Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

407
Hühnerauge - Hühnerhaus
Hühnerauge (verdorben aus dem altdeutschen
köi-nw 0UF6, hörnernes Auge), Krähenauge
oder Leichdorn (o1a.vu8 oder K6I08), eine horn-
artige Verdickung der Oberhaut, welche durch an-
haltenden Druck auf eine bestimmte Hautstelle ent-
steht, besonders wenn sich zwischen dieser und
dem darunterliegenden Knochen nur ein schwaches
Polster von Fett oder Fleisch befindet. Daher
erscheint diese Verdickung am häusigsten an den
Füßen, insbesondere auf dem Rücken der Zehen bei
Personen, welche enge Fußbekleidung tragen, selten
an andern Körperstellen, z. B. auf dem Knie bei
Personen, die viel knien, mitunter auch am obern
Rande des Hüftknochens durch den Druck des Kor-
setts. Die Hornmasse bildet gewöhnlich einen in
die Tiefe der Lederhaut hineinragenden Keil oder
Zapfen, an dessen Ende öfters infolge der Quetschung
Blut austritt und meist lebhafter Schmerz statt-
findet. Nickt selten bildet sich unter dem H. ein
kleiner Schleimbeutel im Nnterhautzellgewebe, wel-
cher sich gelegentlich entzündet, auch wohl vereitert.
Das H. verschwindet meist von selbst, nach Auf-
hebung der Reibung und des Drucks, durch den es
entstand. Gefensterte Pflaster sein Stück Feuer-
schwamm mit einem Loch in der Mitte, ein Filzring,
veide auf der Unterseite mit Gummi oder Heft-
pflaster bestrichen) schützen das H. gleichfalls vor
Druck und bringen es bei konsequenter Anwendung
zum Verschwinden; gegen H. auf der Fußsohle trägt
man Filzsohlen mit einem ebensolchen Loch. Warme
Bäder und Pflaster (Mutterpflaster, Diachylon-
pstaster u. dgl.) erweichen das H., und es läßt sich
dann mit einem stumpfen Instrument ausheben
oder wenigstens leicht abschaben. Mit dem Ge-
brauch des Messers muß man vorsichtig sein, weil
ein zu tiefer Schnitt gefährliche Folgen nach sich
ziehen kann. Ahnliche Hypertrophien der Oberhaut
sind die Hautschwielen (s. d.) und das Hauthorn
(s. d.). "nittel.
Hühneraugentiuktur von Esser, s. Geheim-
Hühnerbruft oder Gänsebrust <?6ew8 cari-
N3.wni), krankhafte Formveränderung des mensch-
lichen Brustkastens, bei welcher das Brustbein und
die vordern Rippenabschnitte stark vorgetrieben, die
Seitenwandungen aber auffallend eingesunken sind
und so eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Vogelbrust
entsteht. Die H. bildet sich gewöhnlich schon in
frühester Jugend als ein bleibender Folgezustand
der Englischen Krankheit (s. d.) aus und erfordert,
da mit ihr in der Regel eine beträchtliche Raum-
beschränkung der Brusthöhle und dem entsprechend
eine mangelhafte Entfaltung der Lungen einher-
geht, eine sorgsame Pflege des gesamten Atmungs-
apparats durch steißiges Tiefatmen in reiner guter
Lust, gymnastische Übungen, kalte Waschungen der
Brust und Vermeidung von Überanstrengungen,
Erkältungen, staubiger oder sonst unreiner Luft und
anhaltendem Stubensitzen. Von größter Wichtig-
keit ist die Verhütung der H. durch möglichst früh-
zeitige Bekämpfung der Englischen Krankheit.
Hühnercholera, Geflügeltyphoid, Hüh-
nerpest oder Hühnertod, eine sehr verderbliche
Krankheit, die nicht nur ganze Hühnerzuchten hin-
wegrafft, sondern auch in gleicher Weise Gänse,
Enten, Tauben, Truthühner, Pfauen, Fasanen,
selbst Sperlinge, Raben und andere freilebende
Vögel befällt. Die H. wird durch einen Spalt-
pilz von ungemeiner Kleinheit (0,3 bis 0,5 Mikro-
millimeter --- ^oua ium groß) erzeugt. Das wirk-
same Produkt dieser Kokken ist ein Gift, welches
sich abfiltrieren läßt und dann gleiche Krankheits-
erscheinungen (80901-) hervorruft. Durch Stehen
an der Luft verlieren die Kokken allmählich ihre
Virulenz, sodaß auf diefe Weise abgeschwächte Kul-
turen erzielt werden. Künstlich durch Verfütterung
von Blut, Kot und Kadaverteilen ertränkter Tiere
infizierte Tiere gehen nach 12-48 Stunden zu
Grunde. In vielen Fällen tritt der Tod schlag-
ansallähnlich auf. Bei längerer Krankheitsdauer
sind die Tiere traurig, fträuben das Gesieder, fressen
nicht, bekommen Durchfall und starken Durst. Die
Entleerungen sind zuerst weißgelb, später wässerig,
grün und höchst übelriechend. Die Schwäche nimmt
zu, die Tiere taumeln, geben schluchzende und pfei-
fende Geräusche von sich und sterben unter Zittern
und Krämpfen. An den Kadavern findet man den
Darmkanal stark gerötet, den Darminhalt schokolade-
farbig. Das Herz ist rotpunktiert, die Lunge dunkel-
rot und fest (sinkt im Wasser unter). In allen Or-
ganen lassen sich die beschriebenen Bakterien nach-
weisen. Arzneimittel kommen in der Regel zu spät;
es erliegen der H. 90-100 Proz. Empfohlen wird
Salzsäure in starker Verdünnung zum Trinkwasser
zugesetzt. Viel wichtiger ist die Vorbauung: Abson-
dern der gesunden Tiere von den kranken (nicht um-
gekehrt, weil der gemeinschaftliche Stall den An-
steckungsstoff enthält), Vergraben oder Verbrennen
der Kadaver, gründlichste Desinfektion des Stalles
und der Stallgeräte mit Chlorkalklösung. Pasteur
lieferte den hochinteressanten Nachweis, daß man
durch abgeschwächte Hühnercholerabakterien das Ge-
flügel einer Schutzimpfung unterwerfen kann. Der
praktischeWert dieserSchutzimpfung ist aber fraglich.
Von hoher Bedeutung ist die Entscheidung der
Frage, ob der Genuß des Fleisches von cholera-
krankem Geflügel für den Menschen schädlich ist.
Hunde und Katzen werden durch das Verzehren der
Kadaver nicht angesteckt, ebensowenig, wie es scheint,
Menschen, wenn sie das Fleisch in gekochtem Zu-
stande genießen. Vorsicht ist aber immerhin ge-
boten, da in einem Falle eine Erkrankung beim
Menschen aufgetreten sein soll. Die H. ist auch auf
Kaninchen übertragbar. Pasteur schlug deshalb vor,
diese Thatsache zur Ausrottung der in Australien zur
Landplage gewordenen Kaninchen auszunutzen.
Hühnerdarm, Pstanzenart, s. stßiiai-ia.
Hühnerei, s. Ei.
Hühnereischnecke (0vuwiu oviim 2^.), eine
merkwürdige, zur Familie der Porzellanschnecken
(s. d.) gehörige, über 9 cm lang werdende ostind.
Schnecke, deren stark aufgetriebene, eiförmige Schale
weiß mit gelber Mündung ist.
Hühnerfußmilbe, s. Oki-Natoi-iiMes.
Hühnergans, s. Gans.
Hühnergeier, s. Geier.
Hühnergrind, s. Hautkrankheiten (der Haus-
tiere, Bd. 8, S. 907d).
Hühnerhabicht (^8tur p3.iumd3.rw8 AessneT-,
s. Tafel: Falken, Fig. 5), eine Art Habicht (s. d.);
das Weibchen ist nicht unbeträchtlich größer als das
Männchen. In der Jugend ist der H. oben braun
mit gelben Flecken und Federkanten, unten rötlich-
gelb, später weißgelb mit nackten Schaftstrichen.
Hühnerhaus, Hühnerstall, kleines Gebäude
zum Nachtausenthalt der Hühner, in dem auch die
Nester zum Ablegen der Eier angebracht zu sein
pflegen. Das H. muß genügenden Schutz gegen
Nässe und Kälte, andererseits aber auch aeaen zu