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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gewölbe (in der Baukunst)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gewölbe'

wird angewendet bei Kasemattenbauten unter Erdschüttungen und setzt sich aus einem Tonnengewölbe und einem Klostergewölbe zusammen, derart, daß die beiden Schmalseiten des Raums durch zwei Klosterkappen geschlossen werden (Fig. 4).


Figur 4:

Das scheitrechte G., gewöhnlich ein ganz flaches Klostergewölbe mit 1/36 der Spannweite als Pfeilhöhe, kommt in der Ausführung nie allein vor, sondern stets in Verbindung mit einem Klostergewölbe, wodurch das Spiegelgewölbe (Fig. 5) entsteht, dessen mittlerer oberer Teil, der Spiegel, durch ein scheitrechtes G. geschlossen wird, während der untere Teil mit einem rings umlaufenden halben Klostergewölbe, der sog. Hohlkehle oder Voute besteht, welche häufig von Stichkappen durchdrungen wird.


Figur 5:

Der Spiegel ist oft durch eine Oberlichkonstruktion ersetzt. Die Spiegelgewölbe werden meist in Vestibülen, Treppenhäusern öffentlicher Gebäude und bei Saalbauten angewendet.

Während allen diesen Gewölbearten ein Halbcylinder zu Grunde gelegt wurde, sind die folgenden G. von der Kugel abzuleiten. Das Kuppelgewölbe mit seinen Abarten, dem Kugelgewölbe (Hängekuppel) und der Flachkuppel, ist im Artikel «Kuppel» beschrieben. Geht der größte Kugelkreis über die Ecken des zu überdeckenden Raums hinaus, so erhält man das Böhmische G. oder die Böhmischc Kappe (Fig. 6), deren Stirnbögen nicht mehr wie beim Kuppelgewölbe Halbkreise sind, sondern Segmentbögen.


Figur 6:

Auch sie können über jeder beliebigen Grundrißform angeordnet werden. Böhmische G. heißen aber auch diejenigen, denen ein beliebiger Rotationskörper wie ein Ellipsoid, Paraboloid und eirunde Form bei Treppenanlagen zu Grunde gelegt wird. Flache Böhmische G., in Österreich auch Platzel genannt, entstehen durch die Bewegung einer flachen Ellipse um ihre vertikale Achse, oder eines Segmentbogens über einen solchen, dessen Achse senkreckt zu der des ersten steht. Durch die Durchdringung zweier Tonnengewölbe entstebt das Kreuzgewölbe (Fig. 7), bei welchem die Widerlager in den Ecken des Raums liegen und die deshalb häufig durch Strebepfeiler und Strebebögen verstärkt werden müssen.


Figur 7:

Sie bestehen aus vier Kappenstücken, welchen als Profil der Halbkreis, Ellipse, Korbbogen, Spitzbogen und Segmentbogen zu Grunde gelegt werden kann. Auch das Kreuzgewölbe kann über jeder beliebigen Grundrißform angeordnet werden. Die durch die Durchdringung der G. entstehenden und in der Gewölbeleibung ↔ vortretenden Kurven heißen Grate. Nimmt man als Profil der sich durchdringenden Kappen den Segmentbogen, so entsteht das flache Kreuzgewölbe oder das Kreuzkappengewölbe. Bildet man die Grate durch besondere Gratbogen, welche entweder ohne Verband mit dem G. unter demselben sitzen (Fig. 8) oder gegen welche sich als Widerlager die einzelnen Kappen spannen (Fig. 9), so erhält man das Rippengewölbe, bei welchem an den Stirnseiten des G. häufig eine Wiederholung der Kreuzrippen stattfindet, um dem G. ein reicheres Aussehen zu geben.


Figur 8:


Figur 9:

Diese Rippen heißen alsdann Schildbogenrippen, welche an den Pfeilern heruntergeführt die sog. Bündelpfeiler (s. d.) ergeben. Auch endigen sie in den Ecken auf Kragsteinen, Kämpfersteinen oder Konsolen (Fig. 10).


Figur 10:

Sind die Kappen eines Kreuzgewölbes zwischen den Diagonal- und Stirnbogenrippen noch durch andere Rippen geteilt, die mit jenen sternförmige Figuren bilden, so bezeichnet man solche G. als Sterngewölbe, Netzgewölbe, Gotische G., bei welchen die Rippen als selbständige Traggerüste auftreten, zwischen welche sich die Kappen spannen, während beim Netzgewölbe die Rippen sich von den Pfeilern oder Stützpunkten der Wände aus über die ganze Wölbfläche verzweigen, wodurch der Charakter des Kreuzgewölbes ganz verloren geht, indem die Einteilung der einzelnen Joche aufhört. Die Rippen, die reich profiliert sein können, haben verschiedene Bezeichnungen. Man unterscheidet Gurtrippen, Kreuzrippen, Schildbogenrippen, Scheitelrippen, Nebenrippen oder Liernen. Bei komplizierten Netzgewölben fallen diese Bezeichnungen weg, und es gilt für alle Rippen der Name Reihungen (s. nachstehende Fig. 11).


Figur 11:

Die Werksteine, in welchen sich solche Rippen kreuzen oder endigen, heißen Knaufe oder Schlußsteine; dieselben werden (bei Kirchen) häufig cylindrisch hohl konstruiert mit einem so großen Durchmesser der lichten Öffnung, daß die Glocken durch letztere hindurch aufgezogen werden können. Eine besondere Art der Sterngewölbe bildet das hängende G., welches, der Spätgotik angehörend, häufig in England, selten in Deutschland (Stephanskirche in Mainz) und

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 996.