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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geißbart - Geißeltierchen
außer Gebrauchsgegenständen auch Statuen, wie die
Amazonengruppe von Kiß, die Victoria von Rauch
u. s. w. Er starb 10. Sept. 1875 in Berlin.
Geißbart, Pflanzenart, s. 8pirH6a.
Geißblatt, Pflanzengattung, s. Lonicsi-a.
GeißblattM0tte(<F6i6c1iill^6äi80(iu6ii5lIliib)l.),
ein Kleinschmctterling aus der Familie der Schaben,
von 1? inm Spannweite, mit aschgrauen, ruß-
schwarzen bestäubten Vorder- und einfach hellgrauen
Hinterflügeln. Die schwarze, stellenweise weiß ge-
zeichnete Raupe wird bisweilen im Mai und Juni
dem Geißblatt schädlich.
Geitzblattornament, das in der griech. und
röm. Kunst häufig vorkommende Ornament, be-
stehend aus dem stilisierten Blatt und der Blüte
des Geißblattes (Jelängerjeliebers); oft wurde es
auch zu friesähnlichen Verzie-
rungen (Anthemion; s.Iig.1)
Fig. 1.
Fig. ?.
um Hals der ion. Säulen verwendet. Diese pal-
mettenartige Verzierung kommt auch in England
beim Elisabethstil, wo sie Iione^-Luckle genannt
wird, vor (s. Fig. 2).
Geitzblattschwärmer, s. Widderchen.
Geißel, Schlagwaffe, s. Morgenstern.
Geisfel, Johannes vou, Kardinal und Erzbischof
von Köln, geb. 5. Febr. 1796 zu Gimmeldingen
(Rheinpfalz), studierte im Priesterseminar zu Mainz,
empfing 1818 die Priesterweihe, wurde 1819 Pro-
fessor und Neligionslehrer am Gymnasium zu
Speier, 1822 Domkapitular und durch die Gunst
des Königs Ludwig von Bayern, dessen Aufmerk-
samkeit er durch seine Poet. Arbeiten auf sich gezogen
batte, 1837 Bischof dafelbst. G. war ein gefchickter
und entfchiedener Vorkämpfer der ultramontanen
Bestrebungen. Als nach dem Regierungsantritt
Friedrich Wilhelms IV. der fog. Kölner Kirchenkon-
flikt durch die Nachgiebigkeit des Staates in der
Weise beigelegt wurde, daß Erzbifchof Clemens
August Freiherr von Droste zuVischering(s.d.) einen
Koadjutor erhielt, der in seinem Namen und mit
dem Rechte der Nachfolge das Erzbistum verwal-
tete, wurde G. 1841 zu diefem Posten auserfehcn.
Er wurde 1846 Erzbischof von Köln, 1850 ^vom
Papste zum Kardinal ernannt und starb 8. Sept.
1864. Seine Wirkfamkeit ist gekennzeichnet fowobl
durch die völlige Unterdrückung des Hermesianis-
mus (s. Hermes) und die Bekämpfung der Philo-
sophie Günthers (s. d.), wie durch die Begünstigung
der Jesuiten, die Förderung des Marienkultus und
die Begründung zahlreicher den ultramontanen Be-
strebungen dienender Ordensniederlassungen und
kath. Vereine. Die Bewegung von 1848 benutzte
G., um auf einer Versammlung deutscher Biscböfe
in Würzburg (Okt. 1848) den Kampf für die fog.
"Freiheit der Kirche" im Sinne des Ultramontanis-
mus einzuleiten. Es war die Frucht befonders seiner
Bemühungen, daß Friedrich Wilhelm IV. 1850 auf
die Ausübung des Placets (s. d.) verzichtete und
den Verkehr der Bischöfe mit dem pä'pstl. Stuhle,
der bisher nur durch die Vermittelung der königl.
Behörden stattgefunden hatte, völlig freigab. Außer
einer Anzahl Novellen und Dichtungen fchrieb G.
u. a.: "Der Kaiserdom zu Speier" (3 Bde., Mainz
1826-28; 2. Aufl., Köln 1876); feine "Schriften
und Reden" gab Dumont heraus (4 Bde., Köln
1869 - 76). - Vgl. Nemling, Kardinal von G.,
Bifckof von Spcier und Erzbifchof von Köln (Speier
1873); Vaudri, Der Erzdifchof von Köln Johannes
Kardinal von G. und feine Zeit (Köln 1881).
Geißelbrüder, f. Flagellanten. sls. d.).
Geitzelinfusorien, soviel wie Geißeltierchen
Geitzelskorpione oder Skorpionspinnen
<?eäiMlpN, eine Ordnung der Spinnentiere (s. d.),
besitzen ein ungegliedertes Kopfbruststück, einen am
Grunde mehr oder weniger eingeschnürten, 11-
12gliedrigen Hinterleib, klauenförmige Kiefcrfühler
und klauen- oder fcherenförmige Kiefertaster, ver-
einigen also gewisse Merkmale der Skorpione mit
andern der Spinnen. Die Beine des ersten Paars
laufen, stark verlängert, in lange, geringelte, geißel-
förmigc Fäden aus. Die G. bewohnen die Tropen
der Alten und Neuen Welt. Sie werden wegen ihres
giftigen Bisses sehr gefürchtet; wahrscheinlich liegt
wie bei den Spinnen in den Kiefcrfühlern eine Gift-
drüse. Zu einer der beiden hierher gehörigen Fa-
milien, den I'lirvuiclae, gehört der in Ostindien
einheimische langarmige Tarantelskorpion
i?1irvuic^u3 luu^wZ ^., s. Tafel: Spinnentiere
undTausendf ü ft e r I, Fig. 7), ein Tier von 33 mm
Körpcrlänge und brauner Farbe.
Geißeltierchen, Geißelinfnsorien s^ia-
^eliata. ^I^tiLopiwi'^), eine Ordnung von Infu-
forien, deren stets winziger Körper nur einen oder
wenige mundständige und lebhaft bewegliche Geißel-
fäden trägt; nur felten findet sich auch ein seit-
licher Kamm feiner Flimmerhaare oder ein wellen-
förmig fchwingcnder seitlicher Hautsaum. Die Fort-
pflanzung geschieht durch Teilung oder Sporen-
dildung; auch eine Konjugation ist beobachtet. Man
unterscheidet eine Anzabl nicht scharf voneinander
getrennter Gruppen. Die Monaden und Mo-
nadin en (Fäulnisinfusorien) leben meist in
sick zersetzenden, tierischen Stoffen, einige auch pa-
rasitisch im Darme verfchiedener Tiere, besonders
von Warmblütern und auch des Menschen. Zu den
lctztern gehören z. V. Oercoinona^ intLstinHiig
^a?,lb?. mit einer Geißel und starkem Schwanzfort-
satze; ^l6Fll3tc>m^ 6nt6i-ieuin t^'assi mit sechs Gei-
ßeln und gespaltenem Schwanzfaden, und andere;
von dem Genus ^rionoinonkZ (mit feitlichem, un-
dulierendcm Saume) lebt 'Ii-iciiomonas va^imüig
Aomn' im Scheidenfchleime kranker Frauen. Die
Astasiinen haben dadurch, daß sie wie die Eugle-
ninen in ibrem Körper Chlorophyll (s. d.) besitzen,
nähere Beziehungen zu den Pflanzen (z.B.Nu^iona.
vii'iäiZ ^/i,b//.); den Astastinen verwandt sind die
koloniebildenden Volvocinen, die jetzt wohl all-
gemein für Pflanzen gelten. Die grüngefärbten
Einzclwefen sind durch eine farblofe Gallerte zu
einer Kugel verbunden, auf deren Oberfläche die
schwingenden Geißeln frei hervorragen, durch deren
Bewegung eine langsame Drehung der ganzen Ko-
lonie hervorgerufen wird. Der Hauptvertreter, das
Kugeltierchen, Volvox Flodator ^., findet sich
in Gestalt grüner, stecknadelkopfgroßer Kugeln häusig
in seichten Tümpeln und Gräben. Die Choano-
flagellaten, (^äoin^?tiF68 (Kelchgeißler), bei
denen der Körper um die Basis der Geißel einen
glashellen Kragen (Kelch) bildet, haben große Ähn-
^ lichkeit mit den Geißelzellen der Schwämme (s. d.).