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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ghazi - Gherardesca
"Die Wage der Handlungen" von Goldeuthal (Lpz.
1839) herausgegeben worden. Die Mohammedaner
gebett G. den Titel "Huddschat al-islam" (Beweis des
Islam). - Vgl. Gosche, über G.s Leben und Werke
(Berl. 1858); Mnnk, Nel^nFßg ä6 puii080plii6^niv"
6t aind6 (Par. 1859); Dugat, Histnire ä68 pkilo-
80p1ie8 6t (168 td6<)1l>n,i6U8 !NU8n1miin8 (ebd. 1878).
Ghazi, andere Schreibung für Gbafi, s. Ghasa.
Ghazi Mohammed, Sohn Schamyls ss. d.).
Ghazipur, s. Ghasipnr.
Ghee (engl., spr. gih), s. Vafsiafette.
Gheel (Geel, spr. chehl), Gemeinde im Arron-
dissement Turnhout der belg. Provinz Antwerpen,
an der Großen Netbe, ostsüdöstlich von Antwerpen,
an der Linie Lier-.^erenthals-Deutsche Grenze der
Belg. Centralbahn, hat (1891) 11l;43 E., zwei große
got. Kircken (eine davon der heil. Dymphna geweiht),
Fabrikation von Leder, Tuch, Spitzen, Holzschuhen
und Wackslichten. G. ist bekannt durch seine Irren-
tolonic. Im Orte G. und ailf den Dörfern ringsum
auf einem Gebiete von 37 km Umfang wohnen
gegen 1600 Kranke bei Banern gegen staatlich fest-
gestellte Entschädigung und arbeiten in den Familien
der Pfleger. Die schwer zu behandelnden find in iso-
lierten Gehöften untergebracht. Jeder der vier Sek-
tionen steht ein Arzt und ein Wächter vor. - Vgl.
I. Duval, (r.) 0u UQ6 colomL ä'ali6ii68 vivant 6u
t'Nmiiie ot 6u 1id6it6 (Par. 1880); Brandes, Die
Irrenkolonicn (Hannov. 1865); Peeters, I.01 et
1'6Zi6M6Qt8 8N1' 168 6tlidIi886IN6Nt8 ä'l^Ii"N68 6t 111
cl)wni6 äe (-. (Brüss. 1879).
Ghega, Karl von, Civilingenieur, geb. 13. Juni
1800 in Venedig, studierte 1817-19 in Padua
Mathematik, war bei Ausfübrung der Gebirgsstraße
in der Provinz Belluno tbätig, leitete 1824-30
eine Straßen- und hydraulifche Abteilung in der
Provinz Treviso, war 1830-33 Delegationsinge-
nieur in Rovigo und 1833-36 Amwingenieur bei
der hydraulischen Abteilung der Lande^daudirettion
in Venedig. Zieranf war er bei der Kaifer-Ferdi-
nand-Nordbahn und 1840-42 in Tirol befchäftigt.
Nachdem G. eine Studienreise in den Vereinigten
Staaten von Amerika gemacht, entwarf er den Plan
zilr Semmeringdabn. Er wurde 1849 Vorstand der
Centraldirektion für Etaatseifenbahnbauten in
Wien und starb dafelbsr 14. März 1860. G. fchrieb
eine "Übersicht über die ^auptfortschritte des Eisen-
bahnwesens 1840 - 50" (3. Aufl., Wien 1853),
"Über nordamerik. Brückenbau und Berecbuung des
Tragungsvermögens der Howescken Briicken" (ebd.
1815), "Malerischer Atlas der Eisenbalm über den
Semmering" (2. Aufl., ebd. 1855) und erfand eine
verbesserte Nivellierlatte fowie einen Oktanten mit
Nonius ^ur Ausfteckung von Kurven.
Gheluwe (spr. chc-), Ort inr ArrondissVment
Ppern der belg. Provinz Westflandern, 14 liin iln
i3O. von Upern, hat (1890) 4434 E., Kllpfersckmelze,
Leinen- und '^virnindustrie.
Gherardesca, ital. Adelsfanlilie, i,n Besitze
der Grafschaften G., Donoratico und Montescu-
daio in den ^Itarenimen von Pifa. Das Gefchleckt
ist in Pisa zuerst 990 nachweisbar, in dessen Ver-
fassungsgcschichte und Eroberungspolitik es im 13.
und 14. Jahrh, eine bedeutende Stellllng einnimmt.
Die G. waren zuerst unzweideutige Ghibellinen,
später schwankten sie zwischen diefen und den Guel-
fen; außerhalb voll Pisa hatten sie gegen Papst
Anakletus II. ss. d.) und für Kaiser Friedrich I.,
namentlich aber in Sardinien für Pisa gekämpft.
Der bekannteste dieser Familie ist Ugolino O.
Er suchte sich in Sardinien, wo er für Pisa siegreich
gekämpft, als Erbe Enzios selbständig zu machen,
wurde aber vom Pisaner Senat gefangen gesetzt
und zum Verzicht auf feine fardin. Besitzungen ge-
zwungen. Er flüchtete, verband sich mit Florenz,
Pistoja, Lueca, Siena gegen seine Vaterstadt und
zwang ihr so die Wiedereinsetzung der G. in ihre
Besitzungen ab. Als Pisa kurz darauf von den Ge-
nuefen unter Oberto Doria (s. d.) bedroht wurde,
stellte es Ugolino^an seine Spitze; doch brachte letz-
terer durch die Schlacht von Meloria 1284 seine
Vaterstadt um die bisher von Spezia bis Civita-
vecchia innegehabte ^ceherrschaft. Trotzdem über-
trug ihm Pifa nochmals den Oberbefehl, als Lueca
und Florenz sich mit dem siegreichen Genua zur
Vernichtung von Pifa verbanden. Es gelang ihm,
Florenz und Lncca, allerdings nur durch demüti-
gende Landabtretungen, von Genua abzuziehen.
Dadurch feiner eigenen Partei, den Ghibellinen,
verdächtig geworden, fuchte er die Unterstützung
der Guelfen und nahm Nino Visconti, den Führer
derselben, zum Mitpodestä. Dieser aber schloß einen
Bund mit dem Erzbischof Ruggiero Ubaldini, dem
Führer einer mächtigen dritten Partei in Pifa, nm
Ugolino zu stürzen. Ugolino wurde im Juli 1288
im Stadthause belagert und muhte sich ergeben.
Ubaldini, jetzt Herr in Pisa, ließ Ugolino mit zweien
seiner Söhne, Gaddo und Uguccione, und zwei
Neffen in den Tnrm der Gualandi werfen, und als
er sich nach Zahlung von 15 000 Scudi Lösegeld
weitern Erpressungen unzugänglich zeigte, vom Se-
nat verurteilen und mit seinen Söhnen und Neffen im
Kerker verhungern. Iln'e Neste wurden als die von
Märwrern der guelfischen Partei im 17. Jahrb.
von Pisa nach Sta. Croce in Florenz übergefübrt.
! Ugolinos Schicksal ist allgemein bekannt geworden
^ durch Dantes "Diviim (>omm6äia"; von dem Ghibel-
linen Dante stammt die Auffassung Ugolinos als
Verräters, die sich gefchichtlich nicht begründen läßt.
Die Trauerspiele "Ugolino" von Gerstenberg und
"Die Pisaner" von Graf Schack behandeln eben-
falls diefen Gegenstand. - Vgl. G. del Noce, H^<>-
lilio ä^Ila 0. (Rom 1890).
Zur Leitung von Pisa gelangten die G. wieder
1317 durch Gaddo Gherardesca-Donora-
tico, welcher nach der Erhebung des Volks unter
! Coscetto del Colle gegen Uguccione della Faggiuola
! zum l^ignore gewählt wurde; er sucbte zuerst zu ver-
söhnen, mußte sich dann aber eng an Castruccio
Castracane is. d.) von Lucca anlehnen, als ihn die
Faggiuola und Malaspina aufs neue bedrohten. Er
starb, vielleicht all Gift, schon 1320.
Ihm folgte, ebenfalls voll der Volkspartei er-
hoben, fein Sohn Nanieri; als er zur Adelspartei
überging, wandte sich Coscetto del Colle alt der
Spitze des Volks gegen ihn; doch wurde Nanieri
.yerr in Pisa nach einem verzweifelten Straßen-
kampf; Coscetto wurde 1322 enthauptet. Castruc-
cio, der diese Wirren benutzte, um Pisa anzugreifen,
wurde zurückgeschlagen. Nanieri starb 1325.
Ihm folgte Vonifacio G., geb. 1298, den das
Volk zum Feldhauptmann erbob, als Ludwig der
Bayer mit Castruccio Castracane Pisa belagerte;
er vermochte die (Htadt jedoch nicht zu halten, in der
! nun zuerst ein kaiserl. Vikar, dann Castruccio Ca-
stracane die.Herrschaft übernahm. Nüch desi'm Tod
trat Bonifacio an die Spitze des Aufstandes, wel-
chem Ludwig, der 1328 nach Pisa zurückgekehrt