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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hennersdorf - Henoch (Patriarch)
Picot und Drolling und widmete sich anfangs der
histor. Malerei, wobei ihm auch der rüm. Preis
1858 zu teil wurde. In Italien bildete er sich be-
sonders nach Tizian und Correggio, bald nahm er
jedoch eine eigentümliche Richtung in der Dar-
stellung des jugendlichen Frauenkörpers. Vorzugs-
weise giebt er den zarten, jungfräulichen, bisweilen
aber etwas hagern Gestalten einen tiefen landschaft-
lichen Hintergrund, wobei es ihm weniger auf
die Schilderung eines Vorganges als auf die einer
in sich geschlossenen Existenz ankommt. Die besten
unter seinen derartigen Werken sind: die zum Quell
verwandelte Byblis'(1867; Museum in Dijon), Oda-
liske auf dem Diwan (1869; Museum in Mülhau-
sen), Susanna im Bad (1865), Der barmherzige
Samariter (1874), Die Najade (1882; letztere drei
im Lurembourg zu Paris) sowie die Quellnymphe
(1881), Schlafendes Mädchen (1393). Neben diesem
Genre lieferte der Künstler auch religiöse Kompo-
sitionen: Christus im Grabe, Die büßende Magda-
lena(1878), eins seiner Meisterwerke; ferner: Hero-
dias (1887), Heil. Sebastian (1888). Auch als Por-
trätmaler und Landschafter hat sich H. ausgezeichnet.
Hennersdorf, czech. ^inäi-iokon, Stadt in der
österr. Bezirkshauptmannschaft Iägerndorf in Öster-
reichisch-Schlesien, an der preuß. Grenze, am Ossa-
bache und an der Linie Iägerndorf-Ziegenhals der
Mährisch-Schles. Centralbahn, ist Sitz eines Be-
zirksgerichts (92,30 Hkin, 8 Gemeinden, 11 Ort-
schaften, 9989 deutsche kath. E.), hat (1890) 2671,
als Gemeinde 2736 deutsche E., eine ansehnliche
Pfarrkirche und ein Schloß.
Hennersdorf (Katholisch-Hennersdorf),
Dorf im Kreis Lauban des preuß. Reg.-Vez. Lieg-
nitz, unweit Lauban, hat (1890) 1798 E., Postagen-
tur, Fernsprechverbindung und ist bekannt durck
den Sieg Friedrichs d. Gr. 24. Nov. 1745. Der
König hatte bis zum 21. Nov. bei Bunzlau 35000
Mann zusammengezogen, 40000 Österreicher un-
ter dem Herzog von Lothringen standen um Görlitz
und sollten am 23. auf Sagan und Crossen vor-
rücken, wohin auch von Leipzig über Torgau
28 000 Sachsen und 10000 Österreicher marschier-
ten, um dann vereint nach Berlin vorzudringen.
Am 23. Nov. überschritt jedoch der König bei Naum-
burg den Queiß und warf die Vorhut des Herzogs
von Lothringen zurück, schlug am folgenden Tage
bei H. das sa'chs.-österr. Heer und bemächtigte sich
der großen Magazine zu Görlitz, worauf der Herzog
von Lothringen sem Heer eiligst über Zittau uud
Gabel nach Böhmen führte.
Henniges von Treffenfeld, Joachim, bran-
denb. General, geb. als Vauernsohn zu Klinke bei
Bismark in der Altmark, trat während des Dreißig-
jährigen Krieges in den brandend. Dienst, in dem
er bis zum Friedensschlüsse zum Rittmeister aufstieg.
H. wurde 1656 nach der Schlacht bei Warschau
Major, war 1674 Oberstlieutenant im Mörnerschon
Regiment und zeichnete sich in den Feldzügen am
Rhein mehrfach aus; nach der Schlacht bei Fehr-
bellin erhielt er an Stelle des gefallenen Mörner
dessen Regiment als Oberst und wurde von dem
Kursürsten in den Adelstand erhoben. H. kämpfte
dann in Pommern gegen die Schweden und that
sich in Preußen während des Winters 1678^79 als
Parteigänger und Führer der Vorhut außerordent-
lich hervor; er eroberte dort 8 Fahnen und 700 mit
Vorräten beladene Fahrzeuge, schlug 30. Jan. 1679
bei Splitter unweit Tilsit die schwed. Nachhut und
wurde zum Generalmajor befördert. Er starb auf
seinem altmärk. GuteKönnigde 31. Dez. 1688. Seit
1890 sührt das altmärk. Ulanenregiment Nr. 16
seinen Namen. - Vgl. von Kessel, H. von Treffen-
feld und seine Zeit (Stendal 1863).
Hennin (frz., spr. annäng), eine hohe spitze
Mütze mit herab-
wallendem oder
mittels eines
Drahtgestelles oft
in bizarrer Form
emporgehaltenem
Schleier,welchedie
Damen in Frank- / "W "M^ ^, / li
reich und Burgund V"W WW / /.-
im 14. und 15.
Jahrh.trugen. Sie
ist nicht von Isa-
bella von Bayern
erfunden, aber ins Bizarre übertrieben worden
(s. beistehende Figuren).
Henningk, Martin, s. Hayneccius.
Hennings, Joh. Friedr., Landschaftsmaler, geb.
16. Okt. 1839 zu Bremen, war in Düsseldorf Schüler
von O. Achenbach, ging indes bald nach München,
wo er sich 1884 dauernd niederließ. Seine Technik
ist oft breit und mehr dekorativ als fein durckarbei-
tend. Hervorzuheben sind von seinen Gemälden:
Der Chiemsee (1864), Nürnberg bei Mondaufgang,
Fronleichnamsprozession in München (1869), An-
sicht von Passau, Venedig (1879), Landschaft mit
Iiaeunern, Kanal in Amsterdam (1883), Frühmesse
in der Stiftskirche zu Verchtcsgaden (1888).
Henoch, nach 1 Mos. 5,18 fg. der siebente in
der Geschlechtsreihe der zehn Urväter, der nach
einem Leben von 365 Jahren und nachdem er des
unmittelbaren Verkehrs mit Gott gewürdigt worden
war, ohne zu sterben in den Himmel entrückt wurde.
Den Namen dieses Erzvaters führt ein apokalyp-
tisches Buch. Ein solcher Gottesmann mußte als
besonders fähig erscheinen, der Welt Offenbarungen
über die göttlichen Geheimnisse zu übermitteln.
Das Buch erzählt eine Reihe von Offenbarungen,
die H. bei seinen Wanderungen durch Himmel und
Erde und in seinem Verkehr mit den Engeln er-
halten hat und die den ganzen Verlauf der Welt-
geschichte bis zur Vollendung aller Dinge und zur
endlichen Erfüllung der dem Volke Gottes gegebe-
nen Weissagungen verkündigen. Nach neuern Unter-
suchungen hat das Buch keinen einheitlichen Ur-
sprung. Den Grundstock bilden Kap. 1-36/72-
105. Bestimmen läßt sich seine Abfassungszeit nach
den Visionen in Kap. 85-90, in denen der Verfasser
in der künstlich verhüllten Weise der Apokalyptiker
die Geschichte des jüd. Voll's bis auf sein eigenes
Zeitalter beschreibt. Hierbei ist das Buch Daniel
als Vorbild benutzt. Als Abfassungszeit sind wahr-
scheinlich die letzten Regierungsjahre des jüd. Fürsten
Johannes Hyrkanus (um 110 v. Chr.) anzusetzen.
Einen besondern, jüngern Verfasser haben die sog.
Bilderreden (Kap. 37-71). Sie sind später einge-
schaltet. Manche Gelehrte leiten sie von einem christl.
Verfasser her, doch stehen dem viele Schwierigkeiten
entgegen. Der Text des Buches, auf das schon der
neutestamentliche Brief Iudä (V. 14) Be;ug nimmt,
und das die Kirchenväter als echte Schrift schätzten
und benutzten, ist, bis auf griech. Bruchstücke, nur iu
einer äthiop. Übersetzung erhalten. Herausgegeben
ist er zuerst von Lawrence (Oxf. 1838), dann von