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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flecken - Fleisch (Nahrungsmittel)
Fleeten, s. Flaaken.
Fleet, ein kleiner, schiffbarer Graben oder Kanal,
der. von einem Schiffahrtswege ausgehend, nach
Fabriken, Lagerhäusern,Schiffswerften u.dgl. führt.
Man trifft die F. besonders zahlreich in Hamburg und
im Holland. Süden, wo sie Grachten genannt wer-
den. Diese Bezeichnung überträgt sich auch auf die
neben den künstlichen Wasserwegen liegenden Ufer-
straßen, z. V. die Friedrichsgracht in Berlin. Über
das Vinnensleet f. Binnentief. - Über F. als
Herdraum s. Bauernhaus (Bd. 2, S. 509 d).
Fleetwood on Wyre (spr. flihtwudd onn weir),
Stadt in der engl. Graffchaft Lancafter, 33 kin im
NW. von Prefton, am Südeingange zur Morc-
<ambebai, auf einem Vorgebirge an der linken
Seite des Wyreästuars, Sitz eines deutschen Kon-
sularagenten, hat (1891) 9274 Steinen guten Hafen,
Docks, Schiffswerfte, befuchte Seebäder, einen auf
^1 1<m sichtbaren Leuchtturm und mit etwa 150
eigenen Schiffen Handel nach Amerika. Von F.
gehen täglich Postdampfer nach Belfast, im Sommer
auch nach der Infel Man. Im SW. RossaU School
für 400 Knaben. - F. wurde erst 1836 gegründet.
Flegel, soviel wie Dreschflegel, s. Dreschen. -
F. als mittelalterliche Echlagwaffe, s. Morgenstern.
Flegel, Robert, Reisender, geb. 13. (1.) Okt.
1855 zu Wilna, trat 1869 als Lehrling in eine
Rigaer Buchhandlung, 1872 in die Handelsschule ,
zu München, später in eine Hamburger Tabaks- !
großhandlung ein und nahm 1875 eine Anstel-
lung in einer Faktorei zu Lagos in Westafrika an.
Drei Jahre verlebte er an der Küste von Guinea,
machte 1879 eine Erpedition nach dem Kamerun-
Gebirge und befuhr im Juli desfelben Jahres auf
dem engl. Mifsionsdampfer "Henry Venn" den
Binue, wobei er um 200 km weiter aufwärts als
Baikie 1854 gelangte und eine gute Aufnahme des
Flusses fertig stellte. Die Ausnutzung dieser viel-
verheißenden Wasserstraße für den deutfchen Handel
war fortan unverrückbar das Ziel seiner Lebens-
arbeit. Mit Unterstützung der Deutschen Afrikani-
schen Gefellschaft besuchte F. 1880 zunächst Nupe
und Sokoto, um sich von den dortigen Sultanen
Empfehlungsschreiben für die Vereisung der Vinue-
läuder zu verschaffen und traf April 1881 wieder
in Rabba ein; von da trat er im November zu
Land die Reife nach Loko am Vinuc an und er-
reichte nach einer vorübergehenden Rückkehr zur
Küste 31. Juli 1882 Iole, d'ie Hauptstadt von Ada-
maua; am 18. Aug. entdeckte er bei Ngaundere
die Quellen des Binue. Im März 1883 war er
wieder in Lagos. Eine neue Reise, auf der er
nach Süden bis zum Kongo vorzudringen boffte,
führte ihn zum zweitenmal auf die füdl. Wasser-
scheide des Binue, konnte aber wegen Ausbruchs
von Feindseligkeiten nicht tiefer nach dem Innern
fortgesetzt werden. Mitte 1884 kehrte F. nach Europa
zurück, wo er für deutsche Handelsniederlassungen
lm Niger-Binue-Gebiet agitierte. In Handelskrei-
fcn fand F. kein Verständnis für seine Pläne, wohl
aber bei der Afrikanischen Gesellschaft und beim
Deutfchen Kolonialverein. Aus dem Reichsfonds
für Afrikaforfchung wurden ihm Mittel für ein
neues Unternehmen gewährt und der Kaiser beauf-
tragte ihn mit überbringung von Geschenken an den
Sultan von Sokoto. Im April 1885 trat F. seine
dritte Reise an. Ungünstiger Wasserstand de^ Vinue
^var einem schnellen Vordringen hinderlich. Auch
u'atte die engl. Niger-Compagnie inzwischen sich be-
reits am Niger und Binue festgefetzt, so daß F. kei-
nen entscheidenden Erfolg erringen konnte. Auf dem
Wege nach Iola erhielt er im Juli 1886 die Rück-
berufung nach Europa; er starb an der Küste
11. Sept. in Braß. über die Ergebnisse seiner Rei-
sen vgl. Mitteilungen der Afrikanischen Gesellschaft
in Deutschland, Bd. 4 u. 5 (Berl. 1883-89) und
Vom Niger-Benue. Briefe aus Afrika, hg. von
Karl Flegel (Lpz. 1890). F. fchrieb auch: "Lose
Blätter aus dem Tagebuch meiner Hauff a-Freunde"
Flegler, s. Flagellanten. ^(Hamb. 1885).
Fleglerkrieg, der von Markgraf Friedrich dem
Streitbaren und Wilhelm von Meißen gegen die
sog. Flegler 1412 unternommene Feldzug. Der Auf-
stand derselben hatte sich im Harz verbreitet und
bezweckte gleiche Güterverteilung sowie Abstellung
aller Steuern und Fronen. Unter Führung des
Raubritters Friedrich von Heldrungen durchstreiften
die meist mit Dreschflegeln bewaffneten Scharen das
Land und fanden bei'Graf Günther von Schwarz-
burg und einem Teile des niedern Adels Unter-
stützung. Nachdem der meißnische Feldhauptmann
Ritter Hans Dangel die Burg Heldrungen einge-
nommen hatte, lieh er die Flegler zu Tode geißeln;
Friedrich von Heldrungen verlor sein Lehn und
wurde später von einem Köhler erschlagen.
Flehmen, eine Äußerung des Geschlechtstriebs
beim Hengst, wenn er eine brünstige Stute wittert,
wobei derselbe in ganz charakteristischer Weise
schnuppernd die Ober- und Unterlippe nach außen
umschlägt. Zuweilen kommt das F. auch als Krank-
heitssymptom bei Stuten sowohl wie bei Hengsten
und Wallachen vor, z. V. bei Darmleiden, beson-
ders wenn der Darmkanal durch Anwesenheit von
Eingeweidewürmern gereizt wird.
Fleimfer Thal, s. Fassa (Val di).
Fleisch. Das als hochwichtiges Nahrungsmittel
dienende F. besteht aus den großen Muskelmassen
der Tiere und wird durch verschiedene Formelemente
gebildet, unter denen die eigentlichen Muskelfasern
den überwiegenden Teil ausmachen. Letztere werden
durch Bindegewebe zu Muskelbündeln vereinigt.
Diese sind durchsetzt von den darin sich verästelnden
Blutgefäßen und Nerven sowie von Sehnen und
Fettgewebe. Die Muskelfasern bilden Röhren, die
im Innern mit Saft und Kernen gefüllt sind.
Im Iugendzustande der Tiere ist die Röhrenwan-
dung dünn und zart, später werden die Wandungen
fester und der darin eingeschlossene Saft vermindert
sicb. Außerdem tritt beim älter werdenden Tiere mehr
Bindegewebe auf. Die Menge des Fleifchsaftes und
deren Gehalt an gelöster Substanz wird ferner durch
den Nabrungszustand der Tiere beeinflußt. Daher
ist das F. junger und wohlgenährter Tiere saftiger,
zarter und schmackhafter als das alter und schlecht-
genährter Tiere. Je nach den Ernährungszuständen
und je nach der Art der Verwendung der Nahrung
bei den Tieren unterscheidet sich das F. noch vor-
züglich durch seinen Gehalt an Fett. Bei reichliche:
Ernäbrung und körperlicher Ruhe füllen sich die die
Muskelbündel umhüllenden Bindegewebsmassen
in ihren einzelnen Zellen mit Fett, und je mehr
Fett sich ansammelt, um so mehr Wasser wird hiei
verdrängt, das F. erscheint mit Fett durchwach-
sen, außerdem lagert sich Fett im Bindegewebe der
verschiedensten Körperteile ab. Man beobachte!
diese Erscheinungen regelmäßig bei den Masttiereu,
während das F. der in Freiheit lebenden Tiere, das
des Wildbrets, niemals einen hohen Fettgehalt auf-
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