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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geschütz
vereinigte Rohre gcmcinsan: abgefeuert werden. Sie
nehmen später den Namen Orgelg e s ch ü tz e (s. d.) an.
Im Felde werden namentlich die leichten nnd
fahrbaren G. verwandt, indes ohne daß die schwe-
ren ganz ausgeschlosfen gewesen wären. Ein ge-
wisses Gcschützsystem zeigt sich zuerst im sog. "Zcug-
der Mörser und Haubitzen, die eiserne Dohlgeschosse
schießen, hervorzuheben. Es werden einerseits sehr
große Mörser geschaffen, andererseits in den Coc-
bornschen oderHandmörsern sehr kleine und beweg-
liche, die im Belagerungskriege eine große Rolle
spielten. Eine eigentümliche Konstruktion zeigt
Fig. 3.
buch" Kaiser Maximilians I., wo der Art nach
Hauptbüchsen, Kartaunen, Schlangen und Mörser
angeführt sind. Doch sind die größten Fortschritte
in der Vereinfachung des Geschützwesens und zu-
gleich in der Ausbildung der Feldgeschütze im
16. Jahrh, in Frankreich unter Franz I. zu verzeich-
nen. Auch Kaiser Karl V. hat in dieser Hinsicht
viel gethan und stellte Kaliber, Länge, Metallstärke
der Stücke nach bestimmten Regeln fest. Bei Be-
nennung der Kaliber ging man meist von einer ge-
wissen Größe des Kugelgewichts als Einbeit aus
Fig. 4.
und benannte die kleinern in Bruchteilen, die grö-
ßern in Vielfachen der Einheit; fo wurden 1580 in
Österreich vier Kaliber der Kartannen als ganze,
halbe, Viertel- und Achteltartannen mit Kugel-
gewichten von 40, 24, 10 und 5 Psd. festgestellt
seine ganze Kartannc oder 40pfündiges Kanon zeigt
Fig. 4); in Frankreich unterschied man unter Karl IX.
l'cliwn äo I^ane0 mit 33, (^aiiou äoudiL mit 42,
Demi ciinon mit 16 Pfd. Kugel-
gewicht u. s. w. In der zweiten
Hälfte des 16. Jahrh, kamen zu-
erst gußeiserne G. auf.
Das 17. Jahrh, zeigt ein ent-
schiedenes Bestreben, leichte, be
wegliche G. einzuführen, um so
eine bessere Verwendung der-
selben im Felde zu ermöglichen.
Ganz besonders verdient in die-
ser Hinsicht ist Gustav Adolf.
<^eine fog. Ledernen Kanonen,
die aus ciuer Kupferröhre mit Umwicklung von
Strickwerk und Lederüberzug bestanden, zeigten eine
ungenügende Haltbarkeit und wurden deshalb durch
eiserne ersetzt, die schwerer waren, aber dennoch eine
sehr scknclle Bedienung zuließen. Gustav Adolss
Beispiel fand vielfache Nachahmung. Nach dem
Dreißigjährigen Kriege sind in Bezug auf Sichtung
und Vereinfachung des Geschiitzwesens keine wesent-
lichen Fortschritte zu verzeichnen, dagegen ist die
weitere Ausbildung der eigentlichen Wursgeschütze,
Fig. ü.
Fig. 5> in dem französischen Mörser mit
Nebenkammern von 1680, auch Rebhuhn er-
mörser genannt, der gleichzeitig eine große und
acht kleine Bomben werfen sollte. Die Orgel-
geschütze erreichten in der zweiten Hälfte des
17. Jahrh, ihre höchste Ausbildung, traten d ann aber
dem Kartätschschuß der leichten Kanonen gegenüber
gänzlich in den Hintergrund. 1732 stellte Vcilliere
in Frankreich ein neue5 Geschützsystcm auf, in dem
die Zahl der Kanonenkaliber auf fünf, und zwar
24-, 16-, 12-, 8- und 4-Pfünder festgesetzt wurde.
Die großen Fortschritte
im Geschützwesen machte
allerwärts die Zeit Fried-
richs d. Gr. Er selber wid-
mete jenem eine große Für-
sorge, sorgte für eine schär-
fere Aussonderung der Feld-
artillerie, auch im Material,
erleichterte letzteres und stellte
Haubitzen aiö Feldgeschütze ein. In Österreich stellte
der Generalartilleriedirektor Fürst Wenzel Liechten-
stein, 1740-70, ein Geschützsystem auf, das bis in
die neuere Zeit Gültigkeit gehabt hat. In ähnlicher
Weise wirkte in Frankreich Gribeauval ls. d.). Die
Hauptkennzeichen dieser Bewegung, die ihre Folgen
bis in das 19. Jahrh, erstreckt, sind: Ausmerzung
der schweren, nicht transportfähigen Rohre aus der
Feldartillcrie, rationellere Konstruktion und Erleich-
terung der für diese beibehaltenen G. unter zweck-
mäßigerer Bestimmung der Ladungen, die bei
Kanonen auf ^ des Kugelgewichts von bisher ^
bis ^ herabgesetzt wurden, verbesserte Lafettierung
der Feldgeschütze, Vereinfachung der Geschützarten
und Kaliber auf den übrigen Gebieten und ratio-
nellere >lonstruktionsverhältnisse derselben.
Die Zeit von 1792 bis 1815 brachte im Geschütz-
wesen wenig Neues. In der dann folgenden langen
Friedenszeit ist der Bau von Kanonen zum Hohl-
geschoßfeuer, zunächst solcher von großem Kaliber
in Gestalt der vom franz. General Pairhans er-
fnndenen Bombenlanonen (s. d. und unten
S. 9123.) zu erwähnen. Die Granatkanonen
(s. d.) sollten einen gleichen Vorteil im Feldkriege
und zugleich das Mittel zur Vereinfachung des
Feldgeschützsystems bieten, in welchem in der
Regel noch zwei Kaliber von langen Kanonen
und außerdem kurze oder lange Haubitzen vertreten
waren. In der 12pfündigen Granatkanone, deren
Anwendung in der Feldartillerie zuerst in Frank-