Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

497
Gallier - Gallikanische Kirche
ziere. Sein Feldherr Claudius, das Haupt der
Verschwörung, wurde sein Nachfolger.
Gallier, s. Gallien.
Gallieren, Tannieren, ^chmackieren, in
der Zeugfärberei die Behandlung der Stosse mit
Gerbsäure enthaltenden Flüssigkeiten, Abkochungen
von Galläpfeln, Sumach u. a. Das G. kommt na-
mentlich zur Verwendung in der Schwarzfärbcrei,
aber auch in der Türkischrotfärberei.
Gallierftatuen, diejenigen Bildwerke, welche
das große Weihgefchenk bildeten, dasKönigAttalus l.
von Pergamon zum Andenken an seinen 239 v. Chr.
über die Gallier bei Sardes erfochtenen Sieg für
die Alropolis zu Athen stiftete. Zu jenem Weih-
geschenk, dessen 15 in lange, 4,80 m breite Basis
auf der Akropolis aufgefunden worden ist, gehören
sehr wahrscheinlich drei im Stil des sog. Sterbenden
Fechters (s. unten) gehaltene G. im Dogenpalast zu
Venedig, vier im Museum zu Neapel, eine im Va-
tikan zu Nom und eine im Louvre zu Paris.
Im Zusammenhang mit diesen Bildwerken steht
jedenfalls auch die berühmte Figur des Sterben-
den Fechters oder Sterbenden Galliers im Kapi-
tolinischen Museum zu Rom, darstellend einen Gal-
lier, der, um der Gefangenschaft zu entrinnen, sich
selbst tödlich verwundet hat ss. Tafel: Griechische
Kunst III, Fig. 6); verwandt damit ist eine an-
dere Gruppe, angeblich: Arria (s. d.) und Pätus,
die einen Gallier, der aus gleichem Grunde seinem
Weib und sich selbst den Tod giebt, darstellt (s. vor-
stehende Figur). Beide Statuen sind eine schöne Ver-
herrlichung des trotzigen, todesmutigen Freiheits-
stolzes dieser Barbaren.
Gallifet (spr.-seh), Gaston Alexandre Aug.,
Marquis von, franz. General, geb. 22. Jan. 1830
zu Paris, trat April 1848 in die Armee, wurde
1853 Lieutenant, 1860 Kapitän, 1863 Stabsoffizier
und nahm am Feldzuge in Mexiko teil. G. stieg
1865 zum Oberstlieutenant und 1867 zum Obersten
auf und befehligte das 3. Regiment Chafseurs
o'Afrique. Seit 30. Aug. 1870 Vrigadegeneral,
sührte er 1. Sept. an Stelle des verwundeten Divi-
sionsgenerals die franz. Kavallerie nachmittags bei
den Angriffen auf die bei Floing stehende preuß.
Infanterie und zeichnete sich auch hierbei durch stür-
mische Tapferkeit und rücksichtsloses Einsetzen der
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. VII.
eigenen Person aus. Nach der Kapitulation von
Sedan blieb G. bis zum Schlüsse des Krieges in
deutscher Kriegsgefangenschaft, übernahm dann den
Befehl über eine Brigade der Armee von Versailles
und führte diefe während der Bekämpfung des Com-
muneaufstandes. G. übernahm hierauf den Befehl
über die Subdivision zu Batna in Algerien, schlug
im Winter 1872/73 einen Aufstand der Araber
durch einen kühnen Zug nach El Gol^a nieder und
übernahm darauf 1873 den Befehl über eine In-
fanteriebrigade des 8. Armeekorps. 1875 wurde er
Divisionsgeneral und erhielt die 15. Infanterie-
division in Dijon, schloß sich nunmehr, trotz seiner
vonapartistischen und klerikalen Gesinnung, öffent-
lich der republikanischen Partei an und wurde bald
der ertlärte Günstling Gambettas. G. übernahm
es, die franz. Kavallerie zu reorganisieren, und
wurde zu diesem Zwecke mit einer Machtfülle aus-
gestattet, wie solche vor ihm kein Neitergeneral be-
sessen hatte. Durch Vorträge über die Ausbildung
und den Dienst der Kavallerie, über Reiten und
Pferdepflege verbreitete G. unter den höhern Füh-
rern der Waffe gleichmäßige Anschauungen über
die Handhabung des Dienstes und übernahm die
obere Leitung der auf seine Veranlassung ins Leben
gerufenen großen Kavalleriemanöver, bei denen er
sich unermüdlich thätig erwies, um die Truppe so-
wohl für die Schlacht wie für den strategischen Auf-
klärungsdienst vorzubereiten und in den Bewegun-
gen im großen Verbände zu fchulen. G. wurde 1879
an die Spitze des 9. Armeekorps in Tours berufen
und übernahm daneben den Vorsitz des Kavallerie-
komitees. In dieser Stellung übte er entscheidenden
Einfluß in allen auf die Reiterei bezüglichen Per-
fonalfragen aus und entfernte alle Elemente, die
den von ihm eingeführten Neuerungen feindlich
gegenüberstanden. Auf seine Anregung wurden die
Bekleidung und Ausrüstung der Kavallerie ver-
bessert, das Gepäck erleichtert, die Rekrutierung
zweckmäßiger eingerichtet, die Remontierung durch
Einrichtung von Depots und Maßregeln zur Ke-
bung der inländischen Pferdezucht verbessert, die
Ausbildung der Mannschaft im Reiten erheblich
gefördert und durch Telegraphistenkurse, Zerstören
von Schienenwegen, Bau von Feldbrücken, Wett-
rennen vielseitiger gestaltet und in den Osfizierkorps
der Reitersinn auf jede Weise belebt und gepflegt.
1880 ward er Befehlshaber der Truppen von Paris,
legte 1882 diefes Kommando nieder und verblieb
nur Mitglied des Kriegsrates und Präsident des
Kavalleriekomitees, woraus ihn 1886 Voulanger als
Kriegsminister entfernte. Nachdem dieser vom Schau-
platze abgetreten war, wurde G. 1889 reaktiviert und
gehörte seit 1890 wiederum dem Obersten Kriegsrate
an. 1895 schied er nach erreichter Altersgrenze aus
dem aktiven Dienst. Das neue franz. Kavallerie-
reglement ist in seinen Grundzügen von G. versaßt.
Gallige Dyskrasie, s. Gelbsucht.
Gallikanische Kirche oder Französische
Kirche, die kath. Kirche in Frankreich mit Rücksicht
auf ihre Stellung zum päpstl. Stuhle, in welcher
Beziehung sie bis in die neuesten Zeiten eine gewisse
nationale Selbständigkeit behauptete. Diesen spe-
ciellen Charakter der G. K. nennt man Gallika-
nismus. Die Wurzeln des Gallikanismus liegen
schon in der alten Kirche, in dem Selbstbewußtsein
der franz. Bischöfe, namentlich des Hinkmar (s. d.)
von Reims, auch gegenüber Rom, und in dem stark
entwickelten Souveränitätsgefühl der franz. Könige.
32