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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Holbeinstich - Holberg
als Venus mit Amor und als Lais Corinthiaca
dargestellt. Im Aug. 1526 begab er sich, mit Em-
pfehlungen von Erasmus versehen, nach London,
wo er sich ganz der Vildnismalerei zuwandte. Hier
malte er 1527 seinen Gönner, den Kanzler Thomas
Morus (bei Mr. Huth in London), sowie diesen mit
semer Familie, welch letzteres Bild nur aus einer
lm Museum zu Basel befindlichen Skizze bekannt
Fig. 1.
ist; ferner das Bildnis des Erzbijchofs Warham
von Canterbury und das des Astronomen Nic.
Kratzer (beide vom I. 1528; im Louvre). 1528
kehrte er in seine Heimat zurück, wo er seine schon
Fig. 2.
früher begonnenen Arbeiten im Nathause wieder
aufnahm. Damals entstand auch das Porträt sei-
ner Frau mit den beiden Kindern, auf Papier in
Lebensgröße ausgeführt (Museum zu Basel). 1530
malte H. das Porträt des Erasmus, das sich in
der Galerie zu Parma befindet. Die ungünstige
Wendung der schweiz. Reformation nötigte 1532
dcn Künstler indessen, zum zweitenmal England
aufzusuchen. In London erhielt er zunächst Auf-
träge von feinen Landsleuten, den Kaufleuten im
hansischen Stahlhof; zwischen 1532 und 1536 por-
trätierte er viele von ihnen (das beste Bild, das des
Jörg Gisze, von 1532; im Museum zu Berlin).
Nachdem er dann 1533 das berühmte "Gesandten-
bild" (neuerdings als die Bildnisse des Jean de
Dinteville, franz. Gesandten in London, und seines
Freundes, des Dichters Nicolas Bourbon, erkannt;
ehedem in Longford Castle, seit 1891 in der Lon-
doner Nationalgalerie) angefertigt hatte, war er seit
1536 im Dienste Heinrichs VIII. als dessen Hofmaler
thätig: Er malte den König mit seiner dritten Ge-
mahlin, Jane Seymour (beim Brande des Schlosses
zu Whitehall zu Grunde gegangen), 1536 letztere
selbst (im Hofmuseum zu Wien). Im Frühjahr 1538
ging H. nach Brüssel, um die Herzogin Christine
von Mailand, die erwählte Braut des Königs, zu
porträtieren (eins seiner Hauptwerke; in Arundel
Castle), 1539 nach dem Niederrhein, um das Braut-
porträt der Anna von Cleve zu malen (jetzt im
Louvre). Zu seinen berühmtesten Bildnissen gehören
ferner: Sir Richard Southwell (1536; Uffizien zu
Florenz), franz. Edelmann Morette (Dresdener
Galerie), Heinrichs VIII. Schatzmeister Sir Vryan
Tuke (Alte Pinakothek in München), Heinrichs VIII.
Leibarzt John Chambers und Derick Tybis (beide
im Hofmuseum zu Wien). Eins seiner letzten Werke
ist das Bild: Die vereinigte Barbier- und Chi-
rurgengilde von König Heinrich VIII. ihre Privi-
legien empfangend (im Zunfthaus Barbershall zu
London). Zu erwähnen sind endlich H.s köstliche
Entwürfe zu kunstgewerblichen Zwecken (u. a. Ent-
wurf zu einem Kamin, Entwurf zu einem Pokal für
Jane Seymour), die in zahlreichen Handzcichnun-
gen sich im Britischen Museum und im Museum zu
Basel befinden. Sie alle zeigen die unerschöpfliche
Phantasie des Meisters und eine bewunderungs-
würdige Feinheit der Formgebung. 1543 raffte ihn
zu London die Pest dahin. - Vgl. Woltmann, H.
und seine Zeit (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1873-76);
Gädertz, A. und seine Madonna des Bürgermeisters
Meyer (Lüb. 1872); P. Mantz, Hans H. (Par.
1879); Vögelin über H.s Holzschuittwerk im "Reper-
torium für Kunstwissenschaft" (Berl. und Stuttg.
1879,1882 u. 1887); Letthäuser, H. in seinem Ver-
hältnis zur Antike und zum Humanismus (Hamb.
1886); E. His, V688in8 ä'oi'uLmsut äs II. (51 Tafeln,
Par. 1886); Alfred Schmid, Hans H.s des Jüngern
Entwicklung 1515-26 (Bas. 1892).
Holbeinstich, auch Strich stich, ein in der
Stramin- und Leinenstickerei angewendeter Stich,
durch welchen der die einzelnen Stichstellen verbin-
dende Faden auf beiden Seiten des Gewebes gleich-
artig sichtbar wird; die Nadel muß jeden Linien-
zug, indem sie zunächst nur den einfachen Stepp-
stich erzeugen kann, zweimal durchlaufen, erst vor-
wärts, dann rückwärts. Die auf der Doppelstepp-
stich-Nähmaschine (von Howe, Singer) erzeugte Naht,
durch Verschränkung von zwei Nähfäden in den Stich-
löchern, hat dasselbe Aussehen wie die mit dem H.
hergestellte Stickerei, wenn eine nicht zu kleine Stich-
länge angewendet wird.
Holberg, Ludw., Freiherr von, der Schöpfer der
neuern dän. Litteratur, geb. 3. Dez. 1684 zu Ber-
gen in Norwegen, studierte zu Kopenhagen Theo-
logie, wurde 1702 Hauslehrer und vermochte bald
sich durch Unterricht so viel zu erübrigen, daß er
Holland, Deutschland, Frankreich und dann auch