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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frommel (Max) - Frondeur
siecher Haldenwang, fand 1809 in Paris Beschäf-
tigung und begab sich 1812 nach Italien, wo er in
Rom und im Neapolitanischen zahlreiche Land'
fchaftsstudien machte. Er kehrte 1817 nach Karls-
ruhe zurück und veranlaßte hier eine Reihe nützlicher
Unternehmungen auf künstlerischem Gebiet. 1824
reiste er nach London, wo damals die Technik des
Stahlstichs in Blüte stand, und begründete dann in
Karlsruhe ein Atelier für Stahlstecher. 1830 ward er
zum Direktor der Gemäldegalerie in Karlsruhe er-
nannt, die er bis 1858 verwaltete. Er starb 0. Febr.
1863 zu Ispringen bei Pforzheim. Im Kupferstich
stellte F. meist Landschaftsbilder Italiens dar; so
u. a. sechs Originalradierungen. Mit Lindemann
oab er heraus: "Skizzen und Bilder aus Rom und
der Umgebung" (neue Aufl., Etuttg. 1855)-56).
Frommel, Max, luth. Theolog, Sohn des vori-
gen, geb. 15. März 1830 zu Karlsruhe, wurde 1854
Pastor der luth. Gemeinde Reinswalde bei Sorau,
1858 der freikirchlichen luth. Gemeinde Ispringen
bei Pforzheim, 1880 Generalsuperintendent und
Konsistorialrat in Celle (Hannover), wo er 5. Jan.
1890 starb. Er ist u. a. der Verfasser von "Herz-
postille, Evangelienpredigtew>(Vrem. 1882; 4. Aufl.
1890), "Zauspostille, Epistelpredigten" (ebd. 1880;
3. Aufl. 1891), "Charakterbilder zur Charakterbil-
dung" (ebd. 1881; 3. Aufl. 1889), "Einwärts, Auf-
wärts, Vorwärts! Pilgergedankeu und Lebenserfah-
rungen" (ebd. 1886; 5. Aufl. 1889), "Pilgerpostille,
Predigten" (ebd. 1890; mit biogr. Anbang).
Frommel-Lindemann, Karl August, Maler
und Lithograph, s. Lindemann-Fronnnel.
Fromme Stiftung, s. Milde Stiftung.
Fromme Wünsche, s. I'm äc^ill^m.
Frömmigkeit, die Religion nach ibrer subjekti-
ven Seite, als bleibender Zustand des Gemüts, ver-
möge dessen der Mensch sich von Demut und Ver-
trauen gegen Gott in allen seinen Handlungen lei-
ten läßt (s. Religion). Frömmelei ist der heuch-
lerische Schein von äußerlich zur Schau getragener
F., angenommen aus Beweggründen, die der echten
Religion fremd sind.
Fron oder Frohn (althochdeutsch t'ronü, ur-
sprünglich der Genitiv Pluralis von t'n", d. i. Herr),
dem Herrn zugehörig, herrlich, herrschaftlich, heilig;
bäufig in Zufammenfetzungen, z. B. F ronbote
ls. d.), heiliger, unverletzlicher Bote; Fron feste,
öffentliches Gefängnis; Fron Hof, Herrenhos (s.
Fronhöfe); Fronleichnam, der Leichnam des
Herrn u. s. w. (S. auch Frone.)
Fronaltar, foviel wie Hochaltar, f. Altar.
Fronbote, der gerichtliche Vollstreckungsbeamte,
welcher im Mittelalter auch das Todesurteil voll-
zog. Seine Anwesenheit war für das vollbesetzte
Gericht erforderlich. (S. Fron.)
Fronde (spr. frongd, eigentlich "Schleuder")
bieß die polit. Partei, die wäbrend Ludwigs XI V.
Minderjährigkeit sich dem Regiment Mazarins und
Annas von Osterreich mit Unruhen entgegenstellte.
Schon seit dem Tode Richelieus (1642) und Lud-
wigs XIII. (1643) hatte sich ein erneuter Rückschlag
der auf Selbständigkeit drängenden Kräfte gegen
den Absolutismus geltend gemacht; um die Zeit des
Westfälischen Friedens steigerte er sich zu offenem
Ausbruche durch das Zusammenwirken des wider-
spenstigen Hochadels, des Parlaments, der einheit-
feindlichen Elemente in den Provinzen und der un-
rlch'igen und Ziellosen Menge von Paris. Im Sinne
des besitzenden Bürgertums bekämpfte das Parla-
ment die in den Kriegen regellos gewordene, von
Mazarin nachlässig gehandhabte Fmanzwirtschaft;
es gab vor oder glaubte, von der gleichzeitigen engl.
Bewegung angeregt, Volksfreiheiten verteidiaen zu
wollen, fah aber ernstlich nur auf feine eigenen
körperschaftlichen und pekuniären Interessen. 1648
tagte es der Regierung znm Trotze; Konzessionen
erhöhten die Unruhe; Verhaftungen (August) führ-
ten zu Strahenwirren; neue Konzessionen erweiter-
ten den Kreis der Frondeurs. Neben die parlamen-
tarische F. trat offen die des Hochadels, vom Kar-
dinal von Netz (s. d.) in demagogischer Aufwiegelung
geleitet. Der Hof verlieft, in Paris beengt, Jan.
1649 die Hauptstadt, die er durch Ludwig II. von
Cond^ (s. d.) blockieren ließ; zu Rueil wurde (März)
ein vorläufiger Friedensvertrag abgeschlossen. Auch
die Provinzen ergriff die Bewegung, häufig an die
Provinzialparlamente sich anschließend, doch blieb
die Mehrheit des Volks, auch die Hugenotten,
königlich. Eine bedeutende Machterweiterung er-
langte die F. durch den Beitritt der Prinzen und
zumal Sonde's (September); Mazarin verband sich
zeitweilig mit der ältern F. gegen Conde'; ehrgeizige
Frauen des Hochadels schürten das Feuer; 18. Jan.
1650 ließ Mazarin Conds, dessen Bruder Conti und
ihren Schwager Longueville verhaften und kämpfte
das Jahr über glücklich in der Guyenne gegen die mit
Spanien verbündeten Parteigänger der gefangenen
Prinzen unter Turenne. Obgleich siegreich, wurde
der Kardinal durch den Bund der ältern und der
prinzlichcn Gruppe (Jan. 1651) zum Weichen ge-
zwuugen. Jetzt führte Condi in Paris die Regie-
rung, die zu halten er sich bald unfähig erwies. Die
Königin, von ibrem Minister aus der Ferne klug
beraten, säte Zwietracht unter die sie tyrannisierende
Partei. Am 7. Sept. 1651 wurde Ludwig XI V. für
großjährig erklärt, und in feinem Namen konnten
Anna und Mazarin nun den Krieg gegen den iso-
lierten, mit dem span. Landesfeind sich vereinigen-
den Conde aufnehmen: Turenne trat auf die Seite
des Königs über, und Conde' wurde erst in der Pro-
vinz, dann (Juli 1652) in der Pariser Vorstadt
St. Antoine geschlagen. In Paris selbst begann
der geistige Umschwung: Gewaltthätigkeiten der re-
volutionären Obrigkeiten trieben das Bürgertum
auf die Seite der rechtmäßigen Gewalten zurück,
die royalistische Stimmuug und Agitation regte
sich, und Okt. 1652 konnte Ludwig XlV. im Triumph
in die jubelnde Hauptstadt einziehen; Mazarin
folgte ibm Febr. 1653 nach. Bis auf Conde', der
zu den Spaniern floh, gewann man die Abgefalle-
nen zurück; Retz war verhaftet worden. In den
Provinzen erlofch die F. allmählich in den I. 1652
und 1653, und der junge König trat wirksam und
energisch für feinen Minister in die Schranken.
Zum letztenmal im alten Frankreich hatten alle selb-
ständigen Elemente sich aufgelehnt, aber ohne innere
Kraft und Reinheit, ohne fachlichen Eifer und ohne
polit. Fähigkeit. Die F. war in sich selber zusammen-
gefallen, und alles rief mit doppelter Wärme nach
dem Königtum. - Vgl. Samte-Aulaire, Hiztoirs
d6 III 5. (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1860); Cheruel, Hi8-
toii'6 cle ^rauoo psmllnit III minorite ä6 I^ouis XIV
(4 Bde., ebd. 1879-80); ders., Iligwirs <i6 5>Huc6
80U8 16 Mini8t6r6 ä6 N^xÄlin (3 Bde., ebd. 1882).
Frondeur (frz., fpr. frongdöhr), ein Mitglied
der Fronde (s.d.), dann überhaupt ein (polit.) Miß-
vergnügter, Unzufriedener u. s. w.,- Frondieren,
zu den polit. Unzufriedenen gehören.