre Lehren, Schriften, Sitten und
Redeweise, ihre Lcbensverhältnisfe, Thorheiten und
Ausschweifungen mit schonungslosem Spott geißel-
ten und so nicht wenig der Reformation vorar-
beiteten. Die Vriefe, an Ortuin Gratius, einen
der bekanntesten Führer der Kölner Obskurantcn-
partei, gerichtet, sollen in erster Zeit sogar von
manchen Mitgliedern der verspotteten Partei für
authentisch gehalten worden sein. Als die.Haupt-
verfasser dürfen Crotus Rubianus und Ulrich von
Hütten gelten. Der erste Teil erschien 1515 angeb-
lich zu Venedig bei Minutius (absichtlich statt Ma-
nutius), in der That aber zu Hagcnau bei Anshclm
(nach andern in Köln oder in Mainz), der zweite
1517 in Basel. Die Vriefe sind oft gedruckt und
herausgegeben worden, am besten von Böcking (Lpz.
1858; 2. Aufl. 1864; auch in Böckings Ausgabe von
"Hntt6ni o^ra", Zu^piementuni, 2Bde., ebd.
1864-70). - In neuerer Zeit hat G. Schwetschle
in Halle "Xovao 6pi8t0ia.6 ol)8cui'oruin viroruin"
(anonym, Franks. a.M. 1849; Iubelausgabe, Halle
1874) und tt^piLtolao ol)3cui'oi'uin vn'ornin äe con-
oilio VaticAiw" (anonym, Lpz. 1872) veröffentlicht.
In den erstern werden die deutschen Parlaments-
verhältnisfe von 1848 bis 1849, in den letztern
das Vatikanische Konzil (1869-70) und die Kleri-
kalen persifliert.
ÜVistöla. ?!1".ti (lat., d. h. Brief des Pilatus),
mehrere apokryphe Schriftstücke, in denen angeblich
Pontius Pilatus an den röm. Kaifcr über Prozeß
und Kreuzigung Jesu berichtet; das älteste ist an
Kaiser Claudius adressiert (s. ^cta ?illtti).
Gpistolar (lat.), in der kath. Kirche derjenige
Geistliche (Subdiakonus), der beim Hochamte, auf
der (vom Schiff der Kirche aus) rechten Seite des
Altars (Epistelfeite) stehend, einen Abschnitt aus
den Episteln (s. d.) vorzulesen hat. ^brieflich.
Epistolarisch (lat.), briefartig, in Briefform,
Gpistolarium (lat.), s. Lektionarium.
Gpistölifch, soviel wie epistolarisch; episto-
lische Periköpen, s. Epistel.
Epiftolograph (grch.), Verfasser von Briefen,
Vrieffchreiber; Epistolographik, f. Briefsteller.
Gpistrophe (grch.), s. Anaphora.
Gpiftröpheus (grch., "Umdreher"), in der
Anatomie der zweite Halswirbel, weil er die Dreh-
bewegungen des Kopfes vermittelt (f. .hals).
(Svisttjl (arch.). s. Architrav.
üpistzflis, Gattung der Vorticelliden (s. d.).
Epitaphs s. Epitaphium.
Gpitaphlos (zu ergänzen I0Z08, Redo), bei den
alten Griechen die feierliche öffentliche Trauerrede
auf die für das Vaterland Gefallenen. Berühmt ist
der von Perikles auf die 431 Gefallenen gehaltene
E. (im 2. Buche des Thucydides). Die aus dem
Altertum erhaltenen Epitaphien sind, mit Aus-
nahme einer unvollständigen Rede des Hyperides,
teils unter falfchem Autornamen auf uns gekommen,
teils bloße Prunkreden, die nie gehalten worden sind.
Epitaphium (lat.; grch. LpitäMiou) oder Epi-
taph, Grabschrift, auch Grabstein mit Inschrift;
stehendes, meist an die Wand einer Kirche gelehn-
tes Grabmal, und zwar sind die Epitaphien ent-
weder als Inschrifttafeln oder auch als Bildtafeln
in Stein oder Bronze, bisweilen wohl auch in
Holz gebildet. Die ältesten Epitaphien in Deutsch-
land dürften die unter den Pfeilersockeln der im
11. Jahrh, erbauten Teile des Münsters zu Bonn
sein. Erst das spätere Mittelaltcr nahm die künst-
lerische Gestaltung der Epitaphien auf, welche in
der deutschen Renaissance ihren Höbepunkt erreichte.
- Vgl. Lübke, Geschichte der Renaissance in Deutsch-
land '(2. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1882); Deutsche Re-
naissance, hg. von Ortwein und Scheffers (223 Lfgn.,
Lpz. 1871-88).
Gpithalammm (grch.), bei den Alten eigentlich
das vor dem Vrautgemache (t1i^lÄM03) Neuver-
mählter gesungene Chorlied, aber auch allgemein ein
Hochzeitslicd. Ein Beispiel ist Catulls "I^pit^^a.-
minm I^oi 6t 1d6tiäo8". (S. Hymenäus.)
Epithel (grch.), die Oberhaut der Schleim- und
anderer innerer Häute des menschlichen und tieri-
schen Körpers, bildet einen aus verschiedenartig ge-
formten, bald cylindrischen, bald plattenförmigen,
bald wimpernden Zellen zusammengesetzten, gefäß- -
lofen hautartigen Überzug auf der freien Fläche der
Schleimhaut, den fecernierenden Flächen der Drü-
sen, der Schleimhaut der Geschlechtsorgane u. a.
und geht an den Körperöffnungen ohne Unterbre-
chung in die Epidermis, die Oberhaut der äußern
Haut (s. d.) über. Auf diefe Weise ist die gesamte
Oberfläche des Körpers, die nach außen wie die nach
innen gekehrte, in ihrem ganzen Umfange mit einer
schirmenden Hülle umgeben, welche unter normalen
Verhältnissen ge^en alle von außen einwirkenden
Schädlichkeiten hinlänglichen Schutz gewährt.
Epithelial, dem Epithel angebörig,von ihm aus-
gehend; Epithelialgewcbe, Oberhautgewebe.
Gpitheliom (grch.), geschwulstförmige, durch
krankhafte Wucherung des Epithels entstandene
Neubildung (f. Krebs).
Gpithese (grch.), Beisatz zu einem Hauptsätze.
Gpitheton (grch., "Zusatz"), das einem Haupt-
worte zugefügte Beiwort. Das E. heißt, wenn es
eine von dem Znfammenhang erforderte Einschrän-
kung des Hauptbegriffs ausdrückt, ein notwendiges
(LpiUiLton n60688Hi'ium), z. B. die östlichen Sterne.
Dagegen ist das E. ein verschönerndes oder schmücken-
des (epitliLton 0rnaii8), wenn es dazu dient, durch
Veranschaulichung den Hauptbegriff nach einem
seiner Merkmale der Phantasie näher zu bringen,
z.B. die funkelnden Sterne. Im Volksepos sind
von besonderer Bedeutung die sog. stehenden Bei-
wörter (eyMiLtk TM-pewa), die demselben Gegen-
stande, so oft er genannt wird, beigelegt werden,
z. V. der schnellfüßige Achill. ^Frauen.
Gpithymie (grch.), das Gelüsten schwangerer