Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lacrimosa - Lactarius
Malvasiere, aber erst im dritten Ncmge der "Thrä-
nen". Was in Neapel und Umgegend als I.. (?.
verabreicht wird, sind weiße und rote Vollweine von
den Ufern des Avernersees sowie von den Hügeln
des Dorfes Sta. Maria di Capua. Im ganzen südl.
Italien wird die Lacrimatraube vielfach angebaut.
Lacrimosa, der 208. Planetoid.
Lacroix (spr. -kröä), Paul, franz. Schriftsteller,
bekannt unter dem Namen Bibliophile Jacob,
geb. 27. Febr. 1806 in Paris, verdankt seinen
Ruf zunächst einer langen Reihe von Romanen,
die meist reich an eingestreuten gelehrten Notizen
sind. Ferner lieferte er eine Anzahl Ausgaben
älterer franz. Litteraturwerke, zahlreiche geschicht-
liche und archäol.-litterar. Arbeiten, darunter "IÜ3-
toii-6 äu XVI° 8iscls sn Francs" (Par. 1834-35),
"Hiätoirs äs 1a villo äs 8oi88(M8" (hg. mit H.
Martin, 2 Bde., Eoissons 1837-38), "1.6 mo^sn
^<3 L^ 19. Il6N3.i88anc6)) (hg. mit F. Segre, 5 Bde.,
Par. 1847-52), "Ili^oirs Politikus, Hiiscäotilius
et populairs äs Napoleon III" (4 Bde., 1853) und
"Hi8t0ir6 äs Ia vis st äu rs^ns äs Mcolk8 I"'"
(Bd. 1 - 8, 1864-75). Auch war er unter dem
Pseudonym Pierre Dufour einer von den drei
Verfassern der "Histoirs äs la. pr08titution, cksx
t0U3 168 P6UP168 äu nionäs" (6 Bde., 1851 - 54,
mit Kupfern). L. war seit 1855 Konservator an der
Bibliothek des Arsenals und starb 16. Okt. 1884 zu
Paris. Von seinen Werken sind noch zu erwähnen:
"1.03 K1't3 HU mo^sn 9.F6 st 3. 1'spOHUS äs 1a. Ils-
nai883,ncs" (1868), "Vis luilitairs st rsIiZis^s "
(1872), "1.63 8cisncs8 st 1s81sttrs3" (1877), "1.6 äix-
linitisms 8iscls; in8tituti0N8, U8HZ68 st co8turns8"
(1874), "1,6 äix-86ptism6 8isc1s" (1879-81) u. s. W.
Sein jüngerer Bruder, Jules L., geb. 7. Mai
1809 zu Paris, ist Verfasser vieler Romane. Auch
hat man von ihm einen Band Gedichte: "1.68 psr-
vsncks3" (1838), zwei Dramen in Versen, Über-
setzungen griech. und lat. Dichter und eins Samm-
lung von patriotischen Sonetten: "I.'Hnnss in-
Hins" (1872). Er starb 10. Nov. 1887 in Paris.
Lacroix (spr. -kröa), Sylvestre Francois, Mathe-
matiker, geb. 1765 zu Paris, Schüler von Monge,
war erst Lehrer der Mathematik in Rochefort, dann
in Paris, wurde 1788 Professor an der Artilleric-
schule zu Vesancon, 1794 Professor an der Normal-
schule in Paris,'i799 an der Polytechnischen Schule,
später an der Universität und 1815 auch am lüoiis^s
äs Granes. 1821 legte er seine meisten Amter nie-
der. Schon 1787 hatte er einen Preis von der
Akademie der Wissenschaften erhalten; 1799 wurde
er Mitglied des Instituts. Er starb 24. Mai 1843.
Außer Zahlreichen " ^Isnwir^ " sind von seinen
Werken zu nennen der "Iraits än calcui äiitsrsii-
tisi st äu calcui intsFi-g.1" (2 Bde., Par. 1797;
2. Aufl., 3 Bde., 1810-19; deutsch von Vethke,
Verl. 1817); ferner der "l^oni^ äs3 NHt^6inI.tiHU68"
(9 Bde., Par. 1797-1816), der viele Auflagen er-
lebte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde.
Lacroma, dalmatin. Insel (^ hkm, 77 E.), zu
der Vezirkshauptmannschast und dem Gerichtsbezirk
Ragusa gehörig, südlich von Ragusa mit subtropi-
scher Vegetation, kaiserl. Schloß und der Ruine
eines Ende des 18. Jahrh, verlassenen Benedik-
tincrklosters. L. dankt seine Verschönerung dem Erz-
herzog Maximilian, nachmaligen Kaiser von Mexiko,
der Schloß und Park renovierte. Später kam L.
in den Besitz des Kronprinzen Rudolf, nach dessen
Tode sie der Kaiser den Dominikanern schenkte. -
Vgl. Kronprinzessin-Witwe Stephanie, Lacroma.
Mit Illustrationen nach Originalen von A. Perko
(Wien 1892).
La Crosse (spr. kroß), Hauptstadt des County
L. C. im nordamerik. Staate Wisconsin, an der
Mündung des L. C. und Vlack-River in den Mis-
sissippi, Eisenbahnknotenpunkt, hat (1890) 25 090 E.
(gegen 14505 im I. 1880), bedeutenden Holzhandel
und Sägemühlen, Getreidehandel, Mehlmühlen
sowie Brauerei, Fabrikation von Wagen, Seife,
Leinsamenöl und Strumpfwaren.
Lacroyere (spr.-kröaiähr), Delisle de, Astro-
nom, s. Delisle, Guillaume.
I.a.0 snitüris llat.), Schwefelmilch (s. d.).
Lact..., s. Lakt....
Lactantius, Lucius Cölius Firmianus, lat.
Kirchenschriftsteller des 4. Jahrh., stammte aus Ita-
lien, war Lehrer der Beredsamkeit in Nikomedien
und wurde 308 in Gallien Lehrer von Konstantins
d. Gr. Sohn Crispus. Das Jahr seines Todes ist
unbestimmt. Er gehört mitMinuciusFelix(s.d.) und
Arnobius (s. d.) zu den sogenannten christl. Popular-
philosophen. Seines vollendeten Stils wegen heißt
er der christl. Cicero. Sein berühmtestes Werk sind
die zu apologetischen Zwecken geschriebenen "In8ti-
Wtions8 äivinas". In der Schrift "Vs uiortiduz
psr8scut0ruN" schildert L. die schreckliche Todesart
der die Christen verfolgenden Kaiser als göttliches
Strafgericht. Doch wird ihre Echtheit neuerdings
bestritten. Ausgaben von Vünemann (Lpz. 1739),
Dufresnoy (2 Bde., Par. 1748), Fritzsche in Gers-
dorfs "Lidliotksc". Mtrum sccis^a^ticoruin la-
tinornin" (2 Bde., Lpz. 1842-44) und Brandt
und Laubmann im "^0rpu8 8clipt0ruin sccis^H-
äticoi'uin latworum", Bd. 19 u. 27 (Wien 1890-
93). - Vgl. Brandt, über das Leben des L. (Wien
1890); ders., über die Entstehungsverhältnisse der
Prosaschriften des L. und des Buches vs mortiduä
psr8scut0i'ui!i (ebd. 1891).
I"a.ota.riu8 F>., Milchpilz, Pilzgattung aus
der Familie der Hymenomyceten (s. d.), meist an-
sehnliche, auf der Erde wachsende Pilze mit weißen
Sporen. Die Lamellen laufen ziemlich weit an dem
fleischigen, anfangs vollen, später oft hohlen Stielo
herab. Wird irgend ein Stück von dem Fruchtkör-
per abgebrochen, so dringt sofort aus der Bruch-
stäche reichlich rötlicher oder weißer Milchsaft her-
vor, bei einigen Arten ist derselbe von süßlichem
und mildem Geschmack, bei andern dagegen ist er
scharf und brennend. Häufig verändert sich seine
Farbe allmählich an der Luft, bei vielen Arten mit
weißem Milchsaft wird sie bald gelblich oder grün-
lich. Mehrere Arten gehören zu den eßbaren Pilzen,
viele sind zwar unschädlich, werden aber nicht ge-
gessen; nur wenige sind giftig.
Einer der bekanntesten und besten Speisepilze, der
echte Reizker, Rohling oder Rietschling (I..
äs1ici03U8 F>., s.Tafel: Pilze I: Eßbare Pilze,
Fig. 6) enthält lebhaft gefärbten Milchsaft. Sosort
nach dem Zerbrechen oder Zerschneiden tritt eine
orangegelbe oder rote Milch hervor und das Fleisch
des Hutes laust bald etwas grünlich an. Der Hut
wird bis zu 10 cm breit und ist gewöhnlich etwas
trichterförmig in der Mitte vertieft. Er zeigt meist
eins ziegelrote Färbung und abwechselnd hellere und
dunklere konzentrische Ringe. Bei feuchter Witte-
rung fühlt sich der ganze Ailz schmierig an. Er ist
in Deutschland allgemein verbreitet und kommt
hauptsächlich in Nadelholzwäldern im Sommer und