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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herakles
und seine Söhne sielen- die Stadt wurde genommen,
geplündert und Iole als Gefangene weggeführt. Bei
der Heimkehr errichtete H. auf dem Kenäischen Vor-
gebirge in Euböa dem Zeus einen Altar und sandte,
um darauf feierlich zu opfern, nach Trachis um ein
weißes Gewand. De'ianeira befragte den Boten
(Lichas, s. d.) wegen Iole, und da sie fürchtete, ihr
Gemahl werde diese mehr lieben als sie, so nahm
sie des Nessos vermeinten Liebeszauber und bestrich
damit das Gewand. H. bekleidete sich damit; kaum
aber war dasselbe erwärmt, so griff das in dem Kleide
enthaltene Gift den Körper an, und H., von schmerz
gefoltert, riß sich mit dem festklebenden Gewände
das Fleisch vom Leibe. In solchem Zustande brachte
man ihn zu Schiffe nach Trachis, wo De'ianeira
von dem Vorgefallenen benachrichtigt, sich erhenkte.
(Sophokles hat in seinen "Trachinierinnen" diese
Sage behandelt.) H. selbst begab sich auf den Berg
Ota, errichtete einen Holzstoß, bestieg ihn und be-
fahl, ihn anzuzünden: Poias(s.d.) oder dessen Sohn
Philoktetes erzeigte ihm diesen letzten Liebesdienst
und erhielt dafür den Bogen und die Pfeile des H.
Ms der Holzstoß ausloderte, kam eine Wolke, die
unter Donner ihn in den Himmel hinauftrug, wo
er durch Athena, die ihm während seines Erden-
lebens als Beschützerin zur Seite gestanden, in den
Kreis der Götter eingeführt, mit Hera versöhnt und
mit Hebe (s. d.) vermählt wurde. Mit ihr zeugte er
den Alexiares, den Abwender alles Bösen, und den
Aniketos, den Unbesiegbaren, d. h. die Vertreter der
Hauptseiten seines eigenen Wesens, welche auch im
Kultus besonders betont werden.
IV. Kultus des H. Die Art der Verehrung des
H. schwankte, seinem Wesen entsprechend, zwischen
der einem Gotte und der einem Heros zukommenden.
Als Gott feierte man ihn besonders in Athen, Mara-
lhon und Sicyon, während er in Opus und Theben
alsHeros galt. Aus alten Melkartkulten (s.unterVI.)
aber entwickelte sich seine Verehrung vielleicht ,;u
Erythrä, Kos, Nhodus, Sicilien, Malta, Sardinien
und Gades in Spanien. In ganz Griechenland
wurde er neben Hermes in den Gymnasien als
Muster und Lehrer der Ningkunst von allen Jüng-
lingen gefeiert, auch die Stiftung der Olympifchen
Spiele ward ihm zugeschrieben.
V. Deutung. H. ist wahrscheinlich ein alter
griech. Sonnengott, dessen Kult von dem des Apollon
verdrängt oder allmählich aufgesogen wurde. Wie
alle Sonnengötter zeigt H. sich als tapferer Held,
welcher die dem Lichte feindlichen Gewalten der Fin-
sternis (z. B. Kerberos, Hades) und die Mächte des
Gewitters (z.B. GeryoneZ) siegreich bekämpft, aber
auch die vom Wintersturm erregten Meereswogen
bändigt (z. B. Rosse des Diomedes, Meerungeheuer
der hesione), die über ihre Ufer strömenden Flüsse
zurückdrängt (z. B. erymanthischer Eber, Acheloos,
Kentauren) und die Versumpfung famt ihren Krank-
heit verursachenden Folgen durch Austrocknung un-
schädlich macht (z. B. Hydra, Stymphaliden). So
wird er überhaupt zum Abwehrer alles Übels, zum
Alexikakos, und Soter (Retter), zum Beschützer der
Wanderer und zum heilkräftigen Heros und Herrn
der Heilquellen. Wegen jener vielen Kämpfe und
Mühen erscheint er als ein von einer feindlichen
Gottheit (Hera) Verfolgter, sodah er zum sitt-
lichen Idealbild wurde. Nach älterer Vorstellung
aber macht sich, sobald er nach dem Siege (als
Kallinikos) Ruhe hat (H. Anapauomenos), seine ge-
waltige Kraft auch im Genusse derselben geltend.
Brockhaus' KcmversationZ-Lexikon. 14. Aufl. IX.
Er ist dann ein gewaltiger Esser iBuphagos, Rinder
verschlingend) und Trinker, unerschöpflich aber, wie
die befruchtende Kraft der Sonne, im Liebesgenuß.
VI. Der orientalischeH. An diese Seite seines
Wesens sind mit der Zeit die eigentlich den lydischen
Sonnengott betreffenden Sagen (Omphale, Syleus,
Lityerses, Kerkopen) angeschlossen worden, wie schon
die seinem Verhältnis zuEurystheus gleichbedeutende
Dienstbarkeit bei Omphale, einer als Herrscherin der
Nacht gedachten Mondgöttin, deutlich beweist, mit
welcher er sich ebenso wie mit den Mondgöttinnen
Auge, Hippolyte und den 50 Töchtern des Thespios
verbindet. U. von Wilamowitz-Möllendorff (Eun-
pides' Herakles, Bd. 1, Verl. 1889) verlegt diese
ganze Sagengruppe dagegen nach Thessalien und
die angrenzenden Landschaften. Dem lydischen
Sonnengott war der cilicische Sandon verwandt,
dessen Selbstverbrennung (s. Sardanapal) auf die
Sage von der Verbrennung des H. auf dem Ota ein-
gewirkt haben mag. Endlich wurde H. auch dem
phüniz. Melkart gleichgefetzt, doch ist schwer zu ent-
scheiden, ob ein griech. Herakleskult wirklich aus
einem alten Melkartkult hervorgegangen ist.
VII. H. in der Kunst. In der bildenden Kunst ist
der Hauptcharakterzug der besonders durch Lysippus
ausgebildeten Herakles-Darstellungen der der ge-
waltigen, durch Anstrengung aufs höchste entwickel-
ten Körperkraft, wie dies unter den zahlreichen noch
erhaltenen Herakles-Statuen insbesondere der sog.
Torso vom Velvedere, das Werk des Atheners
Apollonius, in Rom und die von dem Athener
Glykon jedenfalls nach einem Original des Lysippus
gearbeitete Statue des sog. Farnesischen Herakles
(s. d. und die vorstehende Figur) zeigen. Von den
Kämpfen und Abenteuern des H. sind außer einer
Anzahl statuarischer (s. 'Aginetische Kunst) nament-
lich zahlreiche Darstellungen in Reliefs, worunter
die Metopen vom Zeus-Tempel zu Olympia und
vom Theseion zu Athen hervorzuheben sind, und
auf griech. Vasenbildern, besonders des ältern Stils,
erbalten. (S. Hercules und Herakliden.)