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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französische Rente - Französische Revolutionskriege
1^3. pki1<)8s)plii6 li'^n^lii86 C0Ut0N11)01'HiU6 (ebd.
1879); Ravaisson, I^a pliiloänplii" cu I^ranc" ini
XIX" siecw (2. Aufl., ebd. 1885).
Französische Rente, Bezeichnung für den
Hauptteil der franz. Staatsschuld, mit Rücksicht
darauf, daß bei der Zusammenziehung der ältern
Staatsschulden in eine einheitliche konsolidierte
Schuld (d^tt" con8oli(i60) im I. 179? den Gläu-
bigern für ihre Darlehen ein immerwährender Zins-
genuß (uli6 !'6nt0 P6i'i)6w0l!6) und nicht du: Rück-
zahlung des Kapitals versprochen wurde, seitdem
sind bis 1878 alle festen Staatsschulden in dieser
Form gemacht worden, und andere Staaten sind
dem Beispiel Frankreichs gefolgt. Demgemäß wird
in das durch Gesetz vom 24. Aug. 1793 begründete
Staatsschuldbuch (6i-aiiä livre äe 1a ä^tte Mdiisiuch
nicht die Kapitalsumme, sondern nur die von den
Gläubigern zu beziehenden Rentcnbeträge inskri-
biert (s. Einschreibesystcm), und die über letztere aus-
gegebenen Titel führen den Namen liizcriptioiin
ä6 I'6nto8 P01'MU61108. Von dieser Rentenart ist
man aber neuerdings insofern abgewichen, als
1878-84 Rentcnschulden geschaffen wurden, deren
Kapitalsnmmen durch Auslosung ai paii getilgt
werden sollen (sog. i'0iite8 mnoi'ti33lü)Io3). Die
Emissionskurse dieser Rente, welche einen Ertrag
von 3284580886 Frs. brachte, waren 79,5.0,80,50,
85 und 87,50. seitdem ist man aber bei den fol-
genden Anlehen wieder zu der erstern Form zurück-
gekehrt. Die Ausgabe von 870 Mill. Frs. 3prozen-
tigcr Rente im Jan. 1891 erfolgte znm Kurs von
92,5.5 Frs. Im ganzen giebt es jetzt nur noch drei
Typen der 'Rentenschuld: 1) die 3prozentige per-
petuclle Rente (w 3"/<> ^c;i'i)^w"I), für welche kein
Rückzahlungstermin besteht; 2) die 3prozentige
amortisable Rente, welche mit 500 Frs. per Zins-
abschnitt von 15 Frs. bis 1953 eingelüst werden
soll; 3) die ^prozentigc 1894er Rente, welche aus
der 1883er 4'/.2prozentigen hervorging und einer Til-
gung nicht vor dem 16. Febr. 1902 unterworfen wer-
den kann. - DerJahresdurchschnittskurs der wich-
tigsten Rentenart - der 3prozentigen perpetuellen
Rente - betrug in Paris 1887 81,07, 1888 82,03,
1889 85,77, 1890 91,69, 1891 95,23. 1892 erreichte
sie den Parikurs, siel infolge des Panamastandals
und erholte sich seitdem wieder bis über den Pari-
stand. Von deutschen Börsenplätzen notiert nur
Frankfurt a. M. die 4^prozentige Rente. Der
hohe Kurs der F. R. erklärt sich hauptsächlich dar-
aus, daß die franz. Sparkassen denHauptteil ihrer
Gelder in derselben anzulegen verpflichtet sind. -
Über die Höhe der franz. Staatsschuld f. Frankreich,
Finanzwesen lS. 73 d). Md fg.
Französische Revolution, s. Frankreich, S.
FranzösischeNevolutionskriege. Frankreich
erklärte 20. April 1792 an das mit Preußen durch
Vertrag verbundene Osterreich den Krieg (s. Frank-
reich, <^. 93 d) und ließ zwei Heere in Belgien ein-
rücken, wo man die Österreicher (35000 Mann unter
dem Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen) unvor-
bereitet zu finden meinte. Die franz. Nordarmee
(35000 Mann unter Rochambcau) rückte von Va-
lenciennev, die zweite (28000 Mann unter Lafayette)
von Sedan und Givet her über die Grenze, beide
kehrten jedoch bald ziemlich aufgelöst wieder auf
franz. Gebiet zurück. Inzwischen war unter dem
Herzog Karl von Braunschwcig ein 82000 Mann
starkes Heer (42000 Preußen, 20000 Österreicher,
14000 franz. Emigranten und 6000 Hessen) von
Luxemburg her in Frankreich eingerückt, doch waren
die Österreicher und Emigranten noch zurück. Rechts
von diesem Heere sollte der Herzog von Sachsen-
Teschen mit 40000 Mann die franz. Grenzfestungen
nehmen, während links 14000 Österreicher unter
dem Fürsten Hohenlohe gegen Saarlouis und Die-
denhofen bestimmt waren. Die Preußen nahmen
23. Aug. Longwy, 2. Sept. Verdun und standen
20. Sept. bei Valmy (s. d.) Dumouriez, der Lafayette
im Oberbefehl abgelöst hatte, gegenüber, traten je-
doch, anstatt das durch vorhergegangene Gefechte
erschütterte feiudliche Heer mit Nachdruck anzugrei-
fen, nach einer crfolglofen Kanonade und mehrtägi-
gen Verhandlungen mit dem franz. Oberbefehls-
haber 30. Sept. den Rückzug an, obschon die zurück-
gebliebenen Österreicher und Emigranten inzwischen
nahe herangekommen waren. Die Österreicher ver-
ließen hierauf die Hauptarmee und rückten 11. Okt.
unter Elerfayt nach Belgien ab, die Hcsfen kehrten
in die Heimat zurück, und die Emigranten zogen
nach Lüttich, wo sie gegen Ende November aufgelöst
wurden. Der Herzog von Sachsen-Teschen hatte
8. Sept. die Franzosen ans dem Lager von Maulde
vertrieben, 24. Sept. Lille mit 14000 Mann ein-
geschlossen und diesen wichtigen Platz vom 29. Sept.
bis 4. Okt. heftig bcfchossen; auf die Nachricht vom
Rückzug der Preußen aus der Champagne hob er
jedoch die Belagerung auf. Dumouriez ließ das
preuß. Heer durch Kcllermann verfolgen, zog Ver-
stärkungen an sich und rückte an der spitze von
52000'Mann 21. Okt. nach Valeneiennes, schlug
das Heer des Herzogs von ^achsen-Teschen 6. Nov.
bei Iemappes (s. d.) und besetzte hierauf ganz Bel-
gien. Am 14. Nov. übernahm Clerfayt den Ober-
befehl über die kaiserl. Truppen in den Niederlan-
den. Euftine war unterdessen mit der Rheinarmee
in die Pfalz eingerückt, hatte sich Speiers bemächtigt
und im Oktober Mainz und Frankfurt a. M. besetzt,
das aber 2. Dez. durch Hess. Truppen wieder genom-
men wurde. Zur selben Zeit hatte eine franz. Süd-
armcc, 40000 Mann unter Montesquieu, ohne
Kriegserklärung im September die ital. Grenze über-
schritten und Savoyen besetzt, das 27. Nov. als
Departement du Montblanc mit Frankreich vereinigt
wurde; 31. Jan. 1793 wurde auch Nizza annektiert.
ImI. 1793 verbanden sich England, Holland und
Sardinien mit Österreich und Preußen (ersteKoali -
tion), auch Spanien nahm am Kriege gegen Frank-
reich teil, und in der Vendee (s. d.) entbrannte der
Bürgerkrieg. Die franz. Nordarmee rückte im Fe-
bruar in Holland ein und belagerte Mastricht; doch
überschritt 1. März ein 42000 Mann starkes österr.
Heer unter Prinz Iosias von Coburg die Roer, ent-
setzte Mastricht, schlug Dumouriez, der mit dem
Rest seiner Truppen herbeigeeilt war, 18. März bei
Neerwinden (s. d.) und 22. März bei Löwen, worauf
die Nordarmee über die franz. Grenze zurückging
und Dumouriez in das österr. Lager flüchtete.
Prinz Iosias von Coburg, anstatt nun rasch vorzu-
stoßen, glaubte die engl. und Holland. Hilfstruppen
abwarten zu müssen, und mußte sich schließlich mit
der Eroberung der Festungen Conde 13. Juli und
Valenciennes 28. Juli begnügen, da die Engländer
gegen seinen Willen auf Düntirchcn marschiert wa-
ren. Sie wurden von t cm herbeigeeiltcn Houchard
6. Sept. bei Hondschooie mit großem Verlust ge-
schlagen. Bald darauf war Prinz Iosias zur Be-
lagerung von Maubeuge geschritten, die er aber
aufgeben mußte, als die gegen Iourdan gelieferte