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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karl VII. (römisch-deutscher Kaiser)
England, Holland und der Kaiser zu der Quadrupel-
allianz zusammen: die Spanier mußten nun nach
demSwrz Alberonis 1720 die Forderungen der Ver-
bündeten im Haager Frieden bewilligen, den osterr.
Besitzstand in Italien anerkennen, und K. erlangte
obendrein in einemvorteilhastenTausch vonSavoyen
die Insel Sicilien für Sardinien. (S. H istorische
Karten von Europa II, 5, Vd. 6, S.432.)
Um die Erbfolge in den osterr. Staaten ungeteilt
bei seinem Dause festzuhalten, erließ K. 19. April
1713 das Staatsgrundgesetz der Pragmatischen
Sanktion, welches die ganze Monarchie bei Mangel
männlicher Nachfolge der weiblichen Descendenz
K.s sichern sollte. Damals hatte der Kaiser nack
siebenjähriger Ebe von seiner Gemahlin Elisabeth
von Braunschweig-Wolfenbüttel nock keine Kin-
der; drei Jahre später, 13. April 1716, ward ihm
ein ^ohn geboren, der aber bald starb, und dem
nur noch Töchter folgten. Die meisten Staaten
waren anfänglich nicht gesonnen, der Pragmatischen
Sanktion ihre Zustimmung zu erteilen. Es gelang
K., 1725 zuerst Spanien zu gewinnen, dann aus
Anlaß des gegen ihn und Spanien errichteten Her-
renbauser Bündnisses (^ept. 1725) in einer Gegen-
allianz zu Wien (Aug. 1726) auch Rußland auf
seine Seite zu ziehen und durch den Vertrag von
Wusterhausen (Okt. 1726) sogar Preußen den Her-
renhausener Verbündeten abtrünnig zu machen.
Von Spanien, Rußland, Preußen erlangte der Kai-
ser dadurch die Anerkennung der Pragmatischen
Sanktion, von letzterm Staate für die Vcrbeisnmg
der Erbfolge in Berg, während Frankreicb und
England 1726 und 1727 Holland, Dänemark und
Schweden für sich gewaunen. Der Kongreß zu
Soissons brachte keine Verständigung zwischen den
beiden Parteien. Spanien trat zu Frankreich und
England über. Zu den polit. Zwistigkeiten gesellten
sich weiter auch wirtschaftliche. Die in Ostende be-
gründeteOrientalische Handelscompagnie wurdevon
dem für Hebung des Handels und der Industrie sehr
tbätigen Kaiser eifrig unterstützt, cbendadurck aber
der Neid und die Eifersucht der Seemächte, die den
Großhandel als ihr Monopol ansahen, aufgestachelt.
Die Spannung bielt mehrere Jahre an', endlich kam
es jedoch 16. März 1731 zu einem Vergleich mit
England, durch welchen dem Kaiser gegen Auf-
opferung der Handelscompagnie von Ostende nun
auck von England und Holland die Pragmatische
Sanltion garantiert wurde. Aber Frankreich blieb
gegen K. fortdauernd feindselig gesinnt und fand
in'der nach Augusts II. Tode 1733 streitig gewor-
denen Thronbesetzung in Polen einen Anlaß, den
Krieg gegen Österreich zu erneuern. Wäbrend Ruß-
land mit Österreich, das dafür den Beitritt Kursach-
sens zur Pragmatischen Sanktion erlangte, sich für
den. In dem nun beginnenden Polnischen Thron-
folgetriege trafen das osterr. Heer fortdauernde Un-
fälle. Franz. Truppen eroberten Mailand und die
ganze Lombardei bis Mantua, ein span. Heer be-
mächtigte sich Neapels und Siciliens, und am Rhein
wurden Kehl, Philippsburg und ganz Lotbringen er-
obert. Durch solche Schläge erschüttert, zeigte sich K.
bereit, im Präliminarfrieden von Wien 1735 (der de-
finitive Friede folgte erst 1738) gegen die Erwerbung
von Parma-Piacenza^sowie gegen Gewährleistung
der Pragmatischen Sanktion Und Anerkennung
Artikel, die man unter K uer
Augusts III. als Königs von Polen Neapel, Sici-
lien und einige Distrikte von Mailand zu opfem,
sowie von seiten des Deutschen Reichs ganz Lothrin-
! gen preiszugeben, das als Entschädigung für Sta-
nislaus Leszczynski bestimmt wurde und nach dessen
Tode an Frankreich fallen sollte. Nicht minder un-
glücklich kämpfte K., als er, durch Rußland bewogen,
1736 den Krieg gegen die Türken erneuerte. Öster-
reich verlor im Frieden von Belgrad (Sept. 1739)
mit Ausnabme des Banats fast sämtliche Erwer-
bungen, die es im Passarowitzer Frieden gemacht
batte. Die Regierung K.s endete auf allen Seiten
mit schwersten Verlusten. K. starb 20. Okt. 1740
und hinterlieh das Reich seiner 23jährigen Tochter
Maria Theresia. - Vgl. Schirach, Biographie
Kaiser K.s VI. (Halle 1776); P. von Radics, Kaiser
K. VI. als Staats- und Volkswirt (Innsbr. 1886);
M. Landau, Geschichte Kaiser K.s VI. als König
von Spanien (Stuttg. 1889).
Karl VII., Albrecht, römisch-deutsch er Kai-
! ser (1742-45), Kurfürst von Bayern (1726-45),
^ geb. 6. Aug. 1697 zu Brüssel, Sohn Maximilian
! Emanuels, Kurfürsten voll Bayern, damaligen
! Statthalters der span. Niederlande, war nach der
Eroberung der bayr. Lande 1704 durch Kaiser
> Joseph I. als Gefangener zuerst in Klagenfurt,
dann in Graz erzogen worden. Nach feiner Be-
freiung durcb den Rastatter Frieden machte erReisen
durch Frankreicb und Italien, führte 1717 eine bayr.
! Division in den Türkenkrieg nach Ungarn, wo er sich
! bei der Eroberung Belgrads auszeichnete, und ver-
! mahlte sich 1722 mit der jüngern Tochter Kaiser Io-
^ sephs I. Nackdcm er 1726 seinem Vater als Kurfürst
! von Bayern in der Regierung gefolgt war, erhob er
, 1731 Protest gegen die Pragmatische Sanktion (s. d.).
! Der Tod des Kaisers Karl VI. (20. Okt. 1740) bewog
! ihn, mit seinen Ansprüchen von neuem hervorzutreten
! (s. Bayern, Bd. 2, S. 569 d), gestützt auf das Vor-
gehen Friedrichs d. Gr., der in Schlesien einbrach,
sowie auf die Vundesgcnossenschast Frankreichs und
Spaniens, mit welcher letztern Macht im Mai 1741
in Nymphenburg ein Subsidienvertrag geschlossen
wurde (der sog. Nymphenburger Vertrag mit Frank-
reich ist eine Fälschung seiner Gegner). K. rückte
! mit einem franz.-bayr. Heere in Oderösterreich ein
^ (s. Österreichischer Erbfolgekrieg), nahm Linz ohne
Schwertstreich und legte sich den Titel eines Erz-
berzogs von Österreich bei, wendete sich dann nach
Böhmen, eroberte im Nov. 1741 durch einen nächt-
lichen Überfall Prag und ließ sich von den Stän-
den als König von Böhmen huldigen. Nachdem
er 24. Jan. 1742 zum röm. Kaiser gewählt war,
eilte er nach Frankfurt a. M., um sich krönen zu
lassen. Maria Theresia fand in ihrer Bedrängnis
Hilfe bei den Ungarn; die osterr. Truppen eroberten
Oberösterreich wieder, drangen weiter in Bayern
vor und besetzten München. Auch Böhmen wurde
zurückgewonnen; K. mußte nach Frankfurt fliehen.
Der kaiserl. General Seckendorff vertrieb zwar die
osterr. und ungar. Scharen aus Bayern, und K.
konnte 1743 nach München zurückkehren; bald aber
drangen die Österreicher mit verstärkter Macht aber-
mals in Bayern ein, sodasi der Kaiser im Juni
desselben Jahres seine Hauptstadt wieder verlassen
mußte. Als endlich auch seine Bundesgenossen, die
Franzosen, von Georg II. von England, dem Ver-
bündeten Maria Theresias, bei Dettingen 27. Juni
1743 geschlagen und über den Rhein gedrängt wor-
den waren, rettete ibn nur das neue Bündnis, das
mißt, sind unter C aufzusuchen. 1H^