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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jahn (Otto) - Jähns
Aufsicht gehalten, wurde er 1824 zu zweijähriger
Festungsstrafe verurteilt, 1825 indes freigesprochen.
Dennoch unterfagte man ihm, seinen Aufenthalt in
einer Universitäts- oder Gymnasialstadt und inner-
halb 10 Meilen von Berlin zu nehmen. Er wählte
Freyburg an der Unstrut zum Aufenthaltsorte,
wurde aber 1828, weil er der Jugend durch dema-
gogische Umtriebe ein gefährliches Beispiel gegeben
haben sollte, nach Cölleda verwiesen. Erst später
gestattete man ihm, wieder nach Freyburg zurück-
zukehren, wo er auch blieb. Im Nov. 1840 erhielt
er nachträglich das Eiserne Kreuz. Eine große Teil-
nahme erregte das ihm 1838 widerfahrene Vrand-
unglück; durch Sammlungen unter den Turnern
wurde es ihm möglich, sich in Freyburg ein eigenes
Heim zu errichten. Im Frühjahr 1848 wurde I.
vom Naumburger Wahlbezirk in die Deutsche Na-
tionalversammlung gewählt, wo er sich zur äußersten
Rechten hielt. Er starb 15. Okt. 1852 zu Freyburg.
Auf seinem Grabhügel daselbst wurde ihm 1859 ein
Denkmal gesetzt (Bronzebüste von Schilling), ein
größeres Vronzestandbild (von Enke) 11. Aug. 1872
auf dem Turnplatze in der Hasenheide bei Berlin,
auf einem Steinhügel, zu dem deutsche Turner aus
allen Gauen und selbst aus überseeischen Ländern
Stemblöcke sandten. Ein Denkmal im Stadtpark zu
Bochum wurde 12. Aug. 1883 enthüllt. Die 1863
von der deutschen Turnerschaft begründete Pen-
stonskasse für die Hinterlassenen von Turnlehrern
wurde ihm zu Ehren Iahnstiftung genannt.
Eine Erinnerungsturnhalle nebst Iahnmufeum wird
zur Zeit von der deutschen Turnerschaft in Frey-
burg erbaut. Von seinen durch kernige, freilich
auch manchmal gezierte Sprache ausgezeichneten
Schriften sind zu erwähnen: "Bereicherung des
hochdeutschen Sprachschatzes" (Lpz. 1806), "Deut- !
sches Volkstum" (Lübeck 1810; 2. Aufl. 1817), !
"Runenblätter" (Franks. 1814), "Neue Runenblät- >
ter" (Naumb. 1828), "Merke zum deutschen Volks- ^
tum" (Hildburgh. 1833) und "Selbstverteidigung"
(Lpz. 1863). Außerdem gab er mit Eiselen "Die
deutsche Turnkunst" (Berl. 1816) heraus. Eine
Gesamtausgabe semer Werke bewerkstelligte Euler
(3 Bde., Hof 1884-87). - Vgl. die Biographien
I.s von Pröhle (2. Aufl., Verl. 1872), Angerstein
(2. Aufl., ebd. 1861), Rothenburg (Minden 1871),
Euler (Stuttg. 1881).
Iahn, Otto, Philolog, Archäolog und Kunst-
historiker, geb. 16. Juni 1813 zu Kiel, widmete sich
zu Kiel, Leipzig und Berlin philol. und archäol.
Studien. Nachdem er sich einen Winter in Kopen-
hagen aufgehalten hatte, ging er mit Unterstützung
der dän. Regierung 1837 nach Paris, 1838 nach Ita-
lien. 1839 habilitierte er sich in Kiel, wurde 1842
als außerord. Professor der Archäologie und Phi-
lologie nach Greifswald berufen, wo er 1845 eine
ord. Professur erhielt, und folgte 1847 einem Ruse
nach Leipzig, wo er teils durch archäol. und philol.
Vorlesungen, teils durch eine archäol. Gesellschaft
und als Direktor des Archäologischen Museums
erfolgreich wirkte. Infolge feiner Teilnahme an
den Bewegungen 1848 und 1849 wurde er 1851
seines Amtes entsetzt. Seitdem lebte er als Privat-
mann zu Leipzig, bis er Ostern 1855 als Professor
der klassischen Philologie und Archäologie sowie
als Direktor des akademischen Kunstmuseums nach
Bonn ging, wo er auch die Übungen des archäol.
und seit 1861 mit Ritschl die des philol. Seminars
leitete. Er starb 9. Sept. 1869 in Göttingen.
Zu seinen archäol. Arbeiten, von denen er einen
Teil in den "Archäol. Aufsätzen" (Greifsw. 1845)
und den "Archäol. Beiträgen" (ebd. 1847) gesam-
melt hat, gehören unter andern: "Telephos und
Troilos" (Kiel 1841), "Die Gemälde des Poly-
gnotos in der Lesche zu Delphi" (ebd. 1841), "Pen-
theus und die Mainaden" (ebd. 1342), "Paris und
Oinone" (Greifsw. 1845), "Die hellen. Kunst"
(ebd. 1846), "Peitho, die Göttin der Überredung"
(ebd. 1847), "Die Ficoronische Cista" (Lpz. 1852),
"Wandgemälde des Columbariums der Villa Pam-
fili" (Münch. 1857), "Der Tod der Sophonisbe"
(Bonn 1859), "Die Lauersforter Phalerä" (ebd.
1860), "Darstellungen griech. Dichter auf Vasen-
bildern" (Lpz. 1861), "Rom. Altertümer aus Vin-
donissa" (Zür. 1862), "über bemalte Vasen mit
Goldschmuck" (Lpz. 1865) u. s. w. Seiner "Beschrei-
bung der Vasensammlung König Ludwigs" (Münch.
1854) hat er eine ausführliche Einleitung über
Vasenkunde vorausgeschickt. Von I.s philol.-kriti-
schen Arbeiten sind außer der trefflichen kritischen
Bearbeitung des Iuvenal (Bd. 1, Verl. 1851) her-
vorzuheben: die Ausgaben des Persius (Lpz. 1843;
Text allein, ebd. 1851), des Censorinus (Berl.1845),
des Florus (Lpz. 1852), des "Zi-nwz" l4. Aufl., von
Eberhard, Verl. 1877) und "Orawi-" (Z. Aufl., ebd.
1869) des Cicero, der "I'ki'iocka.s" des Livius (Lpz.
1853), der "I^cks ot Oupiäo" des Apulejus (ebd.
1856; 2. Aufl. 1873), der "Elektra" des Sophokles
(Bonn 1861; 2. Aufl., von Michaelis, 1872), des
"8^mp08i0Q" des Platon (Bonn 1864; neue Aufl.,
von Usener, 1876), des Dionysius oder Longinus
"vs Zudlimitate" (ebd. 1867), der "DsZoriMo
arcig ^ttisnarum" des Pausanias (ebd. 1860; neue
Ausg. 1880). Schätzbare Beiträge zur deutschen
Litteraturgeschichte bilden die Abhandlung "über
Goethes Iphigenie" (Greifsw. 1843), die Ausgabe
von "Goethes Briefen an Leipziger Freunde" (Lpz.
1849) und "Goethes Briefen an Christian Gottlob
von Voigt" (ebd. 1868) fowie die Schrift "Ludwig
Uhland" (Bonn 1863). Unter den Früchten feiner
musikalischen Studien ist vor allem die Biographie
"W. A. Mozart" (4 Bde.; 3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1889
-91) hervorzuheben. Sonst sind zu nennen: "über
Mendelssohns Paulus" (Kiel 1842) und die kri-
tische Ausgabe des Klavierauszugs von Beethovens
"Leonore" (Lpz. 1851). Endlich veröffentlichte er
"Biogr. Aufsätze" (ebd. 1866) und "Aus der Alter-
tumswissenschaft. Populäre Aufsätze" (Bonn 1868).
Aus I.s Nachlaß gab Michaelis "Griech. Vilder-
chroniken" (Bonn 1873) heraus.
Iähns, Friedr. Wilh., Komponist und Musik-
schriftsteller, geb. 2. Jan. 1809 zu Berlin, wurde
zum Bühnensänger ausgebildet, ließ sich aber später
als Gesanglehrer und Vereinsdirigent in Berlin
nieder, wo er 1849 zum königl. Musikdirektor, 1870
zum Professor befördert wurde und 8. Aug. 1888
starb. Mehr als durch seine Kompositionen ist I.
durchseinen ausgezeichneten Weber-Katalog ("K. M.
von Weber in seinen Werken", Berl. 1871) bekannt
geworden. Neben dieser Arbeit ist noch zu erwähnen
"K. M. von Weber" (Lpz. 1873), eine kritisch-zuver-
lässige Lebensskizze. Die von I. angelegte Samm-
lung Weberscher Werke (Drucke, Manuskripte,
Skizzen, Briefe u. s. w.) ist in den Besitz der königl.
Bibliothek zu Berlin übergegangen.
Iähns, Max, preuh. Offizier und Militärschrift-
steller, geb. 18. April 1837 zu Berlin, trat 1854
in Aachen in die Armee ein, bezog 1859 die Ber-