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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haidarabad Assigned Districts - Haiduken
Kantonnement 58048 E. In der Festung befinden
sich der Palast der ehemaligen Mir (Fürsten) und ein
als Schatzkammer dienender massiver Turm, große
Vorratsgebäude, ein Zeughaus, eine Kaserne, eine
prot. Kirche und ein Gefängnis. H., seit alter Zeit
berühmt durch seine Wasfensabriken, hat einen grohen
Bazar, Seide- und Baumwollmanufakturen und leb-
haften Handel. - 9,6 km im Norden liegt das Dorf
Miani, berühmt durch den^ieg von Sir Charles
Napier 17. Febr. 1843, sowie durch einen zweiten
(Hieg 24. März, welcher dem Staat von Sindh ein
Ende machte. ^ässeined), s. Berar.
N2.iäkraka.ä ^ssi^neH Distriots (spr.
HaidarAN, eigentlich Haidar-Ali Chan
Bahadur, Mohammed. Beherrscher (Sultan) von
Maisur, geb. 1722 als Sohn des Gouverneurs der
Festung Bangalur, trat 1749 als Freiwilliger in
die Armee von Maisur, erhielt schon 1752 ein be-
deutendes Kommando und wurde später Gouver-
neur von Dindigal, endlich Oberbefehlshaber der
Armee. Er organisierte diese nach franz. Muster
und wußte sie so für sich zu gewinnen, daß er sich
1759 zum faktischen Beherrscher von Maifur auf-
werfen konnte, indem er dem Radscha zwar den Titel
und ein glänzendes Einkommen ließ, ihn aber fern
von allen Staatsgeschäften in Gefangenschaft hielt.
Er eroberte Calicut, Bednur, Honawar, Kannanur
und andere kleinere Staaten, sodaß das Neich Mai-
sur 1700 174800 hkin groß war. In demselben
Jahre starb auch der Radscha von Maisur, und H.
wurde vollständig Herrscher dieses Reichs. Der er-
bittertste Feind der Engländer, und in gleichem Maße
den Franzosen, die damals den Engländern die
Herrschaft über Indien streitig machten, zugethan,
führte er, von den Franzosen unterstützt, mit ab-
wechselndem Glück zwei Kriege mit erstern. Er dik-
tierte 29. März 1769 den Engländern die Artikel
eines Friedens vor den Thoren von Madras. Auch
mit den Mahratten führte er verschiedene Kriege.
Oftmals hart bedrängt und scheinbar selbst vernich-
tet, wußte er sich doch stets neue Hilfsmittel zu ver-
schaffen, um endlich als Sieger aus dem Streit her-
vorzugehen. Er starb 7. Dez. 1782 zu Tschitor.
Sein Sohn und Nachfolger war Tipu Sahib (s.d.).
Er war tapfer, unternehmend und staatsklug, ohne
religiösen Fanatismus, nicht grausam, aber in sei-
nen Mitteln wenig wählerisch. ^(s. d.).
Haidarnagar, Ort im ostind. Staate Maisur
Haide, Haidekraut, Pflanze, soviel wie Heide,
Heidekraut, s. (^Iwna und Nrica.
Haide, Landstrich, soviel wie Heide (s. d.).
Haidenfchaft, ital. ^iän88iua; slowen. ^'dov-
Löina, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft
Görz der Grafschaft Görz und Gradisca, im obern
Wippachthale, an einem Seitenbache der Wippach
und am Vereinigungspunkte der Straßen, die einer-
seits von Laibach, andererseits von Adelsberg nach
Görz führen, in 109 m Höhe in einem Gebirgskessel
gelegen, ist Sitz eines Bezirksgerichts (168,76 ^m,
11 Gemeinden, 37 Ortschaften, 13273 slowen. E.)
und hat (1890) 735 slowen. E. und in der Umgebung
eine Baumwollspinnerei, eine bedeutende Türkisch-
rotfärbcrci' und einen Zeughammer. Westlich von
H. liegt Heiligenkreuz mit 250, als Gemeinde
2257 E. und altem Bergschloß.
Haiderauch, soviel wie Höhenrauch (s. o.).
Haidinger, Wilh., Ritter von, Mineralog und
Geolog, geb. 5. Febr. 1795 zu Wien, vierter Sohn
Karl H.s (geb. 10. Juli 1756, gest. 16. März 1797,
gleichfalls von Verdienst auf dem Gebiete der Mine-
ralogie und Geognosie), ging im Herbst 1812 zu
Mohs nach Graz, dann mit demselben 1817 nach
Freiberg. Seit 1823 lebte H. zu Edinburgh im
Hause des Bankiers Thomas Allan, übersetzte
hier Mohs' "Grundriß der Mineralogie" in das
Englische und gab das Werk vermehrt und verbessert
u. d. T. "1i-6ati86 0N Uiin6i-3,10F7" (3 Bde., Edinb.
1825) heraus. Nachdem er 1827-40 mit seinen
Brüdern auf der Porzellanfabrik zu Elbogen zuge-
bracht hatte, ward er an Mohs' Stelle als k. k. Verg-
rat nach Wien berufen, wo er die Aufstellung der
Mineraliensammlung der Hofkammer im Münz-
und Bergwesen besorgte. 1843 begann H. seine
Vorlesungen über Mineralogie, für die er ein
"Handbuch der bestimmenden Mineralogie" (Wien
1845) bearbeitete. Unter seiner Leitung entwickelten
sick auch die Bestrebungen der "Freunde der Natur-
wissenschaften", deren "Naturwissenschaftliche Ab-
handlungen" (4Bde., Wien 1847-52) und "Berichte
über die Mitteilungen von Freunden der Natur-
wissenschaften in Wren" (7 Bde., ebd. 1847-52) er
herausgab. Die treffliche "Geognost. Übersichtskarte
der österr. Monarchie" (1:864000) wurde unter
H.s Leitung 1845 ausgeführt. Bei Gründung der
Geologischen Reichsanstalt 1849 wurde er zum ersten
Direktor derselben ernannt. H. stand 17 Jahre lang
an der Spitze dieses Instituts und machte es zu einer
Musteranstalt. 1865 ward H. in den erblichen österr.
Nitterftand erhoben, 1866 in den Ruhestand versetzt.
Er starb 19. März 1871 auf seinem Landgute zu
Dornbach bei Wien.
Haidingerfche Lupe, s. Dichroskop.
Haiduken (d. i. Treiber, vom ungar. Worte
n^jäü, Plural K^jäuk, auch Heiducken oderHey-
ducken geschrieben) waren ursprünglich in Ungarn
Viehhirten. Später bezeichnete das Wort eine Miliz
zu Fuß, die sich von jedermann in Sold nehmen ließ.
Die H. waren anfangs ohne Panzer und Sturm-
haube, führten ein kurzes Feuerrohr und Säbel,
außerdem eine Hacke (I^okos). Die besondere Aus-
dauer, womit sie dem Fürsten von Siebenbürgen
Bocskay (s. d.) im Revolutionskriege beistanden, be-
lohnte dieser Fürst, indem er den H. laut Urkunde
vom 12. Dez. 1605 einen eigenen Distrikt zum Wohn-
sitz anwies und sie sämtlich mit Adelsrechten be-
kleidete. Die Schenkung wurde auch vom Reichs-
tage von 1613 bestätigt, und mit Ausnahme der
Steuerfreiheit, die ihnen Karl VI. nahm, genossen
die H. bis auf die neueste Zeit alle Adelsvorrechte.
Auch ihr Wohnsitz, der Haidukendistrikt, blieb
völlig unabhängig, unterstand keiner Komitats-
behörde, sondern verkehrte unmittelbar mit der Lan-
desregierung, beschickte den Reichstag u. s. w.; seit
1876 bildet er einen Teil des Haidukenkomitats (s. d.).
Später ging der Name H. auf die Gerichtsdiener
der ungar. Behörden und die Trabanten der ungar.
Grohen über. Ebenso wurden an deutschen Höfen
H., wozu man die größten und schönsten Leute aus-
suchte, zu Lakaien- und dergleicyen Diensten gehal-
ten, doch waren sie zuletzt meist Deutsche.
Bei den Slawen der Balkanhalbinsel hießen H.
(auch Hajduken) Personen, die sich einzeln oder in
Scharen (unter Führung eines Harambascha, s. d.)
in die Berge und Wälderbegaben, um sich an ihren
Bedrückern, den Türken zu rächen. Sie werden in
den serb. und bulgar. Volksliedern als nationale Hel-
den gefeiert. Die Türken behandelten sie als Räuber.
- Vgl. Rosen, Die Balkanhaiduken (Lpz. 1878).