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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fernrohr
besteht aus vier in einer Röhre befindlichen Linsen, welche hier wie ein schwaches zusammengesetztes Mikroskop (s. d.) wirken, das im Keplerschen F. umgekehrt erscheinende Bild nochmals umkehren, also wilder in aufrechter Stellung erscheinen lassen. In Verbindung mit dem Keplerschen F. bildet dieses Okular das allgemein bekannte Taschenauszug- oder Reisefernrohr (Fig. 3).
^[Abbildung:]Fig. 3.
Bald nach Erfindung der dioptrischen F. fand man, daß der größern Vollkommenheit derselben hauptsächlich zwei Fehler im Wege standen, die aus der Kugelgestalt der Oberflächen der Linsengläser und der Farbenzerstreuung derselben hervorgehen. Den erstern Fehler nennt man die sphärische Aberration; er rührt davon her, das; die auf den mittlern Teil und die Randzone einer Linse fallenden Strahlen nicht genau in einem Punkte vereinigt werden. Der letztere Fehler heißt die chromatische Aberration und wird dadurch verursacht, daß keine Linse die Lichtstrahlen aller Farben in demselben Brennpunkt vereinigt. Infolge dieser beiden Fehler erschienen die durch das F. betrachteten Gegenstände verwaschen und mit farbigen Säumen umgeben. Diese Mängel traten um so mehr hervor, je stärkere Vergrößerungen man anwandte. Sollten diese möglichst unschädlich gemacht und eine sehr starke Vergrößerung mit hinreichender Lichtstärke und Bildschärfe verbunden werden, so mußten die F. eine bedeutende Länge erhalten, was dieselben für den Gebrauch in hohem Grade unbequem machte. Divini und Campani, beide in Rom, Huygens, der um die Theorie des F. große Verdienste hat, Auzout u. a. fertigten F., die 30 und noch mehr Meter Brennweite hatten und zu ihrer Fassung Röhren von gleicher Länge erheischt hätten. Die Schwierigkeit der Herstellung solcher Röhren gab Veranlassung, F. ohne Röhren oder sog. Luftferngläser zu verfertigen, die zuerst 1684 von Huygens angegeben wurden.
Selbst Newton hielt es nicht für möglich, die dioptrischen F. durch Beseitigung der chromatischen Aberration, als des größten bei denselben vorkommenden Übelstandes, wesentlich zu verbessern. Erst Leonh. Euler (1747) und kurz nach ihm Klingenstierna wiesen nach, daß durch Kombination von Linsen aus verschiedenen Glassorten die chromatische Aberration aufgehoben werden könne. John Dollond war der erste, welcher thatsächlich achromatische Linsen herstellte, die von Farbensäumen freie Bilder lieferten (s. Achromatisch). Damit war in der Verfertigung der F. ein sehr wichtiger Fortschritt gethan. Seitdem sind die achromatischen F. von Peter Dollond, Ramsden und namentlich von Fraunhofer wesentlich vervollkommnet worden. In neuester Zeit ist ein weiterer Fortschritt durch Herstellung einer größern Anzahl neuer optischer Glassorten von seiten des glastechnischen Instituts in Jena erzielt worden, mit deren Hilfe es möglich ist, Objektive von nahezu vollkommener Achromasie anzufertigen (s. Glas, optisches). Auch die Okulare des astronomischen F. haben seit Kepler bedeutende Verbesserungen erfahren. Eine einzelne Linse als Okular ist zwar genügend, um in der Mitte des Sehfeldes deutliche scharfe Bilder zu geben, schon in geringer Entfernung von der Mitte aber werden die Bilder undeutlich. Diesem Mangel hat man durch Anwendung mehrerer Linsen, gewöhnlich zweier an Stelle einer einzigen abgeholfen. Die gewöhnlich gebräuchlichen Okulare sind das Huyghenssche oder Campanische und das Ramsdensche. Beide bestehen aus zwei plankonvexen Linsen und unterscheiden sich nur durch deren Anordnung voneinander (s. Linsenkombinationen). Die Vollkommenheit der heutigentags angefertigten Refraktoren läßt kaum noch etwas zu wünschen übrig. Welche Fortschritte man auch in Bezug auf die Größe der Objektive gemacht hat, kann man daraus erkennen, daß noch 1840 der Refraktor der Sternwarte in Pulkowa von 38 cm Öffnung der größte existierende war, während jetzt die Universität zu Chicago in dem auf der Weltausstellung da selbst 1893 ausgestellten Refraktor von 101 cm Öffnung das größte dioptrische F. der Welt besitzt. Inzwischen ist man in Amerika mit dem Gedanken beschäftigt, ein noch größeres F. zu erbauen für eine
in Pittsburgh zu errichtende Sternwarte. Nachstehend sind in Centimetern die Öffnungen der zwölf
größten Refraktoren angegeben:
Chicago (1893) 101 1/2
Lick-Sternwarte 91 1/2
Nizza 76
Pulkowa 76
Wien 68 1/2
Washington 66
Chicago 66
Gateshead (England) 63 1/2
Princeton (Neujersey) 58 1/2
London 56
Straßburg 48 1/2
Mailand 48 1/2
2) Die Reflektor en. Auch hier ist der erste Erfinder nicht mit Sicherheit bekannt. Veranlassung zu ihrer Erfindung gab der Umstand, daß man lange Zeit die Beseitigung der Farbenzerstreuung bei den auf der Brechung des Lichtes in Glaslinsen beruhenden Refraktoren für unmöglich hielt, während die von Hohlspiegeln erzeugten Bilder von Farbenzerstreuung frei sind. In die Praxis eingeführt wurden die ersten Reflektoren von Gregory und Newton, epochemachende Leistungen erzielten aber erst die von Herschel hergestellten Spiegelteleskope. Als Objektiv dient beim Reflektor ein Hohlspiegel von parabolischer oder sphärischer Gestalt. Das durch diesen erzeugte Bild eines Gegenstandes liegt zwischen dem Spiegel und dem Gegenstand; um es direkt zu sehen, müßte daher das Okular sowie das beobachtende Auge sich ebenfalls zwischen beiden befinden und es würde dann ein großer Teil des vom Gegenstand auf den Spiegel fallenden Lichtes durch den Beobachter weggenommen werden. Je nach der Art, wie diese Schwierigkeit überwunden wird, unterscheidet man drei Formen von Reflektoren. Die älteste Form ist das Gregorysche Spiegelteleskop (Fig. 4), 1663 von Gregory vorgeschlagen, aber erst später ausgeführt. Bei diesem Instrument entwirft der in seiner Mitte durchbohrte Objektivspiegel 8 5 von dem entfernten Gegenstand ein verkehrtes verkleinertes Bildchen a.. Letzteres liegt nahe dem Brennpunkte des kleinen Hohlspiegels V, der vom Bildchen a ein vergrößertes aufrechtes Vild d erzeugt. Dieses Vild wird mit dem Okular 0 gesehen, wodurch es vergrößert erscheint. Die richtige Einstellung des Spiegelchens V wird mittels des Schrauben-^[folgende Seite]