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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kambodschafluß - Kambyses
s40000 Frs.), Gummi (11000 Frs.), Holz, Psesser
"Ausfuhr für ^9 000 Frs.), Kardamom, Bretter,
Bambus. Eingeführt werden: Zimmet, Seiden-
waren, Alaun und Salpeter aus China, Opium
aus Indien, Waffen, Metallwarcn, Parfümerien,
Branntwein aus Europa. Die Einfuhr hatte 1891 den
Wert von 1101219, die Ausfuhr von 310735 Frs.
1891 liefen ein: 351 Dampfer und 408 Barken.
Die cinhcimifche Münzeinheit ist der Silber-Vien
(60 Frs.); Hauptfcheidemünze ist die Kupfersapeke
(8^1 Cent.). Im Verkehr mit den Europäern gilt
der merik. Piaster (5 Frs. 40 Cent.). Hauptverkcbrs-
wege sind die Flüsse, von denen aber nur der Me-
kong das ganze Jahr schiffbar ist. Post- und Tele-
graphenwesen hat K. mit Cochiuchina gemeinsam.
Bevölkerung. Die Zahl der Bewohner beträgt
81475)7, darunter sehr viele Chinesen, Annamiten,
Malaien u. s. w. Den Hauptbestandteil lüber die
Hälfte) der einheimifchen Bevölkerung bilden die
Khmer, die auch das Königreich K. gegründet
haben. Sie haben, stammverwandt mit den Mon
und den wilden Stämmen der Sicng und Bahnar,
die plwsiscben Eigenschaften der Ostasiaten, den sog.
mongolenäbnlichen Typus. Die heutigen Kambod-
schaner sind friedlich und gelehrig, aberpblegmatiscb,
ihre Sitten einfach. Polygamie ist erlaubt (bis drei
Frauen). Das Volt zerfällt in fünf Klassen: 1) die
tönigl. Familie, die sehr zahlreich ist und Steuer-
freibeit genießt; 2) die Pre-Vong, der Adel, be-
stehend aus den Abkömmlingen der alten Könige:
3) die Vakou, die Nachkommen der alten Bradma-
nen; 4) die Buddbapricster; 5) die steucrzablenden
freien Kambodschaner. Die Sklaverei ist seit 1881
abgeschafft. Die Wohnungen werden meist an Fluß-
ufern errichtet; es sind Strohhütten auf Pfählen,
die Wände bestehen aus Bambus.
Verwaltung. An der spitze des Staates stebt
der König, ibm folgen im Range der abgedankte
König, der Erbprinz und die älteste Prinzessin. Dem
König zur Seite stehen fünf Minister. Seit 1881 stebt
die Verwaltung uuter Aufsiebt von sranz. Beamten,
deren oberster, der Oberresident, seinen Sitz in
Pnom-penh bat und dem Generalgouverneur von
Französii'ch-Indochina unterstellt ist; es steben ibm
300 sranz. Soldaten zur Verfügung. Die Ein-
nabmen fließen aus Grundsteuern l'^ der Ernte),
Frondiensten, Verpachtung von Domänen, Zöllen,
Abgaben für gewisse Culturen und für das Fällen
von Bäumen. Das Land ist eingeteilt in acht Vro-
vinzen, an deren spitze franz. Residenten oder Viee-
restdenten steben, und 33 Arrondissements. Haupt-
stadt ist seit 18<;0Pnom-penb (s. d.) mit 30-35)000 E.
Andere größere Orte sind Kampot ls. d.), der einzige
Seehafen, und Ba-nam am Me-kong, der Haupt-
handelsplatz für Ccrealien.
Kultus und Uuterricht. Staatsreligion ist der
Buddhismus, aber mit vielen Besonderheiten und
Entlehnungen aus dem Brahmanismus. Die
Mönche, Bonzen oder Talapoins genannt, haben
große Macht; ihre beiden Oberhäupter sind dem
Könige gleichgestellt. Die Feste sind sebr zablreich.
Das Christentum hat keinen Boden in K. gefunden.
Die kath. Mission zählt zwar 29 Pfarrschulen mit
1132 Schülern, ein Seminar und 4 Waisenbäuser;
aber von den 16000 Vekebrten sind nur 900 Kam-
bodschaner, die übrigen fast lauter Annamiten. Für
den Unterricht wird von Staats wegen nichts ge-
than -, cr ist in den Händen der Mönche. Die Sprache
ist monosyllabisch und gehört der ältern Schicht der
Vvockhau^' Konvcrsations-Lexikon. 14. Aufl. X.
hinterind. Zprachen an. Man recknct nach drei ver-
schiedenen 'Ären: eine religiöse, politische und bürger-
liche; letztere, die gebräuchlichste, beginnt 638 n. Chr.
Geschichte. Ein Königreich K. existierte schon
im 5. Iabrb. n. Cbr. Großartig war die Kulturent-
wicklung vom 6. bis 11. Jahrh., wie die Tempel und
Paläste beweisen. Die Inschriften (meist Sanskrit)
find für die Geschichte der Halbinsel und die Be-
ziehungen zum ind. Archipel wichtig. Doch geriet es
sür lange Zeit unter die Oberherrschaft von China,
dem es Tribut zablen mußte. l>25 war aber K. wie-
der unabbängig und unterwarf sogar Siam, das
sich aber bald wieder losriß. Vom 13. Jahrh, an
sank das Reich, und Siam und Annam stritten sich
Iabrbunderte lang um die Herrschaft. 1847 endete
dieser Kamps damit, daß 5k. beiden Tribut zahlen
mußte. AIs Frankreich sich in Cochinchina ls. d.)
festsetzte, suchte es den siamesischen Einfluß in K. zu
unterdrücken. Ein 1863 in der damaligen Hauptstadt
U-dong abgeschlossener Freundschaftsvcrtrag zwi-
schen Norodom und Frankreich wurde durch einen
gleichzeitigen Geheimvertrag mit Siam unwirksam
gemacht. Erst als ^iam 1867 das franz. Protektorat
über K. anerkannte, wofür es die ehemals zu K.
gehörenden Provinzen Battambang und Angkor
endgültig erhielt, war der franz. Einfluß gesichert.
1884 wuroe der heutige Zustand geschaffen. Ein Auf-
stand eines Bruders des Königs wurde rafch unter-
drückt. Der Versuch der Kambodschaner, den franz.-
siamesischen Streitfall 1893 zur Rückgewinnung von
Battambang und Angkor zu benutzen, mißlang.
Litteratur. Aymonier, Di^tionn^rk fian^ais-
ckindocl^n (Saigon 1878); ders., I^pi^ra^in"
1vÄmI)0!^^6nn6 (ebd. 1881); Moura, 1.0 i'0)^nmtt
<I6 (^md<xiF6 (2 Bde., Par. 1883); Voüinais und
Paulus, I.^ i'ovlnnn6 äo (^aindoä^L (ebd. 1884);
A. Vartb, 1n8ci'iption3 3lui8ci'it63 6u ^amdocl^tt
lebd. 1885); Testoin, 1^6 ('limdoäFL (Tours 1880);
Faque, I.'1uä0'('liin6 lrlln<>^i86 (Par. 1887); M>
M011'6 3UI' i'illNin-O^olo^i^ (163 (1iv6r8 P6UPI08
vi^ut ^0tl16il6M0Ut an (^m1io6^6. N6UI0ir68 (16
1l^ 80ci0t0 ä'aiitliro^oIoM (2. Serie, IV, ebd. 1893,
S. 459-535). - Vgl. aucb Cochinchina.
Kambodschafluß, s. Me kong.
Kambrick, i. Kanimertuch. ^mation.
Kambrischc Formation, s. Cambrische For-
itambryk, deutscher Name von Cambrai (s. d.).
Kamburg, meming. ^tadt, s. Caniburg.
Kambnscci <bei den Griechen; Kani bu dzhiy a
in altvers. Namensform), König der Perfer und
Meder, der Sobn des Cyrus und der Kassandane,
solgte 529 v. Cbr. seinem Vater in der Herrscbast.
5'25 macbte er einen Angriff auf Ägypten. Ein Sieg
bei Pelusium öffnete ihm das Land, er eroberte die
Hauptstadt Mempbis und nahm den König Psam-
menit gefangen. Aucb die Griechen von Kyrene und
! Barka fowie die benachbarten Libyer wurden zur
! Huldigung gezwungen. Dagegen scheiterten die wei-
tern Eroberungspläne gegen Karthago, Äthiopien
und die Oase "des Jupiter Ammon fast sämtlicb.
K.' Rücksichtslosigkeit gegenüber den ä'gypt. Kulten
> macbte ibn im Lande verhaßt; man verbreitete noch
! später über seine Trunksucht und Grausamkeit, auch
über seinen Tod die abenteuerlichsten Gerüchte. K.
starb, obne Nacbkommen zu hinterlassen, durch Selbst-
mord 5i^ auf dem Rückwege nach Persien, wo sich ein
Magier, Namens Gaumata, unter dem Namen von
des Königs Bruder Smerdis (altpcrs. Vardija), den
K. schon am Beginn seiner Regierung hatte beseitigen
5