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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heherkuckuck - Heiberg (Hermann)
Männchen ist 34 cm lang, hell rötlichgrau, die
Flügeldeckfedern sind hellblau mit dunkeln Quer-
bittren und die Hollenfedern weiß und schwarz
gesteckt. Noch schöner sind die ausländischen H.
gefärbt, wie z.B. dernordameritanifche Blau-
heher (lü^nocitta. ci-igtatil. ^.), welcher schön
blau, an dem Bauche, Hinterleibe und den Schwanz-
spitzen weiß und an Flügeln und Schwanz ultra-
marinblau und schwarz gebändert ist, übrigens dem
europ. Eichelheher auffallend gleicht, und der mit
langer spitzer Haude geschmückte tiefblaue Diadem-
heher ((^anocittH äiaäeniHtg. H^?.) aus den Hoch-
ebenen Merikos. Die drei genannten Arten ge-
langen häufig in die zoolog. Gärten und halten sich
bei Fleischnahrung recht gut. Der Preis für den
Eichelheher beträgt etwa 5 M., für den Blauheher
15 M., für den Diademheher 50 M.
Heherkuckuck <^0ocM68 Fl9.näariu8 <?l^.), ein
40 cm (wovon 22 cin auf den Schwanz kommen)
langer Vogel aus der Familie der Kuckucksvögel
(s. d.), mit graubrauner Ober-, hellgrauer Unterseite
und schmutzig gelbweißer Kehle und Vorderbrust.
Die Deck-, Schwung- und Steuerfedern haben weiße
Spitzen. Der Vogel bewohnt Nordafrika und Süd-
europa, besonders Spanien, in Deutschland wird
er nur als Irrgast angetroffen. Er legt feine Eier
zu Krähen und Elstern. Fünf weitere Arten der
Gattung bewohnen Afrika und Ostindien.
Heherlinge ((^ai-rulax), eine in der Lebensweise
den Drosseln ähnelnde Vogelgattung, deren 23 Arten
Indien und die Sunda-Inseln bewohnen. Am be-
kanntesten der Drosselt) ehe rling ((^arrulax
c1iiQ6N8i8 Kc0F.) aus Südchina, der fast in jedem
zoolog. Garten Zu sehen ist. Von dem grauen Ge-
fieder heben sich die großen weißen Backen lebhaft
ab. Seine Haltung gleicht der unserer Drosseln, sein
Preis beträgt etwa 40 M. für das Paar.
Hehlerei. Das Neichsstrafgesetzbuch ߧ. 258 fg.
unterscheidet zwei Formen, welche als Personen-
und als Sachenhehlerei (Partiererei) bezeichnet wer-
seines Vorteils wegen der Begünstigung von Dieb-
stahl, Unterschlagung, Naub und dem Raube glei-
cher Mißthaten schuldig macht, wobei keine Rück-
sicht darauf genommen wird, ob der Hehler ein Au-
gehöriger des Begünstigten ist. Sachenhehlerei
wird angenommen, wenn jemand feines Vorteils
wegen Sachen, von denen er weiß oder den Um-
ständen nach annehmen muß, daß sie mittels einer
strafbaren Handlung erlangt sind, verheimlicht, an-
kauft, zum Pfande nimmt, oder fönst an sich bringt
oder zu deren Absatz bei andern mitwirkt. Strafe:
Gefängnis; für Personenhehlerei bei schwerem
Diebstahl und Raub, für gewerbsmäßige und rück-
fällige H. Zuchthaus und überall Polizeiaufsicht
(s. d.). Der Hehler handelt schon dann seines Vor-
teils wegen, wenn es ihm nur auf den gewöhnlichen
Vorteil des Geschäftsbetriebes ankam.' Wenn z. V.
ein Handelsmann Sachen zum Marktpreise ankauft,
also nur den Gewinn zu erzielen hofft, den ein
Kaufmann beim Wiederverkauf zu machen pflegt, so
handelt er doch immer seines Vorteils wegen und
kann wegen H. bestraft werden, wenn die ange-
kauften Sachen gestohlen waren und er dies wußte
oder den Umständen nach annehmen mußte. Wäh-
rend nach deutschem Recht die gehehlte Sache über-
haupt nur durch eine strafbare Handlung, d. i. durch
irgend eine kriminell strafbare erlangt zu fein braucht,
ist nach österr, Strafgesetz - sowohl dem geltenden
von 185)2 als dem Entwurf eines neuen Strafge-
setzes von 1889 - der Begriff der H. infofern
enger, als er sich nur auf durch Diebstahl und dieb-
stahlähnliche Delikte und durch Veruntreuung (Unter-
schlagung) erlangte Sachen bezieht.
Hehlt, Victor, Kulturhistoriler, geb. 26. Sept.
(8. Okt.) 1813 zu Dorpat, studierte daselbst 1830
-33 Philologie und Geschichte und verweilte 1838
-40 in Berlin, wo namentlich Jak. Grimm und die
Hegelsche Philosophie auf ihn einwirkten, um hierauf
Italien zu besuchen. 1841 als Lehrer der deutschen
Sprache an der Kreisschule zu Pernau (Livland)
angestellt, veröffentlichte er 1843 "Zur Charakteristik
der Römer" und 1844 die Arbeit "Zur Physiognomie
der ital. Landschaft", welche den Keim seines treff-
lichen, nach seinen weitern zwei Reisen von 1860
und 1863 zuerst in Petersburg 1867 herausgegebe-
nen Werkes "Italien: Ansichten und Streiflichter"
(4. Aufl., Verl. 1892) bildet. 1846 als Lektor der
deutfchen Sprache an die Universität Dorpat be-
rufen, ward er 1851 auf Grund seines Briefwechsels
mit der Baronin Brüningk-Liven in Untersuchung
gezogen und vom Kaiser Nikolaus zur Einstellung
in den Kanzleidienst in einer Stadt Innerrußlands
(Tula) begnadigt. Alexander 11. berief ihn März
1855 nach Petersburg, wo er bald zu einem der
Oberbibliothekare der kaiferl. Bibliothek und Wirkl.
Staatsrat aufrückte. 1874 trat er in den Ruhestand
und siedelte nach Berlin über, wo er 21. März 1890
starb. Berühmt machte er sich als Altertumsforscher
durch das Werk "Kulturpflanzen und Haustiere in
ihrem Übergang von Asien nach Griechenland und
Italien sowie in das übrige Europa" (Berl. 1870;
6. Aufl., neu bearbeitet von O. Schrader und A. Eng-
ler, 1893). Dazu kommen ein Schriftchen über" Das
Salz" (Berl. 1873) und das ausgezeichnete Buch
"Gedanken über Goethe" (ebd. 1887; Tl. 1 in 2. Aufl.
1888), "H.s Briefe an seinen Freund Wichmann"
(ebd. 1890), "1)6 moi-iduä Iwtkenoi-um" (hg. von
Schiemann, Stuttg. 1892). - Vgl. Schrader,^V. H.
Ein Bild seines Lebensund seinerWerke (Berl. 1891).
Heiberg, Hermann, Romanschriftsteller, geb.
17. Nov. 1840 zu Schleswig, übernahm die dort
von seinem Vater, dem Rechtsanwalt und Politiker
Karl H., begründete Buchhandlung, die er zu einem
bedeutenden Verlagsgeschäft erweiterte, aber 1870
verkaufte. Dann ward er Direktor zuerst der "Nord-
deutschen Allgemeinen Zeitung", später der "Spener-
schen Zeitung" in Berlin, gehörte nach Aufhören der
letztern zur Direktion der Henkelfchen Bankanstalt
bis 1879 und machte in deren Auftrag mehr-
fache Reisen durch die meisten Kulturländer Euro-
pas. Hierauf war er ausschließlich mit der Einlei-
tung von Finanzierungen beschäftigt, später aber
schriftstellerisch thätig, nachdem er 188 l durch seine
im Unmut über bittere Erfahrungen geschriebenen
"Plaudereien mit der Herzogin von Seeland"
(3. Aufl., Lpz. 1887) Anerkennung gefunden hatte.
Mehrere Jahre leitete er sodann das Bureau des
"Hamburgischen Korrespondenten" und der "Ham-
burgischen Börsenhalle" in Berlin, wo er auch als
Vertreter der "Gartenlaube" fungierte. 1892 siedelte
er von Berlin nach Schleswig über. H. ist ein
ausgezeichneter Vertreter der modern-realistischen
Familienerztthlung,insbesonderefeinerKenner weib-
licher Stimmungen. Es erschienen ferner von ihm
(fämtlich in Leipzig): "Acht Novellen" (1882),
"Ausgetobt" (3. Aufl. 1890), "Ernsthafte Geschich-
ten" (1883), "Die goldene Schlange" (1884),