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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Israeliten - Issy
nicht zu stetigen Zustanden zu kommen. Vom Exil her mußte sie diese Wiederherstellung als Beginn der Messianischen Zeit fassen; dazu aber stimmte ihre armselige Lage nicht, der kärgliche Boden Palästinas ließ sie nicht recht zu Wohlstand kommen. Ganz das Gegenteil des Verheißenen schien einzutreten. Die gedeihliche Entwicklung, ja das Beharren bei den im Exil gewonnenen religiösen Gütern wurde in Frage gestellt, indem die Reste der altisrael. Bevölkerung in Jerusalem Zulassung zum Kult suchten und fanden und durch Mischehen sich mit der Gemeinde bis hinauf zu den Priesterfamilien zu verschmelzen begannen. Das deuteronomische Gesetz scheint das Ziel der Frömmigkeit nicht sichergestellt zu haben. Aus dieser unerquicklichen Lage wurde die Gemeinde fast gewaltsam und gegen den Willen ihrer einflußreichsten Familien befreit durch die Bemühungen Esras und Nehemias und durch die Einführung des von Esra 458 nach Palästina gebrachten Priestercodex. Zugleich erfuhr sie durch die Esra begleitenden Kolonisten eine numerische Kräftigung. Erst 444 gelang es den vereinten Bemühungen Esras und Nehemias, die Verpflichtung der Gemeinde auf das Gesetz des Priestercodex durchzusetzen. (S. Esra, Nehemia und Pentateuch.) Das Jahrhundert nach Esra aber ist die Zeit des Abschlusses des Pentateuchs und der Befestigung der durch Einführung des Gesetzes geschaffenen Zustände. Hierdurch hat die jüd. Gemeinde jene feste Gestalt, das jüd. Wesen jene abgeschlossene Eigenart erhalten, vermöge deren der M. Glaube und die jüd. Nationalität die Periode des Hellenismus siegreich überstehen, ja in ihr sich weit kräftiger entwickeln konnten. (S. Juden.)
Litteratur. Den ersten Versuch, eine Geschichte I.s nach den Quellen zu schreiben, hat H. Ewald unternommen: Geschichte des Volks I. (3. Aufl., 7 Bde., Gött. 1864-70). Einen Überblick giebt J. Wellhausen in Skizzen und Vorarbeiten (Heft 1, Berl. 1884). In Onckens Allgemeiner Geschichte in Einzeldarstellungen ist die Geschichte I.s von B. Stade (2 Bde., Berl. 1881-88; Bd. 2 von den griech. Zeiten an von Oskar Holtzmann). Im Zusammenhange mit der Geschichte des alten Orients behandelte sie Ed. Meyer, Geschichte des Altertums, Bd. 1 (Stuttg. 1884). Viel Phantastisches und Hypothetisches ist in die Darstellung der Geschichte gemengt in Renans Histoire d’I. (4 Bde., Bd. 1, 10. Aufl. 1889; Bd. 2-4, Par. 1891-93).
Israeliten, s. Israel.
Israelitische Allianz, s. Alliance Israélite Universelle.
Issachar, israel. Stamm, s. Isaschar.
Issel, Flüsse in Holland, s. Yssel.
Isselburg, Stadt im Kreis Rees des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, 5 km im NO. von Empel, an der alten Issel und der westfäl. Grenze, hat (1890) 1736 E., darunter 723 Evangelische; Post, Telegraph, Sparkasse; Eisengießerei, Emaillierwerk, Fabrikation von Bergwerksmaschinen, Steingut und Holzschuhen sowie ein Eisenwerk (Aktiengesellschaft Isselburger Hütte, 500 Arbeiter).
Isset, linker Nebenfluß des Tobol, entspringt im Issetkojesee unweit Jekaterinburg und ist 451,3 km lang. Sein Thal ist berühmt durch mineralische Reichtümer (Gold- und Eisenerz, Marmor, Kalk, Mühlsteine) und Fruchtbarkeit. Ein rechter Nebenfluß des I. ist der durch sein goldhaltiges Flußgebiet bekannte Mijas.
Issetsk, Eisengußwerk bei Jekaterinburg (s. d.).
Ißewi (arab.), Jesubekenner, in der türk. Kanzleisprache Bezeichnung der Christen.
Issoire (spr. issŏahr). 1) Arrondissement im franz. Depart. Puy-de-Dôme, hat 1796,59 qkm, (1891) 92934 E., 117 Gemeinden und zerfällt in die 9 Kantone Ardes (331,68 qkm, 8187 E.), Besse (328,09 qkm, 9452 E.), Champeix (158,92 qkm, 9889 E.), I. (146,30 qkm, 15189 E.), Jumeaux (95,49 qkm, 9383 E.), Latour (277,65 qkm, 10059 E.), St. Germain-Lembron (117,13 qkm, 10202 E.), Saurillanges (182,76 qkm, 12053 E.), Tauves (158,57 qkm, 3520 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements I., an der Couse, 32 km südöstlich von Clermont und an der Linie St. Germain-des-Fossés-Nîmes der Mittelmeerbahn, Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz und eines Handelstribunals, hat (1891) 5750, als Gemeinde 6182 E., ein Kommunal-Collège, ein Hospiz; Branntweinbrennerei, Fabriken für Ackerbaumaschinen, Wollzeuge, Handel mit Wein, Vieh und Obst.
Issoudun (spr. issŭdöng). 1) Arrondissement im franz. Depart. Indre, hat 1178,78 qkm, (1891) 50422 E., 49 Gemeinden und zerfällt in die 4 Kantone Issoudun-Nord mit 14414 E. und Issoudun-Sud mit 15943 E. und zusammen 674,08 qkm, St. Christophe-en-Bazelle (246,41 qkm, 11196 E.), Vatan (258,29 qkm, 8869 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements I., 27 km nordöstlich von Châteauroux, am Théols und an der Linie Orléans-Limoges der Orléansbahn, hat (1891) 10208, als Gemeinde 13564 E., in Garnison einen Teil des 68. Infanterieregiments, Gerichtshof, Handelsgericht, Theater, Ackerbau- und Gewerbekammern, Kommunal-Collège, Bibliothek, Gefängnis, Hospital und Waisenhaus; Brauerei, Mehl-und Sägemühlen, Wollzeug- und Pergamentfabrikation und bedeutenden Holzhandel. In der Nähe sind Brüche von lithogr. Steinen.
Issue-Depārtment (engt., spr. íschu dĭ-), die Abteilung der Bank of England (s. d.), welche mit Ausgabe der Noten beschäftigt ist. (S. Bankakte.)
Issus, im Altertum Seestadt in Cilicien, an der Ostküste des Meerbusens gleichen Namens (jetzt Golf von Iskanderun), deren Ruinen beim Dorfe Erpun noch zu erkennen sind, ist durch den Sieg berühmt, den etwas südlich von dieser Stadt, auf der schmalen Strandebene des Flüßchens Pinaros, Alexander d. Gr. im Nov. 333 v. Chr. über Darius Kodomannus erkämpfte, wobei ihm das ganze pers. Lager nebst der Familie Darius’ III. in die Hände fiel. (S. die Nebenkarte: Zur Schlacht bei Issus zu der Karte: Alexanders d. Gr. Reich und Eroberungszüge, Bd. 1, S. 360.)
Iffy, Dorf im Arrondissement und Kanton Sceaux des franz. Depart. Seine, unmittelbar südwestlich vor dem Hauptwalle von Paris und nahe links der Seine gelegen, hat (1891) 9751, als Gemeinde 12830 E., ein Seminar, ein Krankenhaus mit 1390 Betten, ein Schloß; Fabrikation von Seidenstoffen, Wachsleinwand, Farben, Ol und Zündhütchen. - Das Fort I., das südwestlichste der alten Verteidigungslinie von Paris, 1 km östlich der Seine, wurde 16. Jan. 1871 von den Deutschen zum Schweigen gebracht, infolge der Kapitulation von Paris besetzt und 7. März, wie die übrigen Forts der Südfront, wieder geräumt. Später nahm die Commune dieselben in Besitz. Die Armee von Versailles erstürmte 29. April den Park von I. und hatte gegen das Fort bereits die zweite Parallele eröffnet, als die Aufständischen dasselbe in der