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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johannes I. (Tzimiskes) - Johannes IV. (Laskaris)
Unglauben der Juden seine ewige Herrlichkeit allen
offenbar zu machen, die aus Gott geboren sind, sie
als ihm wahlverwandt aus der Welt an sich zu
ziehen und durch Mitteilung der wahren Erkennt-
nis zu dem schon auf Erden beginnenden ewigen
Leben zu führen. Von diesem rein ideellen Gesichts-
punkte aus ist nicht nur der geschichtliche Stoff frei
ausgewählt und gestaltet, sondern meist unter An-
knüpfung an überlieferte Aussprüche Jesu eine lange
Reihe tiefsinniger Reden komponiert; sie bewegen
sich alle um die Person Jesu als des steischgeworde-
nen Wortes, der der Weg, die Wahrheit und das
Leben sei, um seine Herabkunft vom Himmel und
seine Rückkehr zum Vater, um den Glauben der vom
^3ater ihm zum Eigentum gegebenen Jünger und
um den Unglauben der in der Finsternis beharren-
den Welt, um die bevorstehende Sendung des Geistes,
der die Seinen in alle Wahrheit leiten, die Welt aber
ihres Unglaubens überführen werde. Der ganze
Gedankenkreis erinnert an den der Apologeten
(s. Apologie) des 2. Jahrh, auf der einen, an den des
Gnosticismus (s. Gnosis) derselben Zeit auf der an-
dern Seite. Mit dieser innern Eigentümlichkeit des
Buches stimmt seine späte äußere Bezeugung (erst
seit etwa 140 n. Chr.) und der gänzliche Mangel
eines Einflusses desselben auf die dogmatische Ent-
wicklung der Kirche vor dem Ende des 2. Jahrh,
überein. Die trotz des größten Unterschiedes doch
wieder unverkennbaren Berührungen mit der Offen-
barung des I. weifen nebst andern Momenten auf
die "Johanneische" Kirche Kleinasiens als die Hei-
mat dieses Evangeliums. - Mit dem Evangelium
stehen und fallen auch die drei Johanne ischen
Briefe im Neuen Testament, die nach Stil und
Gedankengehalt demselben nahe verwandt sind.
Namentlich der erste Brief hat wahrscheinlich den-
selben Verfasser wie das Evangelium.
Das geschichtliche Verständnis des Evangeliums
und der Briefe ist erst durch Baur und seine Schü-
ler, besonders Köstlin, Zeller und Hilgenfeld, be-
gründet worden. Vgl. besonders Köstlin, Der Lehr-
begriff des Evangeliums und der Briefe des I.
(Berl. 1843); F. C. Baur, Kritische Untersuchungen
über die kanonischen Evangelien <Tüb. 1847); Hilgen-
feld, Das Evangelium und die Briefe I. (Halle 1849)
und Die Evangelien (Lpz. 1854); Schölten, Das
Evangelium nach I.; aus dem Holländischen von
H. Lang Verl. 1867); A. Thoma, Die Genesis des
Johannesevangeliums (ebd. 1882); die Werke über
das Leben Jesu von Strauß und Keim; ferner Pflei-
derer, Das Urchristentum (Berl. 1887); O. Holtz-
mann, Das Johannesevangelium (Darmst. 1888);
Weizsäcker, Das apostolische Zeitalter (2. Aufl.,
Freib. i. Br. 1889); H. Holtzmann, Handkommentar
zum Neuen Testament, Bd. 4 (ebd. 1890). Die Kom-
mentare von Lücke (über das Evangelium,'3. Aufl.,
2 Tle., Bonn 1840-43, und die Äriefe, 3. Aufl.
von Vertheau, 1856), Baumgarten-Crusius (Jena
1843-45), Düsterdieck (über die Briefe, 2 Bde.,
Gott. 1852-56), Tholuck (7. Aufl., Gotha 1857),
Huther (über die Briefe, 2. Aufl., Gott. 1861), Ewald
(2Bde., ebd. 1862), De Wette (5. Aufl. von Brückner,
1863), Hengstenberg (2. Ausg., 3 Bde., Verl. 1867
-70), Luth'ardt (2. Aufl., Nürnb. 1875), Keil (Lpz.
1881), Godet (3. Aufl., Neuchatel1885; deutsch von
Wunderlich und Schmid, Hannov. 1890 fg.), H. A.
W. Meyer (7. Aufl. von V. Weih, Gott. 1886)
huldigen noch der ältern Ansicht. Über die kirch-
lichen Legenden über I. vgl. Lipsius, Die apo-
kryphen Apostelgeschichten und Apostellegenden,
Bd. 1 (Vraunschw. 1883).
Johannes I. Tzimiskes, byzant. Kaiser
(969-76), geb. 925 in Hierapolis am Euphrat,
war mütterlicherseits ein Verwandter des Kaisers
Nikephoros II. Phokas, unter dem er sich in den
Kriegen gegen die Araber glänzend auszeichnete.
Durch kränkende Zurücksetzung erbittert, folgte I.
der Aufforderung der mit ihrem Gemahl zerfallenen
Kaiserin Theophano und ermordete mit ihrer Hilfe
in der Nacht vom 10. zum 11. Dez. 969 den Kaiser,
um dann selbst den Thron zu besteigen. Vor allem
wichtig wurde für das Reich die glänzende Abwehr
des russ. Großfürsten Swjatoslaw von Kiew, der
971 zu Silistria den Griechen unterlag, die Wieder-
gewinnung der Donaugrenze für das Byzantinische
Reich und die Wiedereroberung syr. und meso-
potam. Landschaften (974 und 975) auf Kosten der
Araber südwärts bis nach Verytos und ostwärts
bis Nisibis. Durch einen Agenten des mit ihm
verfeindeten Staatsministers Basilius vergiftet,
starb I. 10. Jan. 976 in Konstantinopel.
Johannes II. Komnenos, byzant. Kaiser
(1118-43), wegen seiner Milde unter dem Beina-
men Kalojoannes (der gute Johannes) bekannt,
geb. um 1088 als Bruder der Geschichtschreiberin
Anna Komnena (s. d.), 1104 mit der cheil.) Irene
ss. d.) vermählt, folgte 15. Aug. 1118 seinem Vater
Alerios I. als Kaiser. Als tüchtiger Heerführer und
Diplomat gewann I. den Seldschuken in Kleinasien
einen erheblichen Teil dieses Landes wieder ab, ver-
nichtete am Balkan die Petschenegen und übte nach
Ausgleichung eines gefährlichen Konflikts mit Ve-
nedig (1126) den bedeutendsten Einfluß auf Ungarn
wie auf die frank. Staaten in Syrien aus, während
er zugleich sein Reich, durch den Minister Aruchos
unterstützt, rm Innern tüchtig verwaltete. Raimund
von Antiochia mußte 1137 sein Lehnsmann werden.
Unter den Vorbereitungen zu einem großen Zuge
nach Jerusalem starb I. 8. April 1143 in Cilicien
an einer auf der Jagd erhaltenen Verwundung;
ihm folgte sein Sohn Manuel.
Johannes III. Dukas Vatatzes, Kaiser von
Nicäa und Titularkaiser von By'>anz (1222-55),
geb. 1193 in Didymoteichon in Thrazien, bestieg
als Schwiegersohn des Kaisers Theodoros I. Las-
karis nach dessen Tode (1222) den Thron von Nicäa
und zeichnete sich als Herrscher wie als Heerführer
aus. Er wurde sowohl den "Lateinern" in Kon-
stantinopel, wie den griechischen, auf den Trümmern
des alten Byzantinischen Reichs in Europa empor-
gekommenen Machthabern gefährlicb, indem er
stets den Wiederaufbau des Byzantinischen Reichs
im Auge hatte. Er gewann Thrazien und vereinigte
das Despotat der Angeli von Thessalonik 1246 mit
dem Reich von Nicäa. Nach dem Tode seiner ersten
Gemahlin, Irene Laskarina (1241), vermählte sich
I. 1244 mit Anna, der natürlichen Tochter des
Kaisers Friedrich II. Er starb 30. Okt. 1255 zu
Nympbä'on an der Küste von Bithynien.
Johannes IV. Laskaris, Kaiser von Nicäa
und Titularkaiser von Byzanz (1258-61), Sohn
des Kaisers von Nicäa, Theodoros II., wurde beim
Tode seines Vaters (24. Dez. 1258) mit 6 Jahren
auf den Thron erhoben und unter die Vormund-
schaft von Michael VIII. Paläologos gestellt, der
ihn 25. Dez. 1261 blenden ließ. Erst Michaels Sohn,
der Kaiser Andronikos II., versöhnte sich 1289 mit
ihm. Sein Todesjahr ist nicht bekannt.