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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fastenbretzel - Fastenrath
regelmäßiges F. als Werk besonderer Frömmigkeit.
Später ordnete der Talmud das F. in bestimmter
Weise. Jetzt haben die Juden außer dem Versöh-
nungstage vier Hauptfasttage. Aus dem Juden-
tum und aus gleichzeitigen ascetischen Richtungen
des Heidentums ging, trotz der freien Stellung, die
Jesus in Beziehung auf das F. eingenommen und
als Grundsatz verkündet hatte (Matth. 9,14-17;
vgl. 6,16-18), das regelmäßige F. auch in die christl.
Kirche über. Sehr gefördert wurde es durch die Mon-
tanisten (s. d.) und das Klosterleben sowie durch die
früh aufgekommene Meinung, daß es ein vorzüg-
liches Mittel sei, bei Gott Vergebung der Sünden
Zu erlangen. Anfangs pflegte man während der
40stündigen Zeit der Grabesruhe Jesu (nach Matth.
9,15) und jeden Mittwoch, als dem Tage des Ver-
rats, und Freitag, als dem Tage des Todes Jesu,
zu fasten. Die griech. Kirche hat diese beiden Wochen-
fasttage festgehalten, in der abendländischen wurde
der Mittwoch schon im 4. Jahrh, mit dem Sonn-
abend vertauscht.
Die wöchentlichen Fasttage, an denen jedoch
nur halbe F. (ZLnnjHuuiuin, d. h. bis 3 Uhr nach-
mittags) beobachtet wurden, hießen Wach tage
(lat. 8tation63 oderäies Ltatiormin). Das 40stündige
F. vor Ostern verlängerte sich bald nach dem von
Moses, Elias und Jesus gegebenen Vorbilde in ein
40tägiges (^'nnwin Hua(Ii'assO8iingi6, Quadra-
gesimalfasten, frz. caremE). In der griech. Kirche,
die das F. am Sonnabend als dem ursprünglichen
Schöpfungsfeiertage verwarf, begann das F. am
Montage nach Seragesimä, in der römifchen am
Aschermittwoch (s. d.). An den Sonntagen wird in
beiden Kirchen nicht gefastet. Später kam noch das
F. an den Vorabenden der wichtigsten Apostel- und
Heiligenfeste (Vorbereitungsfasten, Vigilienfasten)
hinzu, fowie das F. in der Adventszeit und das
Quatemberfasten (s. 0.). In der griech. Kirche haben
sich neben einigen andern Fasttagen vier große
Fastzeiten ausgebildet: das Weihnachtsfasten oder
Apoftel-Philippus-Fasten,vom 15. Nov. bis 24.Dez.;
das Quadragesimalfasten vor Ostern; das Apostel-
fasten vor dem Peter-Paulfest, vom Montage nach
Trinitatis bis 29. Juni, und das Muttergottes-
fasten vor Maria Himmelfahrt, vom 1. bis 14. Aug.
Die röm.-kath. Kirche unterscheidet das eigent-
liche F. (^unwin), bei dem einmalige tägliche
Sättigung des Mittags und daneben eine kleine
Mahlzeit am Abend (Kollation) gestattet ist,
und die Abstinenz, die meistens nur noch in der
Enthaltung von Fleischspeisen besteht, wozu Fische
und im Wasser lebende Tiere, wie Fischottern, nicht
gerechnet werden. Zur Abstinenz sind die Kin-
der vom 7. Jahre an verpflichtet; die Verpflich-
tung zum ^.jnniuin beginnt mit dem 21. Jahre
und dauert bis zum 60. Krankheit und schwere
Arbeit entbinden von der Pflicht. Außerdem aber
sind vielfache, durch die Bifchöfe oder in einzelnen
Fällen durch die Beichtiger zu erteilende Erleichte-
rungen und Dispense üblich (f. Fastenbrief und
Butterbrief). Während das allgemeine Fasten-
gedot insbesondere auch den Gehorsam gegen die
Kirche üben soll, wird in besondern Fällen das F.,
nach der Erklärung des Tridentinischen Konzils ein
vorzügliches Mittel zum Abtöten des Fleisches, für
die Einzelnen zur Buße und zur Gewinnung von
Ablässen angeordnet. - Luther erklärte das F., das
er allem kirchlichen Zwange enthob und durch das
man nicht etwas bei Gott verdienen könne, für eine
"feine äußerliche Zucht". Als solche hat es sich in
der evang. Kirche allgemeiner bis in die Mitte des
18. Jahrh., in manchen Gegenden und Bevölke-
rungskreisen noch viel länger erhalten. - Bei den
Mohammedanern wird das F. als sehr verdienstlich
angesehen. Der Koran gebietet es vornehmlich im
Monat Ramadan und bestimmt, daß Kranke oder
Reisende, die in diesem Monat nicht fasten können,
zu einer andern Zeit fasten sollen. Außerdem be-
obachten die Mohammedaner auch freiwillige F. an
heiligen Tagen, befonders am zehnten Tage de5
Monats Moharrem, der mit dem Versöhnungstage
der Juden zusammentrifft.
Faftenbretzel, f. Bretzel.
Fastenbrief, Fastenmandat oder Fasten-
patent, das Ausschreiben, das der Bischof vor
dem Quadragesimalfasten öffentlich an die Gläu-
bigen feiner Diöcese zu erlassen pflegt, um mitzu- -
teilen, wie es mit dem Fasten gehalten werden soll.
Fastenpredigten, in der tath. Kirche die wäh-
rend der 40tägigen Fasten vor Ostern in außer-
ordentlichen Gottesdiensten, namentlich in großen
Städten meist von angesehenen Rednern gehaltenen
Bußpredigten. Auch in der evang. Kirche sind in
derselben Zeit (Passionszeit) besondere Predigten
über die Leidensgeschichte Christi üblich.
Fastenrath, Joh., deutsch-span. Schriftsteller,
geb. 3. Mai 1839 zu Remscheid, widmetesich 1856-60
in Bonn, Heidelberg, München, Paris und Berlin
juristischen und daneben littcrarhistor. Studien, gab
aber die jurist. Laufbahn auf. Er bereiste 1862
Italien, 1864 Spanien, bearbeitete das Lustspiel
"Rezept gegen Schwiegermütter" des span. Dichters
Don Manuel Juan Diana für die deutfche Bühne
und dichtete dann in deutscher Sprache im Geiste
der span. Poesie: "Ein span. Romanzenstrauß" (Lp.;.
1866), "Klänge aus Andalusien" (edd. 1866), "Die
Wunder ^evillas" (ebd. 1867), "Hesperische Blüten"
(ebd. 1869) und "Immortellen aus Toledo" (ebd.
1869). 1869 begab er sich abermals nach Spanien.
Die Frucht dieser Reise war "Das Buch meiner
span. Freunde" (2 Bde., Lpz. 1870), das außer
vielen Originalpoesien Übertragungen der besten
Gedichte der berühmtesten zeitgenössischen Poeten
Spaniens enthält. 1870 veröffentlichte F. "Den
deutschen Helden von 1870. Kriegs - und Sieges-
lieder" (1. bis 6. Aufl., Leipzig) und führte sich mit
dem Buche "I^iouari^ ä6 un ^leinaii-I^pMol"
(Madr. 1872), das den Spaniern in ihrer Sprache
das Oberammergauer Passionsspiel schildert, in die
span. Litteratur ein. "I^^ViiUiaiia ^ 1^8 Fioi-M8 ä6
^lemauiw) (Bd. 1-6,1872-87) führt den Spaniern
hervorragende Persönlichkeiten Deutschlands von
Armin bis zur neuesten Zeit in Essays vor. 1879
reiste F. zum drittenmal nach Spanien und wohnte
1881 als Vertreter des deutschen Schriftstellerver-
bandes den Madrider Calderon-Festlichkeiten bei,
die er 1882 in dem Buche "Calderon in Spanien"
beschrieb (2. Teil seiner Festschrift "Calderon de la
Varca", Lpz. 1881). Außerdem übersetzte er "Bruder
Martins Vision" von Nunez de Arce u. d. T. "Luther
im Spiegel span. Poesie" (3. Aufl., Lpz. 1881), die
"I^6^6uäH äo ^0c1i6-Lu6ua" von Ventura Rui>
Aguilera u. d. T. "Stimmen der Weihnacht" (ebd.
1880), "Pepita Iimenez" von Juan Valera (ebd.
1882), die beiden Dramen "Im Schoße des Todes"
(edd. 1882) und "Die Frau des Rächers" (Wien
1883) von Ioft Echegaray, gab "Von Hochzeit zu
Hochzeit, Lieder aus sonnigen Tagen" (ebd. 1883)