Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

694
Krapotkin - Krasicki
ort K. (Wien 1868); Rak, Das Mineralbad K. (ebd.
1876); Weingerl,DerThermal-KurortK. (ebd. 1889).
Krapotkin, richtiger Kropotkin, Peter Alere-
jewitsch, Fürst, russ. Geograph und Revolutionär,
geb. 9. Dez. 1842 in Moskau, aus einem der älte-
sten russ. Adelsgeschlechter, diente 1862-67 als
Offizier bei den Amurkosaken, wobei er zugleich die
Amurländer und den Norden der Mandschurei be-
reiste. Nach der Rückkehr studierte er in Petersburg
die mathem. Wissenschaften und ward Sekretär der
dortigen Geographischen Gesellschaft, in deren "^H-
piäki" seine Reiseberichte erschienen waren. 1871
erforschte er im Auftrage derselben Gesellschaft die
Gletscher in Finland und Schweden und veröffent-
lichte darüber "Forschungen über die Gletscher-
periode" (russisch, Bd. 1, Petersb. 1876, hg. von
seinem Bruder Fürst Alexander Alerejewitsch K.).
Später lieferte er zu Reclus' "6603rHpdi6 uni-
V6I-36116" den Abschnitt über Rußland. 1872 machte
K. eine Reise nach Belgien und die Schweiz, lernte
dabei den Socialismus und die Internationale
kennen und ward ein eifriger Anhänger derfelben.
Nach der Rückkehr nahm er an den Bestrebungen
der Nihilisten teil und hielt unter dem Namen Bo-
rodin geheime Konferenzen mit Arbeitern. 1874 ver-
haftet, ward er in die Peter-Pauls-Festung, später
ins Gefängnis des Militärhospitals in Petersburg
gebracht, von wo er im Juli 1876 nach England
floh. 1877 begab er sich in die Schweiz, redigierte
in Genf die Zeitung "I^a Hövoits", ward 1881 aus
der Schweiz ausgewiesen, 1883 in Lyon zu fünf
Jahren Gefängnis verurteilt, aber im Jan. 1886
begnadigt. K. lebt feitdem in London. Er fchrieb
noch: "?ai-oi68 ä'un r6V0lt6" (Par. 1885), "In
Nu33ian and ^reneli prigonZ" (Lond. 1887) und
"^ 1a r6cti6i'c1i6 äu Min" (Par. 1892); "IIn 8i6ci6
ä'a.tt6ut6,1789-1889. kudlickttioiiL äeiallsvoitL"
(ebd. 1893).
Krapp (frz. Zai-ancs), die in der Färberei früher
in großem Maßstabe gebrauchte Wurzel der Färber-
röte (s. d.), die in Südfrankreich, Syrien, Kleinasien,
der Insel Cypern und Griechenland, in Holland und
einigen Gegenden Deutschlands (im Elsaß, in Baden
und in der bayr. Pfalz) angebaut wurde und zum
Teil noch wird, deren Kultur jedoch seit 20 Jahren
in steter Abnahme begriffen ist. Da die Mittelschicht
der Unterrinde nebst dem Holze der Hauptsitz der
färbenden Materie ist, fo fucht man bei den bessern
Handelssorten die obern Teile nebst den Faserwurzeln
möglichst zu entfernen und bringt letztere als Abfall-
produkt unter der Bezeichnung Mull kr app in den
Handel. Die gereinigten Wurzeln liefern gemahlen
den beraubten lgefchälten) K., während zum un-
beraubten oder gemeinen K. die Wurzeln unge-
schält gemahlen werden. Der K. enthält den färben-
den Stoff nicht fertig gebildet, sondern in Form
einer eigentümlichen Säure, der Ruberythrin-
säure, die erst durch Einwirkung von Fermenten,
Säuren oder Alkalien die beiden Farbstoffe Ali-
zarin (türk. Alizari) und Purpurin liefert. Handels-
sorten sind der levantinische, holländische oder
Seeländer, sranzösische oder Avignon- und
Elsässer K. Man benutzt den K. beim Färben und
Drucken baumwollener Waren, wobei er bei ver-
schiedenen Konzentrationen und mit Anwendung ver-
schiedener Beizen (Thonerde-, Zinn- und Eisenbeize)
alle Nuancen von Rosa bis Schwarzrot, alle vio-
letten und viele braune Nuancen zu färben erlaubt, !
ferner in der Türkischrotfärberei und auch zur Dar- !
Artikel, die man unter K verm
stellung von Krapplacken, d.h. von Niederschlä-
gen, die man in Krappabkochungen durch Alaun und
Soda erhält und denen häusig noch Zusätze von
Cochenille und Fernambuk gemacht werden. Krapp-
präparate, die aus K. dargestellt die Krappfarb-
stoffe in konzentrierter Form enthalten, kommen als
Garancin, Krappblumen (Ü6ur8 äs ssai-anck),
Krappertrakt, Azale, Colorin in den Handel.
Die Produktion von K. hat seit der Entdeckung des
künstlichen Alizarins (s. d.) ganz erheblich nachge-
lassen und nur technisch veraltete Färbereien oe-
dienen sich desselben. Deutschlands Einfuhr betrug
1892: 2147 Doppelcentner im Werte von 68 M. der
Doppelcentner, die Ausfuhr 1898 Doppelcentner.
Krappblumen, f. Krapp.
Krappe, architektonische Verzierung, s. Krabbe.
Krappelfasfung, s. ^ Mir.
Krappextrakt, Krappfarbstoffe, s. Krapp.
Krappitz, Stadt im preuß. Reg.-Bez. und Kreis
Oppeln, an der Mündung der Hotzenipivtz in die
Oder, in 163 ui Höhe, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Oppeln) und Steueramtes, hat (1890)
2656 E., darunter 219 Evangelische und 35 Israe-
liten,Post, Telegraph, Fernsprechverbindung, Reste
der alten Stadtmauer, massive Oderbrücke, evang.
und kath. Kirche, altes Schloß mit Gut des Grafen
Haugwitz, Kranken- und Armenhaus, Vorschuh-
verein, Sparkasse; Smyrna- und Perser-Teppich-
sabrik, Dampfmühlen, Sägewerk und Ziegeleien,
Kalksteinbrüche und -Öfen fowie Schiffahrt.
Krappkohle, f. Garancin.
Krapplacke, f. Krapp. ^
Krappmaschine, eine mechan. Einrichtung zum
Reinigen wollener und halbwollener Gewebe, in der
das Gewebe nach dem Durchzug durch die in einem
Troge befindliche heiße alkalische Waschlauge auf die
Nnterwalze eines über dem Trog gelagerten Preß-
walzenpaares aufgewickelt und nach erfolgter Be-
lastung durch die Oberwalze wieder abgewunden
wird, um in einem folgenden Trog mit Preßwalzen-
paar derfelben Behandlung nochmals zu unterliegen.
Krafenlehre, f. Blutkrankheit.
Krasicki (spr. -sttzki), Ignacy, poln. Dichter und
Schriftsteller, geb. 3. Febr. 1735 zu Dubiecko im
Sanokfchen, wurde, nachdem er eine Zeit lang in
Rom verweilt hatte, Kanoniker in Lemberg und
1767 Fürstbischof von Ermland. Als sein Bistum
1772 an Preußen fiel, zog ihn Friedrich II. öfters
an feinen Hof. 1795 wurde er Erzbifchof von Gnefen
und starb 14. März 1801 zu Berlin; sein Leichnam
ward 1829 im Dom zu Gnesen beigesetzt. Meister der
Sprache und Form, geistreich und witzig, leistete K.
das Hervorragendste im satirisch-didaktischen Genre:
"Nong.c1i0in3.clii3." ("Der Mönchekrieg", 1778,
deutsch von Winklewski, Verl. 1870), ein komisches
Epos, gerichtet gegen die Völlerei und Unwissenheit
der Mönche; die "^utinionaciwinacliia." (1780)
sollte den erregten Groll der Geistlichkeit beschwich-
tigen; "N^826iäo8 pisLui X" ("Die Mäuseade",
Warsch. 1778; deutsch ebd. 1790), heroisch-komi-
sches Tiergedicht mit versteckten Anspielungen aus
Polen; "Lat^r^" (ebd. 1779), gegen alle zeitgenös-
sischen Laster und Thorheiten; "Lg^ki i?i-2^0-
^i68ci" (Fabeln und Parabeln, ebd. 1779), die zu
einem Hausschatz geworden sind, epigrammatisch
kurze und witzige fabeln, oft von eigener Erfin-
dung. In Prosa gehören hierher der Roman "Niko-
t^3.1)08^iHäc2M8ki630 pr^paäki" (Warsch.1776),
das Los eines jungen Brausewind und seine Wand-
ißt, sind unter C aufzusuchen.