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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kraft
F'g. 1.
I> ^ in- cp, in Worten: "K. ist gleich Masse mal
Beschleunigung." Die Lehre von den K. als be-
wegenden Ursachen heißt Dynamik (s. d.). Die Natur-
kräfte wirken im allgemeinen so, daß sie den Ab-
stand von materiellen Punkten zu verkleinern oder
zu vergrößern suchen, wobei ihre Größe meist im
umgekehrten Verhältnis der Quadrate der Entfer-
nungen jener materiellen Punkte steht. Suchen die
K. die Entfernung der Punkte zu vergrößern, so
heißen sie abstoßende; im entgegengesetzten Falle
heißen sie anziehende. Unter Richtung einer K. ver-
steht man die Richtung der durch dieselbe bestimm-
ten Beschleunigung. Angriffspunkt einer K. heißt
der Punkt, in dem sie als unmittelbar wirkend ge-
dacht wird. Wenn zwei mechanische K. p, H zugleich
nach verschiedenen Richtungen auf dieselbe Masse ni
wirken, so gehen die beiden entsprechenden Be-
wegungen, wie Galilei zuerst am Wurf erkannte,
unabhängig voneinander vor. Da nun zwei Be-
wegungen nach dem Gesetz des Parallelogramms
durch eine ersetzt werden können und die in gleich-
förmig beschleunigter Bewegung in derselben Zeit
von der Masse in zurückgelegten Wege proportional
den K. sind, so kann man von in aus (f. beistehende
Fig. 1) nach den Richtungen der K. diesen propor-
tionale gerade Linien
auftragen, über densel-
ben als Seiten ein Pa-
rallelogramm konstruie-
ren und die Diagonale i-
ziehen. Letztere ist einer
K., die p und ^ zu er-
setzen vermag, proportional und der Richtung nach
gleich. Diese von Newton zuerst allgemeiner an-
gewandte Konstruktion nennt man das Kräfte-
parallelogramm, p, <i heißen die Komponen-
ten, i- die Resultierende. Das Gegenstück zu
der angegebenen Zusammensetzung ist die Zerlegung
der K. oder die Ersetzung einer K. durch mehrere,
die so vielfach vorgenommen werden kann, als sich
Parallelogramme über einer Geraden als Diago-
nale konstruieren lassen. In dem besondern Fall,
daß die Komponenten in einer Geraden liegen, ist
ihre Resultierende, je nach Gleichheit oder Gegen-
satz der Richtungen, die Summe oder Differenz der
Komponenten.
Wenn zwei K. an verschiedenen Punkten desselben
starren Körpers angreifen, so kann man dieselben,
falls sich ihre Richtungen
schneiden, in dem Durck-
schnittspunkt derselben an-
greifend denken und die Pa-
rallelkonstruktion anwenden.
Dieselbe kann nicht unmittel-
bar angewandt werden bei
Parallelkräften, doch findet
man durch geometr. Kunst-
griffe, daß die Resultierende
zweier Parallelkräfte p, (i (Fig. 2), welche an
den Punkten a d desselben starren Körpers an-
greifen, der Summe derselben gleich ist und in
einem Punkte c der Verbindungslinie 2. d angreift,
der so liegt, daß v-^-. (S.Schwerpunkt.) Bei ent-
gegengesetzten parallelen K. p, y (Fig. 3) ist die
Resultierende gleich der Differenz p - h, ihre Rick-
tung entspricht der Richtung der größeren K., und
der Angriffspunkt c liegt außerhalb ad auf der
Verbindungslinie auf der Seite der gröhcrn K. so,
!^5
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I
5'g. 2.
daß- ^^-.
ad ^-ci
gesetzte K. können nicht durch eine Resultierende er-
setzt werden, sie stellen ein sog. Kräftepaar dar,
das eine Drehung des ^
Körpers und keine ^ ,
Zwei gleiche pararallele cntgegen-
Fortschreitung bewirkt.
Poinsot hat gezeigt, !.o-?
daß Kräftepaare ähn- !
lich wie K. nach dem ^
Parallelogrammprin -
cip zusammengesetzt F^. I.
werden können. Die
Größe dieser Drehwirkung wird durch das sog. Mo-
ment des Kräftepaars gemessen, d. h. durch das Pro-
dukt aus der einen K. in den senkrechten Abstand
der beiden K. Man spricht von "Unzerstörbarkeit
der K.", von "Erhaltung der K.". Diese unpassen-
den Ausdrücke werden allmählich durch den zutref-
fendem "Erhaltung der Energie" (f. Energie) ersetzt.
Durch jede K. kann Arbeit (s. d.) geleistet werden.
Bei statischen Bauwerken werden die in den einzeln
nen Konstruktionsteilen auftretenden Zug- und
Druckkräfte durch die Methoden der Graphostatit
(s. d.) bestimmt.
FürIndustrie und Verkehrswesen ist dic K.
das Mittel zur Erzeugung nutzbringender mcchan.
Arbeit. Die billige Beschaffung, ökonomische Aus-
nutzung, zweckmäßige Fortleitung und Verteilung
der K/ist eine Hauptaufgabe der Technik, speciell
des Maschinenbaues, der mechan. Technologie und
des Transportwesens. Zunächst besitzen die sog.
belebten oder animalischen Motoren, der Mensch
selbst und die Tiere, die er sich zur Arbeitsleistung
heranzieht, in den Muskeln einen sich beständig
erneuernden Kraftvorrat. Über die Leistung der be-
lebten Motoren s. Arbeit (Bd. 1, S. 809 d). Wäh-
rend jedoch die Tiere nur zu monotonen Arbeiten^
wie zum Ziehen von Fuhrwerken, Pflügen u. dgl.,,
sowie mittels Göpel und Tretwerken zur Hervor-
bringung einer gleichmäßigen Drehbewegung zu ge-
brauchen sind, besitzt der Mensch vermöge seines aus-
gebildetern Intellekts und seiner ungemein zweck-
mäßig gebauten Arme und Hände die Fähigkeit zur
Vollbringung der kompliziertesten und kunstvollsten
Arbeiten. Für große Kraftleistungen verstand er es>
frühzeitig, durch Erfindung von Werkzeugen, denen
das Princip der sog. einfachen Maschinen Zu Grunde
liegt, seine Muskelkraft zu vergrößern. Schwere
Arbeiten wurden im Altertum (und bei vielen
Naturvölkern noch jetzt) von Sklaven oder Gefan-
genen verrichtet, wogegen heute die hochentwickelte
Technik der civilisierten Voller es ermöglicht, in um-
sassendster Weise zu solchen Leistungen die Natur-
kräste heranzuziehen. Dieselben werden der In-
dustrie durch dieKraftmaschinen oder M o toren
(s.d.) dienstbar gemacht und durch die verschiedenen.
Arten der Kraftübertragung (s.d.) auf die eigentlichen
Arbeitsmaschinen übertragen, die ihrerseits nur
eine geringe, wenig anstrengende "Bedienung" durch
Menschenhand erfordern. Die Art und Weife, wie
diese Naturkräfte ihre Arbeitsfähigkeit (Energie)
an den Motor abgeben, ist mehr oder weniger
direkt. Am unmittelbarsten geschieht die Abgabe
der Wind- und Wasserkraft. Der Wind überträgt
seine kinetische Energie direkt auf die Flügel oder
schaufeln der Windmotoren. Bei den Wassermotoren
wird die kinetische Energie des fließenden oder die
potentielle des von einer Truckhöhe herabsinkenden
Artikcl, die man untcr K vermißt, sind untcr C aufzusuchen.