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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fronrezeß - Fronto
man in den F. nach Belieben geistliche Gespräche
der Apostel und Propheten, Bilder aus der Passion,
ja wohl gar die ganze Heilsgeschichte vorführen.
So in dem Künzelsauer Fronleichnamsspiel von
1479 (in der "Germania", Bd.4, Wien 1859) und
in dem Egerer Fronleichnamsspiel (hg. von Milch-
sack in der "Bibliothek des Litterarischen Vereins
in Stuttgart", Bd. 156, 1881).
Fronrezetz, der zur Regelung der dem Guts-
herrn zu leistenden Fronen (s. d.) zwischen jenem
und den Pflichtigen abgeschlossene Vertrag.
I'rons (lat., "Laub"), die flach blattartigen oder
bandartigen Stämme mancher Lebermoose, der
frondosen Lebermoose (s.d.). Auch bei den flächen-
formig ausgebreiteten Flechten, bei den Laubflechten,
bezeichnet man den Thallus als I". oder Laub.
Fronsac (spr. frongsäck), Hauptort des Kantons
F. (134,03 hkm, 18 Gemeinden, 10470 E.) im Arron-
dissement Libourne des franz. Depart. Gironde, an
der Dordogne, 1,5 km unterhalb der Einmündung
der Isle, in 40 in Höhe, am Hügel Motte de F., hat
(1891) 1457 E. und war zur Zeit Karls d. Gr. be-
festigt und bis 1623 ein strategisch wichtiger Punkt.
Fronsperg, Feldhauptmann, s. Frundsberg.
Fronsperger, Leonhard, der bedeutendste deut-
sche Schriftsteller über Kriegswesen im 16. Jahrh.,
geb. um 1520 zu Ulm, gest. daselbst 1575, lernte
schon als Knabe das .^negswesen kennen und
wurde 1566 vom Kaiser zum "Feldgericktsschul-
theißen" ernannt. Seine Schriften umfassen das
gesamte Kriegswesen seiner Zeit' die bedeutendste
darunter ist sein "Kriegsbuch" (beste Ausgabe, 3 Tle.,
Franks, a. M. 1573).'- Vgl. von H(ardegg), Vor-
lesungen über Kriegsgeschichte (Tl. 2, 1854-56).
Front (Fronte, frz.), die Vorderseite eines
Gebäudes. - Militärisch ist die F. einer in Linie
aufgestellten Abteilung diejenige Seite, wohin bei
normaler Aufstellung der Abteilung (das erste Glied
vorn) die Mannschaften das Gesicht haben. Der
Gegensatz zur Front- oder Stirnseite ist die Nücken-
seite einer Abteilung. Sind die Gesichter der Mann-
schaften nach der normalen Nückenseite der Abtei-
lung gerichtet, so steht die Abteilung im Kehrt.
Etwas anderes ist die Stellung in der Inversion
(s. d.). - In der Vefestigungskunst ist F. das
zu einer Polygonseite (s. Polygon) gehörige Stück
des Hauptwalles (s. d.) einer Festung mit sämt-
lichen davor und dahinter liegenden Werken.
Frontalangriff, ein Alt der Offensive, der aus-
schließlich gegen die Front des Verteidigers gerichtet
ist. Man unterscheidet den reinen oder paral-
lelen F., wo der Angreifer die ganze Front des
Verteidigers in gleichmäßiger Starke angrcift; es ist
dies diejenige Angriffsform, welche selbst im günstig-
sten Falle den geringsten Erfolg verspricht, da der
Verteidiger einfach auf feine naturgemäße Nückzugs-
linie zurückgedrängt wird. Ferner unterscheidet man
den Durchbruch der feindlichen Mitte (nur mög-
lich bei zu großer Ausdehnung des Gegners; setzt
den Angreifer der Gefahr der doppelten Umfassung
aus) und endlich den intensiven Angriff gegen
einen Flügel des Feindes, letzterer in den Zeiten
der Lineartaktik in der besondern Form der schrägen
Schlachtordnung angewendet und jetzt meist in Ver-
bindung mit gleichzeitiger Umfassung auftretend.
Frontälfeuer, s. Ünbestrichener Naum.
Frontalftellung, s. Verteidigungsstelluug.
Frontalwerk (Befestigung), s. Halbredoute.
Frontdeich, s. Deich (Bd. 4, S. 879 a).
Frontignan (spr. frongtinjäng), Hauptort des
Kantons F. (140,7i yKin/6 Gemeinden, 7296 E.)
in?Arrondissement Montpellier des franz. Depart.
Hirault, am Nande des Etang d'Ingril, an der
Linie Montpellier-Cette der Mittelmeerbahn, hat
(1891) 3603 E., Branntweinbrennerei, Salzhandel
und Weinbau (Muskatwein), der, früher bedeutend,
jetzt durch die Neblaus sehr gelitten hat.
Frontmus, Sertus Julius, röm. Schriftsteller
aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr., war
Prätor, Konsul und Feldherr in Britannien. Unter
der Negierung des Nerva wurde ihm 97 die Auf-
sicht über die Wasserleitungen in Nom übertragen.
Er starb um 106 n. Chr. F. verfaßte u. d. T. "v6
ahuig urdi8 I^omas" eine gehaltreiche, für die Ge-
schichte der Baukunst wichtige Schrift, deren Text
jedoch mannigfach durch Lücken und Fehler ver-
unstaltet ist. Kritische Ausgaben lieferten in neuerer
Zeit Dederich (Wefel 1841) und Vücheler (Lpz. 1858).
Neuerdings hat Lanciani diese Schrift einer ausführ-
lichen Arbeit über die röm. Wasserleitungen: "I com-
mentlu'i di I^rontino inwrno 16 3,0^6 6t ^i ac^iin,-
äotti", zu Grunde gelegt (Nom 1880). Ein theore-
tisches Werk des F., "I>6 i-6 militari", ist verloren.
Von seinen vier Büchern von den Kriegslisten
("8trHtc>F6Mktic0w)) sind die drei ersten stark durch
spätere Znsätze entstellt, das vierte ist im 4. oder
5. Jahrh, hinzugefügt. Das Werk ist neuerdings mit
kritischen: Apparat von Gundermann (Lpz. 1888)
herausgegeben. Von einer Schrift über Feldmessung
sind Auszüge erhalten, die in den "Schriften der
röm. Feldmesser" von Lachmann herausgegeben und
von ihm und Nudorff mit Erläuterungen versehen
sind. Eine Gesamtausgabe der Werke des F. be-
sorgte Dedcrich (Lpz. 1855).
Frontispiz (frz. lrontis^ice, fronton), der
über das Hauptgesims eines Gebäudes ragende,
gewöhnlich die Mitte der Facade über dem Nisalit
einnehmende, nach dem Vorbilde des antiken Tem-
pels angeordnete flache Giebel, dessen meist drei-
eckiges Feld (Tympanon) bei entsprechender Gröhe
mit Figuren, Neliefdarstellnngen u. dgl. verziert ist.
Auch die über Fenster- und Thürverdachungen an-
gebrachten Giebel werden bisweilen F. genannt.
Im Französischen und Englischen ist F. soviel wie
Titelblatt, Titelkupfer.
Frontmachen, bei Truppenbewegungen der
Übergang von einer Flanken- oder Nüäwärts-
bewegung zur Front gegen den Feind; ferner wird
unter F. in einigen Armeen eine Ehrenbezeigung
einzelner vor den nächsten und den höchsten Vor-
gesetzten verstanden, die darin besteht, daß der
Soldat, Unteroffizier oder Offizier beim Begegnen
des Betreffendeil seinen Gang unterbricht und sich
in militär. Haltung nach dem vorübergehenden
Vorgesetzten wendet. - Im figürlichen Sinne ver-
steht man unter F. das Aufnehmen des Widerstandes
gegen einen Widersacher oder ein Ungemach.
Frontmarsch, die Vorwärtsbewegung einer in
Linie aufgestellten Truppenabteilung senkrecht zur
Grundlinie. Die gute Ausführung des F. mit rich-
tiger Fühlung (s. d.) und Nichtung (s. d.) ist ein
Prüfstein für die gute Ausbildung einer Truppe
und die Grundlage für alle Bewegungen geschlosse-
ner Abteilungen.- Besondere Arten des F. sind
der Parademarsch (s. d.) und das Ziehen (s. d.).
Fronto, Marcus Cornelius, röm. Schriftsteller
des 2. Jahrh. n. Chr., aus Cirta in Numidien,
fand zu Rom als Lehrer der Beredsamkeit vielen