Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

359
Friesen (an Geschützrohren) - Friesen (Volksstamm)
Bläschen bei ihrem Verschwinden keine Spur zu-
rück; zuweilen vertrocknen sie und es erfolgt eine
geringe Abschuppung. Die ältern Ärzte hielten den
F. für eine Reinigung des Blutes und sein Zurück-
treten oder Zurücktreiben sür höchst gefährlich. Sie
steckten daher den Patienten in dichte Betten und
suchten das Gift durch Schwitzmittel herauszu-
treiben. Die neuern Arzte haben sich von dem
Irrigen dieser Ansicht hinlänglich überzeugt, halten
den F. im Gegenteil sür einen ganz unschädlichen
Hautausschlag und suchen sein Entstehen bei Kranken
und das Übermaß des Schweißes lieber ganz zu
verhüten durch kühle Zimmerlust, fleißiges Lüsten,
leichte Bedeckung des Kranken, öfteres Wäsche-
wechseln, häufiges Abwäschen des ganzen Körpers
u. dgl. Daneben giebt man innerlich kühlende
Mittel, Limonade, Mineralsäuren u. dgl.
Friesen, ringartige Verstärkungen auf der
Außenseite von Geschützrohren, die ursprünglich
namentlich bei den aus eisernen Stäben zusammen-
geschweißten Kanonen lediglich der Haltbarkeit,
später bei den Bronzerohren, als sich künstlerischer
Geschmack auch auf die Ausstattung des Artillerie-
materials erstreckte, fast nur der Verzierung dienten.
Die F. werden bei den neuern Stahlkanonen nur
in seltenen Fällen zur Verstärkung der Mündung,
als Mundfriese, angewandt.
Friesen (lat. ^ri8ii, im Mittelalter 1^11301163,
1^13101168,1^1-6801168, in ihrer eigenen Sprache vor-
mals 5>68H, ^I'686!i), ein german. Volksstamm in
dem Marschlande längs der deutschen Nordsceküste.
Die Römer kannten sie nur in der Landschaft zwischen
Zuidersce und Emsmündung. Östlich von ibnen
wohnten bis zur untern Elbe die Chauken. Diese
sowie die in Holstein, Schleswig, Iütland und auf
den dän. Infeln damals anfäfsigen Vorfahren der
Angelsachsen (die Nerthus-Völker des Tacitus) sind
die nächsten Stammverwandten der F. Alle ins-
gesamt bildeten bis zur Auswanderung der Angel-
fachsen nach Britannien, also bis zur Mitte des
ersten Jahrtausends nach Christus, ein eigenes Volk,
die Anglo-Friesen, die sich in den ersten Jahrhun-
derten vor und nach Christi Geburt Ingwaiwcn
(lat. IiiAva6von68) nannten. Durch Drusus wurden
die F. den Römern zinsbar gemacht. 28 n. Chr. be-
srciten sie sich wieder und wußten ihre Freiheit die
folgenden Jahrhunderte zu behaupten. Während der
Völkerwanderung breiteten sie sich fowohl nach
Westen als nach Osten zu beträchtlich aus, jedoch
nur in dem schmalen Küstcnsaum des Marschlandes.
Sie besaßen seit der Mitte des ersten Jahrtausends
nach Christus die Küste von der Scheldemündung
(bez. von Amsterdam) an bis zur Wesermündung
und zerfielen in einen westlichen (westlich vom Zuider-
see), mittlern (bis zur Laubach) und östl. Stamm
(bis zur Weser). Unter Westfriesland verstand man
bis ins 14. Jahrh, nur das erste Drittel des Landes.
Sprachlich trennt das Flüßchen Laubach oder Lan-
<w)ers (altfries. I^v6k6) westlich von Groningen die
F. in Westfriesen (wefterlauersche F.) und Ost-
friesen, wenn man auch heute nur das Land öst-
lick der Ems Ostsriesland nennt.
Im 7. Jahrh, beginnen die Kämpfe der F. mit
den Franken; später folgten die Raubzüge der Nor-
mannen. Das westl. Friesland bis zum Zuidersee
unterwarf PippinvonHeristal 689 durch seinen Sieg
über Radbod (altfries. Nöälmä), das mittlere Fries-
land bis zur Laubach Karl Martell 734, das östl.
Friesland bis zur Wesermündung Karl d. Gr. 775
-785. Für die Ausbreitung des Christentums wirkte
50 Jahre hindurch der Angelsachse Willibrord und
785 der heil. Liudger. Die kirchliche Verwaltung
der beiden ersten Teile unterstand dem Bischof von
Utrecht, die der östlichen überwies Karl d. Gr. den
neu errichteten sächs. Bistümern Münster und Bre-
men. Für alle drei Teile Frieslands erließ Karl d. Gr.
um 785 die I^ex 1^ri8ionuin (s. Friesisches Recht)
unter Zugrundelegung eines ältern Gesetzbuchs.
Dieses nunmehr schriftlich niedergelegte Volksrecht
bestimmte zugleich die Verfassung Frieslands. Statt
der srühern Könige regierten seit der frank. Unter-
werfung Grasen das in die Stände der Adligen,
Freien, Halbsreien und eigenen Leute^ zerfallende
Volk. Jedoch wußten die F. dauernd eine ziemlich
unabhängige Stellung zu behaupten. Durch den
Vertrag von Verdun 843 kam Friesland zum
Lotharingifchen Reiche; durch den Vertrag von
Mersen 870 wurde es zwischen Frankreich und
Deutschlaud geteilt, bis es 888 ganz an Deutschland
siel, von dem es seitdem politisch abhängig blieb.
Die Rbeinmündung, die keine rein fries. Bevölke-
rung hatte, wurde schnell verfränkifcht. Aus diesem
Teile des alten Friesland erwuchs die frank. Graf-
schaft Holland. Im 13. Jahrh, begann das polit.
Friesland erst nördlich von Amsterdam. Damals
fanden zahlreiche Kämpfe einzelner frief. Landdistrikte
untereinander und mit ihren Landesherren statt.
Die F. errangen eine ziemlich selbständige Stellung.
Sie erscheinen als Gemeindevcrbände, an deren
Spitze 12 oder 16 con8iil63 (altfries. r6ch'6va) oder
Richter getreten sind, die statt der alten Gauver-
sammlungen Recht sprechen. Die Upstalsbomer
Bundestage sind nicht, wie man früher geglaubt hat,
uralte Volksverfammlungen der freien F. gewesen,
sondern haben nur Mitte des 12. und Beginn des
13. Jahrh, sowie 1323-27 bestanden und sind Ver-
einstage aus sries. Landdistrikten zwischen Zuider-
see und Weser gewesen. Im 15. Jahrh, war das
Land zwischen Zuidersee und Laub ach von dem
Grasen von Holland, das Land zwischen Laubach
und Ems von der ^tadt Groningen abhängig, das
Land zwischen Ems und Weser von dem Grafen
von Oldenburg, doch in ziemlich selbständiger Stel-
lung. Bis in den Anfang des 16. Jahrh, bewahrten
die F. ibre Selbständigkeit. Seitdem gehört das
Land westlich der Ems zu den Niederlanden, östlich
derselben zu Deutschland. Während der letzten beiden
Jabrhunderte haben die F. zum weitaus größten
Teile ihre alte Sprache und Nationalität aufgegeben
und sind ein deutscher (bez. niederländischer) Volks-
stamm geworden. (S. Friesische Sprache und Lit-
teratur sowie Deutsches Volk, 3.) Vgl. auch Nord-
sriesen, Friesland und Ostfriesland.
Vgl. U. Emmius, I>6luin 1^ri8ic3>runi 1ii3t0riI.
(Leid. 1616); Winfemius, Hi8toi'i8e1i6 Z68cliie(i6-
N1836N VÄN Vi'i68ianä (Franeker 1622); Chr. Scho-
tanus , 1568c1il VV1NF6 6I1"1 (^Iii'onvck VÄN (16 H66r-
Uc:k1i6vät van ^ri^ianät ^ii86ii6n 't I^iis 6nä Ü6
1^uxv6i-8 (ebd. 1655); derf., D6 A68c1ii6ci6ni336n,
1c61'(:1v6lvck 6nä6 ^6r6l(11vc1c van ^1'i68laiiä 008t
6iiä6 N68t ftis 1583^ (ebd. 1685); (^r00t i'ill.caHt 6N
^Kai't6I'-I)06k V3.N 1^1-16813,11(1 (hg. von G. F. Baron
thoe Schwarzenberg svon Karl d. Gr. bis Ausgang
des 17. Iabrh.1, 5 Bde., Leeuw. 1768-93); T. D.
Wiarda, Ostfrief. Geschichte (Bd. 1-9, Aurich 1791;
Bd. 10, Vrem. 1817); I. Scheltema, 668c1ii6(1- 6ii
I6tt6i'1<imäiss ni6NF6i>v6i-Ii (6 Bde., Amsterd. u. Ut-
recht 1817-36); NouuinLntk (^i'oniiiZana (hg. von