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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kupfer
ofen), bei der andern außerhalb desselben erfolgt,
d. h. bei Schachtöfen der ersten Art verbleibt der Roh-
stein nach Abscheidung aus dem tropfbarstüssigen
Gemenge von Stein und Schlacke im Ofen, die
Schlacke stießt aus dem Schmelzraum ab und der
Stein wird von Zeit zu Zeit abgestochen. Bei der
zweiten Art Schachtofen fließen Stein und Schlacke
gemeinschaftlich aus dem Ofen in große Vortiegel,
sondern sich dort nach dem specifischen Gewicht, die
oben schwimmende Schlacke fließt in eiserne Tiegel,
während sich der Stein im Vortiegel ansammelt und,
nachdem er diesen angefüllt hat, abgestochen wird.
3) Konzentrieren oder Spuren des Roh-
st eins. Der Rohstein durchläuft behufs weiterer An-
reicherung des Kupfergehaltes denselben Prozeß noch
einmal, dem das Roherz unterworfen wurde. Man
röstet ihn in Kilns oder Flammöfen, um einen Teil
des Schwefels zu verstüchtigen und fremde Metalle
durch Oxydation auf Verschlackung vorzubereiten.
Auf den meisten Werken wird die beim Rösten des
Rohsteins cntweichende schweflige Säure aufgefangen
und <n Schwefelsäure übergeführt. Dabei wird der
Röstprozeh derart geleitet, daß noch alles K. und ein
kleiner Teil des Eisens an Schwesel gebunden bleibt.
Durch das Schmelzen unter Zusatz saurer Schlacken
(Konzentrationsschmelze) geht das Eisenoxyd
größtenteils in die Schlacken über, und der Stein
wird kupferreicher (Konzentrations st ei n). Durch
Wiederholung der Konzentrationsschmelze (Spuren
oder Doublieren) erhält man einen noch mehr
haltigen und reinen Stein (Spur st ein). Dieser
wird entweder gleichzeitig mit der Schlacke oder für
sich allein aus dem Flammofen abgestochen, die
Schlacke im letztern Falle durch die Arbeitsöffnung
mittels Abziehen mit eisernen Krücken entfernt.
4) Schwarzkupferschmelzen. Der Konzentra-
tions- bez. Spurstein wird in Röstflammöfen stark
erhitzt, damit man nach Entfernung von Arsen und
Antimon hauptsächlich nur Metalloxyde, vor allem
Kupferoxyd und Eisenoxyd und -Oxydul, neben ge-
ringen Mengen von Sulfaten erhält. Darauf wird
er in Flammöfen unter entsprechendem Zusatz von
Kohlenpulver eingeschmolzen. Die Kohle reduziert
die Oxyde zu Metall, und es entsteht, je nach der Kon-
zentration des Spursteins ein mehr oder weniger
mit fremden Metallen verunreinigtes K. und neben-
bei infolge eines Schwefelgehaltes des Röstgutes
eine geringe Menge reicher Kupferstein, Dünn-
stein, der wie Roh- oder Spurstein weiter verarbeitet
wird. Das Schwarzkupfer(Rohkupfer) ist ein
blasiges, brüchiges Metall, das zur Gewinnung von
reinem K. dem
5) Garmachen, Raffinieren oder Splei-
ßen unterworfen wird. Durch ein oxydierendes
Schmelzen sucht man die immer noch nicht ganz
entfernten fremden Beimengungen zu verflüchtigen
oder zu verschlacken; hierbei oxydiert sich auch ein
Teil des K. zu Kupferoxydul. Dieses mengt sich mit
dem flüssigen K. und giebt seinen Sauerstoff an
andere Metalle ab, die als Oxyde (Garschlacke, Gar-
gekrätz) an die Oberfläche gelangen. Insbesondere
wirtt das Kupferoxydul auf den Schwefel oxydierend
ein. Durch die hierbei sich entwickelnde schweflige
Säure wird ein Kochen (Braten) des Metallbades
hervorgebracht, und Tausende kleiner Kügelchen
werden gegen das Ofengewölbe gespritzt (Sprühen
oder Spratzen). Es wird fortwährend Luft zuge-
blasen, um immer von neuem Kupferoxydul zu bil-
den und mit diesem Schwesel in schweflige Säure
zu verwandeln und als solche zu verstüchtigen. Ist
der letzte Rest von Schwefel verbrannt, so ist das
K. rohgar, es ist stark kupferoxydulhaltig, führt
aber immer noch etwas Schwefel und zwar als
schweflige Säure, die von dem geschmolzenen K. ab-
sorbiert wurde. Um auch diese zu entfernen und das
Kupferoxydul zu reduzieren, wird dich tgepolt, in-
dem starke Stangen frischen Holzes durch die Ar-
beitsöffnung in das flüssige Metallbad eingedrückt
werden. Ein heftiges Aufwallen des letztern entsteht
hierdurch; das erst Wasserdampf, dann reduzierende
Gase entwickelnde verbrennende Holz verursacht die-
ses Kochen, schweflige Säure wird mechanisch fort-
getrieben und Kupferoxydul zu K. reduziert. Pro-
ben, die vor dem Polen blasig waren, werden sehr
bald dichter und zeigen würfeligen Bruch bei dunkel-
roter Oberstäche. Mit fortschreitendem Polen ver-
schwindet auch der würfelige Bruch und die dunkel-
rote Farbe, bis mit dem erreichten höchsten Grade
der Dichte ersterer feinkörnig wird und die dunkel-
rote von Kupfcroxydul herrührende Färbung all-
mählich ins Ziegelrote übergeht.
Ist dieses Ziel erreicht, so muß das Metallbad
für das Ausschöpfen wieder erhitzt werden. Zu
diesem Zwecke werden Holzkohlen auf das flüssige K.
gestreut und alle luftzuführenden Öffnungen, auch
die Arbeitsthür, geschlossen. Nachdem das K. die
zum Ausschöpfen erforderliche Temperatur aufs neue
erlangt hat, wird vor dem Schöpfen noch eine kurze
Zeit gepolt, um die letzten Spuren von Kupferoxy-
dul zu entfernen. Während dieses Polens (Zäh-
polens) wird der Erfolg durch fortwährendes
Probenehmen kontrolliert. Ein Zuwenig würde
ebenso schädlich wirken als ein Zuviel, da weder ein
oxydulhaltiges Metall, noch ein üb erpolt es, d.h.
ein solches, das Kohlenoxydgas absorbiert hat, taug-
lich zu weiterer Verarbeitung wäre. Der Prozeß
des Rafsinierens ist beendet, wenn eine Bruchprobe
die charakteristische Kupferfarbe bei feinkörnigem
und seidenartig glänzendem Bruche zeigt. Das K.
wird ausgeschöpft und in Barren oder auch große
viereckige Blöcke gegossen, letzteres besonders dann,
wenn das bis zur Rotglut abgekühlte K. sofort bis
auf eine gewisse Stärke ausgewalzt werden soll.
Das Garen oder Raffinieren geschah früher in
Garherden, jetzt wird es meist in Flammöfen vor-
genommen. Die Garherde sind kleine tiegel-
formig aus Gestübbe geschlagene Herde, in die ähn-
lich wie bei Frischseuern (s. Eisenerzeugung, Bd. 5,
S. 926a) Luft eingeblasen werden kann. Das
Schwarzkupfer wird zwischen Holzkohlen im Garherd
in Fluß gebracht und nun durch Verschlacken und
Verblasen entweder bis zu völliger Feinheit (Ham-
mergare) oder nur bis zur übergare gebracht,
also im letztern Falle ein kupseroxydulyaltiges K. ge-
wonnen. Das Probenehmen zur Kontrolle des Pro-
zesses geschieht nicht wie beim Raffinieren in Flamm-
ösen vermittelst eines eisernen Löffels (Schöps -
probe), sondern durch Eintauchen eines kalten
eisernen Stabes (Gareisen). An diesem setzt sich
etwas K. (derGarspan) an, der abgeschlagen und
auf Bruch- und Schmiedbarkeit geprüft wird. Das
Entleeren des Garherdes geschieht meist durch das
sog. Scheibenreißen oder Scheibenabheben.
Es wird Wasser auf das flüssige K. gegossen und
zwar gerade nur so viel, als genügt, die Oberfläche
des Metallbades in einer dünnen Schicht zum Er-
starren zu bringen. Es entsteht eine Scheibe festes
K. (Scheibenkupfer, Rosettenkupfer), diese
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.