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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gemischtes Tarifsystem - Gemmi
Gemischtes Tariffystem, s. Eisenbahntarife
(Bd. 5, S. 898 fg.).
Gemischte Züge, s. Eisenbahnzüge.
Gemlik oder Ghio, Ort im Sandfchak Brufsa
des asiat.-türk.WilajetKhodawcndikjar amIndschir-
Liman, einem Busen des Marmarameers, mit
3000 E., Feigen- und Weinbau, Handel mit Seide,
Baumwolle, Oliven. In der Nähe schöne Eichen-
waldungen. - G. ist das alte Kios, eine Kolonie
der Milesier, bedeutende Hafenstadt und Haupt-
stapelplatz für den Handel des benachbarten Phry-
gien; von Philipp V. von Macedonien zerstört, ward
sie vom bithynischen Könige Prusias wiederhergestellt
und erhielt daher den Namen Prusias.
Gemma, Name des hellsten Sterns, 1. bis
2. Größe, im Sternbild der Krone.
Gemme (lat. Fomma) bezeichnete zunächst jeden
Edelstein; dann wurde das Wort auf solche Edel-
steine beschränkt, die mit vertieft oder erhaben ge-
arbeiteten Verzierungen versehen waren. Man
unterscheidet demnach zwei Arten von G.; solche, in
welche die Verzierungen ein-
graviert sind, heißen In-
taglios (s. Fig. 1), solche, bei
denen sie erhaben herausgear-
beitet sind, Kameen (s.Fig.
2 u. 3) oder auch Skarabäen
(s. Scarabäus). Mit Hilfe der
Steinschneidekunst (s. d.) wer-
den nach einem Wachsmodell
die G. hergestellt. Als Steine
werden vorzugsweise zu den
Intaglios der Karneol, der
rötliche Chalcedon, zu den
Kameen der Onyx, der Sar-
donyr, ferner der vielfarbige Achat benutzt, dessen
obere weißliche Schicht das Relief und dessen untere
dunkle den Grund bildet. Andere Steine, die ver-
wendet werden, sind Jaspis, Amethyst, Lapislazuli
u. s. w. Die Alten verstanden auch bereits die Steine
zu färben, ebenfo dieselben aus gefärbtem Glas
nachzumachen. In ncuererZeit werden auch vielfach
Fig. 1.
Fia. 2.
Fig. 3.
Muscheln mit erhaben geschnittenem Bildwerk ver-
sehen und als G. (Kameen) in den Handel gebracht.
Bei den Alten dienten die Intaglios insbesondere
zum Abdrücken in Wachs und wurden ineist in
Siegelringen getragen, während die Kameen mehr
zum Schmuck verwendet wurden; die ägypt. Scara-
bäen wurden sogar zu Halsketten zusammengesetzt.
Die größten und berühmtesten der vorhandenen G.
(Kameen) sind: der (^am^o Ooiixa^g. (früher im
Besitz der Herzöge von Mantua, jetzt in Peters-
burg), etwa 15 cm hoch, mit dem Doppelbrustbild
wahrscheinlich des Königs Ptolemäus Philadelphus
und der Arnnoe; die 6ommH 'lidm-iana, in der
Nationalbibliothek zu Paris, ein 34 cm hoher, 29 cm
breiter Sardonyx, darstellend den von den kaiserl.
Familienmitgliedern umgebenen Tiberius auf dem
Thron, die größte aus dem Altertum erhaltene
Kamee; die 66mma ^uZu8t6^ mit demselben Gegen-
stand in veränderter Darstellung, ein Onyx von
Fig. 4.
22 cm Durchmesser, der zur Zeit der Kreuzzüge in
Jerusalem gefunden wurde, jetzt in der Antikensamm-
lung des Kunsthistorischen Hofmuseums zu Wien
(f. Fig. 4); ebendort die Kamee mit Augustus und
Roma; die Kamee mit dem Opfer des Antoninus
Pins im Kabinett der Uffizien zu Florenz. Ebenso
wurden Gefäße aus solchen steinen gefertigt und
mit erhabenen Figuren und Ornamenten verziert.
Über die wertvollsten Stücke dieser Art sowie über
das Geschichtliche s. Steinschneidekunst; über Nach-
bildungen s. Paste, über Sammlungen und Ab-
bildungen von G. und die Litteratur s. Daktylio-
thek. - über G. mit Künstlerinschriften vgl. Furt-
wängler im "Jahrbuch des deutschen Archäolog. In-
stituts", Bd. 3 u. 4 (Berl. 1888 u. 1889). Ein Ver-
oer griech. Künstler (2. Aufl., Bd. 2, Stuttg. 1889).
Gemmellaro (spr. dsche-), Giorgio, sicilian.
Naturforscher, geb. 1836 zu Catania, studierte Me-
dizin, widmete sich aber dann Mineralog, und geolog.
Studien und wurde Professor der Geologie und
Mineralogie an der Universität Palermo. Nach
ihm wurde der beim Ausbruch des Ätnas 1886 ent-
standene Eruptionskegel M onte - Gemmellaro
genannt. Er schrieb besonders: "I)68ciixi0ii6 äi ai-
cuiio LpLcie äi mineraii äei vulcani 68tinti di la-
ta^onili" (Catania 1854-56), "?68ci lo^ili äeila
8ici1ia" (ebd. 1858), "8tuäi MisontoloFici suila
lanuH äc-1 cÄlciiiL 3. loredi^tnla, ^nitor" (3 Bde.,
Palermo 1868-76).
Gemmi (die), Paß zwischen den Freiburger und
Vorner Alpen (s. Westalpen), an der Grenze der
schweiz. Kantone Bern und Wallis, vorbindet das
zt'anderthal (s. d.) mit dem Thal von Leuk (s. d.).
Der vielbegangene Saumwcg steigt bei Eggen-
schwand (1203 m) an den Abhängen des Gellihorns
(2289 m) empor und erreicht bei Spitalmatt das
Hochthal, das sich zwischen kahlen Feismauern und
vergletscherten Hochgipfeln (Valmhorn 3711 m links,
Wildstrubel 3253 m rechts) am Ostufer des ernsten
Daubensecs (s. d.) nach S. zur Paßhöhe der Daube
(2329 m) hinaufzieht. Von der Höhe, die ein Wirts-