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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fortin - Fortschreitung
Fortin, älteres türt. Getreidemaß, das 4 türk.
Kile (s. d.) enthielt.
Fortis (vom lat. lortiZ, stark), in der Phonetik
(s. d.) Bezeichnung eines kräftig ausgesprochenen
Konsonanten, im Gegensatz zu einem schwächer aus-
gesprochenen, den man Lenis (s. d.) nennt. Z. V. ist
das 8 in "reißen" F., in "reisen" Lenis. Die Stärke
der Aussprache beruht auf der Kraft des Lustdrucks
und der dadurch bewirkten energischen Muskelthätig-
keit der Sprechwerkzeuge. Jedes stimmlose p, t, I<,
f, 8, 8c1i, cli wird lortiä gesprochen im Vergleich zu
stimmhaften d, ä, ^^v, 8,8ck, ^. Aber auch jene
stimmlosen Laute selbst können mehr oder minder
stark ausgesprochen werden. Besonders in den ober-
deutschen Mundarten (s. Deutsche Mundarten) ist
dieser Gegensatz stark ausgeprägt. Hier spricht man
z. B. das l in "schlafen" lortiZ, in "Hafen" aber leni?.
Fortis, AlM Giovanni Vattista, genannt Al-
berto, ital. Naturforscher, geb. 11. Nov. 1741 zu
Padua, trat im 16. Jahre gegen seinen Willen in
den Augustinerorden. Als es ihm gestattet wurde,
zurückzutreten, begab er sich auf Reisen und wid-
mete sich der Schriftstellerei. Nach dem Tode seiner
Mutter erbte F. ein großes Vermögen, begab sich
dei Ausbruch der Französischen Revolution nach
Paris und ward 1801 Bibliothekar in Bologna,
wo er 21. Okt. 1803 starb. Besonders verdient ist
er dadurch, daß er zuerst in Westeuropa auf den
Schatz der ferb.-kroat. (damals "morlakisch" ge-
nannten) Volkslieder hinwies und selbst einige
Proben mitteilte in "8aF^0 ä'0386rv9.xioui Lo^ra.
I'i8ol3. äi <H6i'80 oä 08^1-0" (Vened. 1771) und be-
sonders in "ViaFssio in DI^inHxia." (2 Bde., ebd.
1774; deutsch, 2 Bde.,Bern 1797). Berichtigungen
und Ergänzungen zu der "Reise in Dalmatien" lie-
ferte Giovanni Lovrich in "O^orvn^ioni Lo^i-a. äi-
V6r8i P6221 änl vin^Fio in Daiin^iH äel 3iFii. ^diU6
^. 1<" (Vcned. 1776). Von seinen sonstigen Werken
sind noch zu erwähnen: "lottere A60Fi'l^coii8i^1i6
öuiiH ^^wdi'ig. 6 811II3.1'uZIia" (Neap. 1784), "Del
niti-0 ininoi'Hle" (1787) und "^I6ni0ii'68 pour 86i'vii-
a. i'i^iLtoirs naUirkUe et princip^Iement ö, I'or^cto-
FrÄpliie äs I'lwlie" (2 Bde., Par. 1802).
I'OrtiSLINIO, s. ^01't6.
?ortitsr in rs, sna.vitsr in inoÄo (lat),
"stark (fest) in der Sache, aber mild in der Art (der
Ausführung)", ein sprichwörtlicher Ausdruck, der
zurückgeführt wird auf eine Stelle in der Schrift
"Iuän3ti'i3.6 aä oni-kmäoL kuiuiHe M0i'd08" (Vened.
1606) des Iesuitcngencrals Aquaviva.
Fortlage, Arnold Rudolf Karl, Philofoph, geb.
12. Juni 1806 zu Osnabrück, studierte seit 1825 erst
Theologie zu Göttingen und Berlin, dann, durch
Kegels Vorträge bewogen, Philosophie, und hörte
1828-29 in München auch Schclling. Er wurde
1829 Privatdocent zu Heidelberg, siadolte sväter
nach Berlin über und wurde 1846 Professor zu
Jena, wo er 8. Nov. 1881 starb. F. war zunächst
bestrebt, durch ein Zurückgehen auf die Kantischen
Kritiken einen festen Gesichtspunkt zur Orientierung
unter den verschiedenen Philosophenschulen älterer
und neuerer Zeit zu gewinnen, so in den Schriften
"Über die Denkweise der ältesten Philosophen"
(Veidelb. 1829), "DieLückendesHegelschen Systems"
(ebd. 1832), "Philos. Meditationen über Platos
Symposion" (ebd. 1835), "^ni-olii ^u^uätini äoo
triuÄ äe tompoi-6" (ebd. 1836) und "Darstellung und
Kritik der Beweise fürs Dasein Gottes" (ebd. 1840).
Daneben gingen aus seinen litterarhistor. Studien
die "Vorlesungen über die Geschichte der Poesie"
(Stuttg. 1839) hervor. Seine Ideen zur Orientie-
rung in den Richtungen der Systeme aus der Kanti-
schen Schule enthält die "Genetische Geschichte der
Philosophie seit Kant" (Lpz. 1852); die Ergebnisse
seiner psychol. Forschungen legte er nieder in: "Zun-
dert Thesen zur Psychologie" (Berl. 1843), "System
der Psychologie als empirischer Wissenschaft aus
der Beobachtung des innern Sinnes" (2 Bde., Lpz.
1855), "Acht Psychol. Vorträge" (Jena 1869; 2. Aufl.
1872), "Vier psychol. Vorträge" (ebd. 1874) und "Bei-
träge zur Psychologie als Wissenschaft aus Speku-
lation und Erfahrung" (Lpz. 1875). Außerdem ver-
öffentlichte F. "Gefänge christl. Vorzeit" (Berl. 1844),
"Das musikalische System der Griechen" (Lpz. 1847)
und "Friedrich Rückert und seine Werke" (Franks,
a. M. 1867). - Vgl. Brasch, Karl F., ein philos.
Charakterbild (in "Unserer Zeit", Lpz. 1883).
Fortlaufendes Conto, die im deutschen Zoll-
gebiete bestehende Einrichtung der Kontierung (s.d.)
unverzollter fremder Waren dann, wenn diese Kon-
tierung ohne Befchränkung auf einen bestimmten
Zeitraum von der Zollbehörde bewilligt wird, im
Gegensatze zu den sog. Meß tonten, welche an den
Meßplätzen nur auf die Dauer je einer Messe er-
öffnet werden.
Fort Madifon (fpr. mäddlß'n), Hauptstadt
des County Lee im nordamerik. Staate Iowa,
27 km südwestlich von Burlington am Mississippi
und mehrern Bahnen, hat (1889) etwa 5000 E.,
Stahl-, Eisenwaren- und Papierfabrikation, Mehl-
und Sägemühlen, ein Staatsgefängnis und eine
höhere Schule.
Fortöre, Küstenfluh des östl. Unteritaliens, ent-
springt in der Provinz Venevent, bildet die Grenze
zwischen Campobasso und Foggia und mündet nach
einem Laufe von 96 kni westlich vom Lago di Lesina
ins Adriatische Meer.
Fortpflanzung, derjenige Vorgang, durch wel-
chen im Tier- und Pflanzenreiche, gegenüber dem
fortwährenden Dahinsterben einzelner Individuen,
vermöge der Hervorbringung neuer Individuen
(Nachkommen) die Art erhalten bleibt. Das Wesen
dieses Vorgangs, der als eine Erscheinung des auf
Ernährung beruhenden Wachstums aufzufassen ist,
zeigt große Verschiedenheiten. (S. Zeugung.)
Fortpflanzungsgeschwindigkeit 0 esLichts,
s. Lichtgeschwindigkeit; F. des Schalls, s. Schall-
geschwindigkeit; F. des galvanischen Stroms,
s. Galvanischer Strom.
Fort^Mley (spr. reile), Militärposten im nord-
amerik. Staate Kansas, westlich von Topeka, gegen-
über dem Zusammenfluß des Nepublican-River und
Smoky-ßill-Fork, an der Union-Pacific-Vahn, mit
großen Artillerie- und Kavalleriekasernen und einer
Karnison von 3000 Mann, wurde 1853 angelegt und
neuerdings in bedeutendem Maßstabe ausgebaut.
Fortrose (spr. -röhs), Stadt in der schott. Graf-
schaft Noß, 11 kin im NNO. von Invenreß, hat
mit dem Dorf Nosemarkie (1,5 km im O.) 980 E.
und Ruinen einer von Cromwell zerstörten Kathe-
drale (14. Jahrh.). F. ist ein besuchtes Seebad.
Ehemals hieß der Flecken Chanonry und war im
15. Jahrh, als Residenz der Bischöfe von Noß
Mittelpunkt für das wissenschaftliche Studium des
Altertums.
Fort Royal (fpr. fohr röäjäll), s. Fort de France.
Fortfchreitung, ein in der Theorie der Musik
gebräuchlicher Ausdruck, bezeichnet den gesetzmäßi-