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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Holzschneidekunst
Weht mittels der Walze; der Abdruck wird auf
mäßig angefeuchtetes Papier, seltener auf Perga-
ment, Zeug und andere Stoffe gemacht. Vorzüglich
eignet sich der Holzschnitt zur Illustrierung von
Büchern (s. Buchverzierung), da der Stock in den
Satz eingeschoben und mit abgedruckt werden kann.
Die frühesten Spuren der H. will man in China
finden, wo sie noch gegenwärtig zum Bücherdruck
benutzt wird', es leitet aber keine Spur darauf, daß
ihre Kenntnis von dort in das Abendland gelangt
sei. Die in röm. und mittelalterlicher Zeit benutzten
Stempel aus Holz gaben vielleicht den ersten An-
laß zur Entstehung des Formschnittes. Der Holz-
schnitt im engern Sinne scheint zuerst angewandt
worden zu sein, um Umrisse für Stickereien auf Lein-
wand und Muster auf Stoffen im Sinne des spätern
Kattundruckes herzustellen. Proben einer derartigen
Verwendung gehen bis an das Ende des 12. Jahrh,
zurück und weisen auf Süditalien. Auch die alten
Inder stellten Kattunmuster mit Holzmatrizen her;
ftühmittelalterliche Schriftdenkmale aus dem ägypt.
Fajum zeigen mit Holzmodell auf Papier gedruckte
Ornamente. Die Spielkarten, von welchen man
sonst den Ausgang des Holzschnittes ableitete, stehen
den erhaltenen Dokumenten nach erst in zweiter
Reihe. Spuren eingepreßter Zeichnungen auf Per-
gament aus dem 12. Jahrh, können um so weniger
als Anfang des Holzschnittes angesehen werden, als
sie in ihrer Vereinzelung keinen Hinweis auf allge-
meine Übung liefern und die ältesten Erzeugnisse
dieses Kunstzweigs, die sog. Reib er drucke, eine
ganz verschiedene Technik erkennen lassen. Denn
diese sind entstanden, indem man das feuchte Papier
auf die geschwärzte Platte legte und so lange be-
arbeitete, bis sich der Abdruck vollzogen hatte.
Die ältesten Holzschnitte behandeln fast aus-
schließlich religiöse Vorwürfe, erscheinen mit dicken,
unbeholfen hergestellten Umrissen, ohne Schraffie-
rung, und nachträglich leicht koloriert, da man ohne
Zweifel die längst bekannten Andachtsbilder in Mi-
niaturmalerei dadurch populär zu machen beabsich-
tigte. Der früheste datierte Holzschnitt, ein heil.
Christoph, aufgefunden in der Kartaufe zu Vuxheim,
gegenwärtig im Besitz des Lord Spencer, trägt die
Jahreszahl 1423; doch sind die ältesten Holzschnitte
schon im Beginn des 14. Jahrh, entstanden. Bald
schritt man zum Druck ganzer Bücher vermittelst
geschnittener Holzplatten, sog. Vlockbücher, wo-
bei eine und dieselbe Platte Text und Bilder um-
faßte (Tafeldruck); der erste Schritt zu Guten-
vergs Erfindung der Buchdruckerkunst. Unter den
alten Vlockbüchern treten mit vielen Auflagen die
lat. Armenbibel ("Lidlia pauperum", s. d.), Die Kunst
zu sterben ("^l8 uioi-isnäi"), DerHeüspiegel ("8p6-
cninin Knm3.n3.6 Zaivktioniä") u. a. in den Vorder-
grund. Auch nach Einführung des spätern Buch-
drucks blieb der Holzschmtt dessen getreuer Begleiter,
und das 15. Jahrh, sah noch viele illustrierte Werke,
selbst solche naturwissenschaftlichen Inhalts. Das
bedeutendste Buch dieser Art ist die von Hartmann
Schedel zu Nürnberg herausgegebene, von Michael
Wohlgemuth und Hans Pleydenwurf mit Holz-
schnitten versehene Weltchronik: "leider ckroin-
coruiQ" (1493). Bis zu dieser Zeit hatte auch die
Technik des Holzschnittes Fortschritte gemacht; die
Schraffierung war aufgenommen worden und selbst
Kreuzlagen der Linien wurden mit Geschick behandelt.
Auf eine bisher unbekannte Höhe und zu wahrhaft
künstlerischer Bedeutung hob ihn aber erst Albrecht
Dürer (s. d., Bd. 5, S. 628) in seinen Bildern zur
"Apokalypse" (1498), welchen sich seine übrigen Fol-
gen und Emzelblätter mit stets wachsender Meister-
schaft der Ausführung anreihten. Von den Zeitge-
nossen und Schülern Dürers betraten manche mit
Glück und außerordentlicher Produktivität die von
jenem eröffnete Bahn, so Hans Vurgkmair, Hans
Holbein der Jüngere, berühmt durch seinen Toten-
tanz (s. die Textfiguren beim Artikel Holbein), Hans
Baldung, Urs Graf, Nikolaus Manuel, Hans
Scheufelein, Hans Sebald Veham, Albrecht Alt-
dorfer, Erhard Schön, Anton Woensam von Worms,
Georg Weechtlin u. a. Die sächs. Schule war haupt-
sächlich durch Lukas Cranach vertreten, der Norden
Deutschlands durch Heinr. Aldegrever.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh, zeichneten
sich aus: Virgil Solis zu Nürnberg, die Schweizer
Iost Amman, Tobias Stimmer, Hans Brosamer,
Melchior Lorch und Christoph Maurer, die indes
zum Teil auch in Deutschland ihr Arbeitsfeld fan-
den. In den Niederlanden war ebenfalls schon früh
der Formfchnitt eifrig gepflegt worden. Lukas von
Leiden behandelte ihn in Nachahmung Dürers in
einigen Blättern; zu einer eigentümlichen Blüte ge-
langte er dafelbst aber erst gegen Ausgang des
Reformationszeitalters, als die bedeutendsten Künst-
ler, selbst Rubens, für ihn zu zeichnen begannen.
Sein eigentliches Gebiet war hier das Clair-
obscur oder der Tondruck, welcher nur die Um-
risse und Hauptschatten in schwarzen Linien, die
weitern Abstufungen des letztern in meistens grauen
oder bräunlichen Tönen giebt, die mit besondern
Platten aufgefetzt werden, während die Lichter meist
ausgespart stehen bleiben. Von hervorragenden
Künstlern sind hier zu nennen: Heinr. Goltzius,
Abraham Vloemart, Paul Moreelse u. a. Die
Italiener, im ganzen in der Kunst des Holz-
schnittes weniger ausgezeichnet, schreiben sich die
Erfindung des Clairobscur zu, so namentlich Ugo
da Carpi in einer Schrift von 1516, während
die Deutschen, z. B. Vurgkmair, L. Cranach u. a.,
viel früher schon Treffliches auf diesem Gebiet leiste-
ten. Auch Raffael und Tizian zeichneten für den
Holzschnitt. Sonst sind zu nennen: Antomo Fan-
tuzzi, Niccolö Voldrini, Andrea Andreani u. s. w.
übrigens arbeiteten auch Deutsche in Italien, wie
ebenfalls in Frankreich, wo namentlich in Lyon sich
eine Schule tüchtiger Holzschneider herausbildete.
Pariser Drucke erhalten schon um 1500 Illustra-
tionen, namentlich Randeinfassungen von großer
Feinheit der Ausführung. Auch der spätere franz.
Holzschnitt beschränkt sich fast gänzlich auf dieses
Gebiet, ebenso der englische und der anderer europ.
Länder, soweit er gepflegt wurde.
Die eigentliche Heimat der H. blieb aber immer
Deutschland. Hier lieferte sie von miniaturartiger
Ausführung bis zur derben Behandlung großer
bildlicher Darstellungen, auch auf den Gebieten des
Porträts, des Prospekts und selbst der Kartographie
die meisten selbständigen und viele bewunderungs-
würdige Arbeiten. Die früher viel behandelte Frage
wegen der eigenhändigen Ausführung derHolzstöcke
von feiten der Künstler ist mit Sicherheit dahin zu
entscheiden, daß diese nur ausnahmsweise statthatte.
Berühmte Formschneider der ältern Zeit sind Hiero"
nymus Andre (Nesch), der für Dürer, Hans Lützel-
burger, welcher sür Holbem, und Iost Dienecker,
welcher unter anderm für Burgkmair schnitt. Im
Laufe des 16. Jahrh, wurde der Holzschnitt immer