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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gotha
sonders zu nennen: "6e3tlr ^i-iä6rici", eine Poet.
Darstellung der Thaten Friedrichs I. bis 1181; eine
aus Prosa und Versen gemischte Weltgeschichte:
"Nemoi'iH 86cu1oi'uni", die er 1185 Heinrich VI.
widmete, und eine in ihren letzten Teilen nicht un-
wichtige Neubearbeitung derselben bis 1191 unter
dem Namen "I'aiMson". Seine Werke sind heraus-
gegeben von Waitz in "HIoliumLuta. (^erm^niae
kiztoi-icH", 8crii)wi'68, Bd. 22 (Hannov. 1874).
Gotha. 1) Herzogtum, der nördl. (größere)
Teil des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha (s. d.)
umfaßt 1394,18 ^m mit (1890) 147 226 (71503
männl., 75 723 weibl.) E., darunter 1600 Katholiken
und 336Israeliten; 22131 bewohnte Wohnhäuser,
31049 Familienhaushaltungcn und 2295 einzeln
lebende Personen und bildet in administrativer Be-
ziehung mit einigen Exklaven nördlich und einer
südöstlich vom Hauptlande, außer den drei Imme-
diatstädtcn G. mit Kindlcben, Ohrdruf mit Hunds-
brunn, Waltershausen mit Tcnneberg, drei Land-
ratsamtsbezirke G., Ohrdruf und Waltershauscn.
Die Rechtspflege wird durch das Landgericht zu
G. bewirkt. Außer den genannten drei Städten be-
greift das Herzogtum noch die Städte Friedrichroda
(s. d.) mit 3752 E. und Zclla St. Alafii mit 3383 (5.
- 2) Laudratsamtsbczirk im Herzogtum G., hat
495,33 hkm, (1890) 41518 (20 359 männl., 21159
weibl.) E., darunter 347 Katholiken und 14 Israc-
liten, 7683 bewohnte Wohnhäuser, 8625 Familien-
haushaltungen, 446 einzeln lebende selbständige
Personen und 4 Anstalten und umfaßt die Amts-
gerichtsbezirke G. und Tonna. - 3) Hauptstadt des
Herzogtums G. und abwechselnd mit Coburg die Resi-
denz des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha, 50° 56^
nördl.Vr.und10°43'östl.L.
vonGreenwich,amLeinakanal
V W 3 ) in 329 m Höhe, in einer Ein-
^ senkung des Höhenzugs, der
in einer Längenausdehnung
oon 50 und in einem Ab-
stände von 10 km den nördl.
Fuß des Thüringerwaldes be-
gleitet, liegt an den Linien
Halle-Erfurt-Vebra, G.-
Lcinefclde (67,i km) und G.-Gräfenroda (35,8 km)
der Preuh. Staatsbahnen. Die Stadt ist Sitz des
herzogl. Staatsministeriums, der obersten Landes-
behörden des Herzogtums G., eines Landratsamtes,
Landgerichts (Oberlandesgericht Jena) mit 8 Amts-
gerichten (G., Tonna ^in Gräfentonna^, Liebenstein,
Ohrdruf, Thal, Tenneberg ^Schloß bei Walters-
haufen^, Wangenheim ^in Friedrichswerth^, Zella
St.Blasii), eines Amtsgerichts, Stcueramtcs, sowie
einer Reichsbanknebenstelle (vom 1. Sept. 1893 an)
und hat (1890) mit Kindlcben 29134 (13935 männl.,
15199 weibl.) E., darunter 733 Katholiken und 277
Isracliten, 2255 bewohnte Wohnhäuser, 6799 Haus-
haltungenund 14Anstalten,inGarnison (648 Mann)
das I.Bataillon des 95.Infanterieregiments; Post-
amt erster Klasfe mit 2Zweigstellen, Telegraph, Fern-
sprecheinrichtung; einen Bürgermeister (5500 Vt.
Gehalt), 6 Senatoren (3 besoldet), 24 Stadtver-
ordnete , Pflichtfeuerwehr, Hochdruckwasserleitung
(1872), Kanalisation, Gasbeleuchtung (610 öffent-
liche Flammen). Die elektrische Kraft- und Licht-
ccntrale nebst Straßenbahn wird 1893 eröffnet.
Anlagen und Bauten. G. besteht aus der
Innenstadt und vier Vorstädten, welche nebst schönen
Promenaden und Gärten westlich, nördlich und öst-
lich dieselbe und den im Süden gelegenen Schloß--
berg mit dem Friedenstein (321 m) halbkreisförmig
umgeben. Große Alleen, von Friedrich II. (1691-
1732) angelegt, trennen die Innen- und Ausien-
ftadt. Die bis zu Anfang des 19. Jahrh, befestigte
Innenstadt ist meist eng, hat aber durch die infolge
großer Brände (1207, 1545, 1632, 1645) veran-
laßten Neubauten ein neues Gepräge erhalten.
Von den sechs Kirchen (darunter eine katholische)
sind namentlich die beiden Stadttirchen bemerkens-
wert: die Margaretenkirche (12. Jahrh.), zweimal
ausgebrannt und in gegenwärtiger Gestalt sei^ 1652
bestehend, mit Turm (56 m) und den Grüften Ernsts
des Frommenund seiner Familie, und die Augustiner-
tirche (13. Jahrh.) mit einem Altarbilde (Kreuzigung,
10 m hoch, 6 in breit, von Emil Jacobs-Gotha).
Das Schloß, der Frieden st ein, 1643 - 46 von
Ernst dem Frommen an Stelle des Grimmenstcins
erbaut, ist ein gewaltiger viereckiger Bau (der innere
Hofraum umfaßt 6330 <^m) mit zwei vorfpringenden,
mächtigen Ecktürmen. In demselben befinden sich: die
Schloßkirche mit Fürstengruft, Prunkgemächer, Bu-
reaus der Landcsbehörden, das herzogl. Haus- und
Staatsarchiv und die sehr wertvollen wifsenschast-
lichenund Kunstfammlungen, zu welchen HerzogErnst
der Fromme den Grund legte, nämlich die berzogl.
Bibliothek (über 200 000 Bände, etwa 80000 engl.
Patente, 7000 Handschriften, namentlich viele orien-
talifche) und das herzogl. Münzkabinett (75 000
Münzen), nach Berlin und München das bedeutendste
in Deutschland; es enthält hauptsächlich röm. und
griech. Münzen, ferner Medaillen, Thaler, Brac-
teaten und die Mionnetsche Pastensammlung. Das
neue Museum, hinter der Terrasse des Schlosses im
reichsten Renaissancestil aus Sandstein mit pracht-
voller Facade 1864-77 vom Oberbaurat Neumann
(Wien) erbaut, birgt: 1) Kunstsammlung, enthält
ägypt., griech. und röm. Altertümer, besonders Va-
sen und Terrakotten; prähistor. Funde, wertvolle
Gemmen antiker und neuerer Arbeit sowie eine
reiche Sammlung kunstgewerblicher Arbeiten aus
dem 10. bis 19. Jahrh.; Majoliken, Emails und Por-
zellan; ferner eine ethnogr. und eine chines.-japan.
Abteilung von mehr als 4000 Nummern. 2) Ge-
mäldegalerie, etwa 650 Nummern umfassend, wert-
voll durch eine Reihe hervorragender Gemälde von
Cranach, oberdeutscher und sächf. Meister des
16. Jahrh., durch Bilder von van Dyck, Rubens,
Hals, Ger. Don, Palamedes u. a. Die Samm-
lung der Kupferstiche und Handzeichnungen zählt
gegen 100 000 Kunstblätter in Mappen und Eam-
melbänden. 3) Naturwisfenfchaftliche Sammlungen,
enthalten Mineralien (17 000), Säugetiere iüber
1000), Vögel (5000), Konchylien (über 3000) sowie
eine sehr reiche Insektensammlung, besonders ein-
heimischer Käfer und Schmetterlinge. 4) Samm-
lung von Gipsabgüssen. Von andern hervorragen-
den Gebäuden sind zu nennen: das Rathaus mit
Turm (Renaissancebau, 1574-77 erbaut), das ehe-
malige Wohnhaus Lukas Cranachs (am Markt),
das Landschaftsgebäude, das Theater (1837-39
gebaut, 1861 erneuert, feit seiner Erbauung statt
des 1775 im Friedenstein eröffneten Hoftbeaters
benutzt), vier Vankgebäude (drei darunter von
Vohnstedt gebaut), das herzogl. Palais (mit Ge-
mäldefammlung), der Marstall, das Palais Fried-
richsthal (1711 in franz. Geschmack erbaut) gegen-
über der Orangerie, das städtische Krankenhaus,
das Schäferstift, der Parkpavillon, die neue, in maur.