Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fließpapier - Fligely
biger Verzierung bedeckten Platten aus gebranntem
Thon (s. Fayence) zu dem gleichen Zwecke. Teils
fanden die Platten, mit Ornamenten oder figürlichen
Darstellungen versehen,Anwendung,teils wurden sie
in ihren natürlichen Farben zu Mustern zusammen-
gestellt. Diese Delorationsart ist sehr alt, sie bestand
schon bei den Assyriern (s. Tafel: Babylonisch-
Assyrische Kunst, Fig. 3 u. 6). In dcrspätröm.
Kaiserzeit kam die Sitte auf, Marmorplatten für
Wände und Fußböden zu verwenden, und erhielt
sich das ganze Mittelalter hindurch. Berühmt sind
die Fliesenverzierungen im Baptisterium von San
Giovanni in Florenz, im Dom zu Monreale auf
Sicilien und besonders im Dom zu Siena. Vor-
zugsweise bedienten sich ihrer die Araber in den
von ihnen eroberten Ländern; schon im 10. und!
figurenreiche Wandgemälde. - Vgl. Ame, 1,63 cai--
1 ol5lF68 6Mki1l68 äu M0)'6ll K36 Lt (1613. l6u3,i88ance
(Par. 1859); Meurer, Ital. Majolikafliesen aus dem
Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrh. (Bert.
1880); Vrenci und Lessing, Majolitafliesen aus
Sicna 1500-50 (ebd. 1884); Iacobsthal, Südital.
Fliesenornamcnte (30 Tafeln in Farbendruck, ebd.
1886); Knochenhauer, Niederländ. Fliesenornamente
(50 Tafeln, davon 30 in Farbendruck, ebd. 1888). -
F. in der Vcrnsteinindustrie, s. d. (Bd. 2, S. 842a).
Fließpapier oder Lösch Papier, ungeleimtes,
wenig gepreßtes Papier, das infolge seines lockern
Gefüges Flüssigkeiten schnell aufsaugt (s. Papier-
fabrikation).
Fliete, ein früher sehr häufig gebrauchtes tier-
ärztliches Instrument zum Zwecke des Aderlasses
11. Jahrh, dienten die F. (in Spanien
Azulejos, s. d.) zum Schmuck ihrer
Paläste und Moscheen. In der Alham-
bra (s. Tafel: Kunst des Islam I,
Fig. 5), ebenso im Orient, in Arabien,
Indien und Persien sind sie noch in
großer Anzahl als Wandverkleidung er-
halten, mit unveränderlichen schönen
Farben, vielfach ornamentiert, mitHell-
und Dunkelblau, auf weißem Grunde,
mit metallisch glänzendem Braun, mit
Grün, seltener mit Not. Von den Ara-
bern übernahmen im 16. Jahrh, die
Italiener und im 17. Jahrh, die Hol-
länder diese Dekorationsweise, die mit solchen F.
aus Majolika bez. aus Dclftcr Fayencen (s.d.) Wände
und Fußböden sowohl in den Wohngemächern wie
besonders in den Wirtschaftsräumen belegten. Gegen
Ende des 18. Jahrh, verschwand diese Dekoration,
um erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh, wieder
aufzuleben. Cnglaud ging voran; eine Reihe von
Fabriken (besonders zu Stoke upon Trent) schufen
bunte glasierte F., sowohl mit figürlicher Scenerie
als auch mit stilvollen Pflanzcnornamenten, für
Kamine, Fußböden, insbesondere für die Wände
der Wirtschaftsräume. Dem Beispiel ist man in
Deutschland (Villcroy ^ Boch in Mettlach, Knoll
in Karlsbad u. a.), in großartigster Weise aber in
England (Maw and Co. zu Vroselcy in Shropshirc;
s. vorstehende Figuren) gefolgt. Man setzt sogar
nunmehr nicht bloß ornamentale Darstellungen aus
den F. zusammen, sondern große landschaftliche und
bei Pferden und Rindern. Die
F. ist eine Art Lanzette, bei
welcher der schneidende Teil
rechtwinklig in einer Stahl-
tlinge angebracht ist. Der schnei-
dende Teil wird auf die zum
Aderlaß gewählte und durch
Zusammendrücken zum An-
schwellen gebrachte Ader (Vene)
aufgesetzt und vermittelst eines
Schlages mit der Hand oder
einem besondern Holzschlägel
in dieselbe eingetrieben. Da
bei ungeschickter Handhabung
der F. aber außer der Drosselvene noch die in der
Nähe befindliche Drosselarterie (Oll.r0ti8) verletzt
und dadurch infolge von Verblutung der Tod her-
beigeführt werden kann, so ist Laien der Gebrauch
der F. zu widerraten.
Fligely, August von, östcrr. Feldmarschalllieute-
nant, geb. 1811 zu Iauow in Galizien, war 1853
-72 Direktor des Militärgcographischen Instituts
in Wien und starb 12. April 1879 daselbst. Obschon
1872 in den Ruhestand getreten, war er noch bis
1875 Präsident der österr. Gradmessungskommission.
F. hat sich um die Triangulation, Landesaufnahme
und Kartographie Österreichs große Verdienste er-
worben; seiner reformatorischen Thätigkeit verdankt
das von ihm geleitete Militärgcogravhischc Institut
seinen Weltruf. Auf F.s Veranlassung wurde die
Heliogravüre bei der Herstellung der neuen Special-
karten Österreichs zur Anwendung gebracht.