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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lamormain - Lampen
von Musaia 1840 MM Vrigadegeneral und Gouver-
neur der Provinz Oran empor. L. kämpfte ruhmvoll
1842 bei Mascara, 1844 am Isly und wurde, nach-
dem er bereits 1845 interimistischer Generalgouver-
neur von Algerien gewesen war, 1846 zum General-
lieutenant ernannt. Schon 1846 war er Zum Ab-
geordneten gewählt worden und noch in demselben
Jahre kehrte er wieder nach Algerien zurück und
organisierte die Expedition, die endlich 22. Dez. 1847
Abo el-Kader zur Ergebung zwang. BeiderFebruar-
revolution von 1848 proklamierte er, seit 24. Febr.
Militärgouverneur von Paris, die Thronentsagung
König Ludwig Philipps und die Regentschaft der
Herzogin von Orleans, um dem Kampfe Einhalt zu
thun. Bei dem Iuniaufstand stellte er sich Cavaignac
zur Verfügung und half die Insurrektion nieder-
schlagen. Vom 28. Juni bis zum 28. Dez. war er
dann Kriegsminister; bei Cavaignacs Rücktritt legte
auch er seine Stelle nieder, ging aber 13. Juli 1849
als außerordentlicher Gesandter nach Petersburg.
Nach seiner Rückkehr im November zum Vicepräsi-
denten der Gesetzgebenden Kammer gewählt, be-
kämpfte er die Bestrebungen Ludwig Napoleons und
wurde beim Staatsstreich in der Nacht vom 2. Dez.
1851 verhaftet und über die Grenze gebracht. Er
verweigerte durch einen berühmt gewordenen Brief
den Eid auf die neue Verfassung und lebte abwechselnd
in Deutschland, England und Belgien bis 1857,
wo er die Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich
erhielt. Am 9. April 1860 ließ er sich bestimmen, den
Oberbefehl über die päpstl. Armee zu übernehmen.
Bei Castelfidardo (s. d.) 18. Sept. durch General
Cialdini besiegt, zog er sich, nachdem er 29. Sept.
die Festung Äncona hatte übergeben müssen, wieder
nach Frankreich in das Privatleben zurück und starb
11. Sept. 1865 auf seinem Schlosse Prouzel bei
Amiens. L. wurde in Nantes beerdigt und ihm in
der dortigen Kathedrale 29. Okt. 1879 ein pracht-
volles Grabmal errichtet. - Vgl. Pougeois, 1^6
F6N6i-a1 ä6 I.. (Par. 1866); Keller, 1.6 ^nerai äs
Ii., 83. vis müt^ire, politihuk 6t l6iiFi6U36 (2 Bde.,
ebd. 1873; 3. Aufl. 1891).
Lamormain (spr. -mang), Wilh.Germain, eigent-
lich Lamormaini, häufig verdreht in Lamm er-
mann, Jesuit, geb. 29. Dez. 1570 zu La Moire
Mennie (woher sein Name) in der Nähe von Luxem-
burg, wurde 1624 Beichtvater Kaiser Ferdinands II.,
über den er die größte Gewissensherrschaft ausübte.
Er trieb ihn zu der harten Unterdrückung der Pro-
testanten in den Erblanden und war später ein
eifriger Gegner Wallensteins. L. starb 22. Febr.
1648 zu Wien. Er schrieb "I^läiuanäi II. virwt68"
(Antw. 1638). Die "Korrespondenz Kaiser Ferdi-
nands II. und seiner erlauchten Familie mit ?. Be-
canus und ?. Lamormaini, kaiserl. Beichtvätern"
(Wien 1877), gab Dudik heraus.
Lamothe, de (spr. -mott), franz. Publizist,
s. Girardin, Emile de.
Lamothe (spr. -mott), Ieanne de Saint-Remy,
Gräsin von, geb. 22. Juli 1756 zu Fontette in der
Champagne, die Hauptperson in der berüchtigten
Halsbandgeschichte (s. d.). Die Marquise von Bou-
lainvilliers nahm sich in Paris des Kindes an und
ließ es erziehen. Später heiratete Ieanne den Grafen
L., einen mittellosen Abenteurer, mit dem sie 1780
nach der Hauptstadt ging; bald darauf lernte sie den
Kardinal Prinzen Rohan (s. d.) kennen, der damals
unglücklich über den Verlust der Gnade der Königin
war. Dies benutzte die L. zu dem unerhörten Ve-
truge der Halsbandgeschichte. Am 18. Aug. 1785
wurde sie gefangen genommen und 31. Mai 1786
vom Parlament zu Paris zum Staupbesen, zur
Brandmarkung auf beiden Schultern und lebens-
länglichen Einsperrung verurteilt. Am 5. Juni 1787
gelang es der L., nach England zu entkommen, wo
sie mehrere Schriften zu ihrer Rechtfertigung ver-
öffentlichte. Sie starb 23. Aug. 1791 zu London. Die
"Vi6 ä6 ^6ann6 Zaint-I^m^ ä6 V3.I013, couit6886
ä6 I^mott.6 6tc. 6crit6 par 6ii6>ui6iu6" f wieder
abgedruckt Par. 1792) stammt wahrscheinlich nicht
von der L. selbst.
La Mothe Villebert (spr. mott wilbähr),
Francois de, franz. Feldherr, s. Aspremont-Linden.
La Motte (spr. mott), Antoine Houdart de,
franz. Dichter, geb. 17. Jan. 1672 zu Paris, stu-
dierte die Rechte, machte sich dann als Opern-
librettist und als Verfasser von Balletten einen an-
gesehenen Namen und wurde 1710 Mitglied der
Akademie. Er starb 26. Dez. 1731 zu Paris. Unter
seinen vier Tragödien hat "In68 ä6 <^8tro" (1723)
einen bedeutenden Rührungserfolg errungen. An
dem Streite über den Vorrang der ältern oder der
neuern Dichter beteiligte er sich lebhaft zu Gunsten
der letztern. Den dauerndsten Erfolg hatten seine
Fabeln. L. M. entbehrt in seinen Poesien des
Schwungs und poet. Ausdrucks, zählt aber zu den
besten Prosaikern seiner Zeit. Seine "(^uvi-63" er-
schienen in 10 Bänden (Par. 1754), ein Supple-
ment dazu (Briefe und Gedichte) gab in demselben
Jahre Abbe Leblanc heraus ("I^6ttr63 cl6 Houäart
^6 Ii. N. 6te."), seine tt(Nnvi-68 dioi8i63" erschienen
am besten (2Bde.) Paris 1811; Iullien veröffentlichte:
1^63 P3.i'3.äox68 1itt6i'air68 ä6 1^. N. (ebd. 1859).
La Motte-Fouquö (spr. mott fukeh), Dichter
und preuß. General, s. Fouque.
Lamottes Goldtropfeu, soviel wie Bestu-
shews Eisentinktur (s. d.).
^"?no"ö5'., s. ^amn.
Lampadedronna (grch.), Fackellauf (s. d.);
Lampadephöros, Fackelträger.
Lampe, der Name des Hasen in der Tierfabel;
Koseform für Lamprecht.
Lampedüsa oder Lampadösa, bei den Alten
Lipadusa, eine zur ital. Provinz Girgenti, geo-
graphisch zu Afrika gehörige Insel, im WSW. von
Malta, eine tertiäre Tafel, mit Knochenresten, ohne
Quellen, bis 133 m hoch, hat 20,2 <ikm Fläche,
einen guten Hafen und mit der 45 km nordwestlich
gelegenen Insel Linosa (1881) 1148 E. Sie bildet
mit Linosa und der Klippe Lampione die Gruppe
Isole Pelagie.
Lampen, Apparate zur Beleuchtung (s. d.), in
denen ein bei gewöhnlicher Temperatur flüssiger
Leuchtstoff (s. d.) mit leuchtender Flamme verbrannt
wird. Die ältesten L. sind die Öllampen, die in
ihrer ursprünglichen Form höchst unvollkommene
Apparate darstellten, da die Flamme schwach leuch-
tete, rauchte und leicht verlöschte. Erst von 1550
an wurden die Öllampen durch mehr oder weniger
verwickelte Einrichtungen von Cardanus, Ltiger, Ar-
gand, Carcel, Franchot u. a. verbessert (s. Öllampen).
Einen wesentlichen Aufschwung nahm Ende der
fünfziger Jahre die Lampenbeleuchtung durch An-
wendung der Mineralöle als Leuchtstoff. Dieselben
erfordern wegen ihrer größern Flüchtigkeit minder
unbequeme Einrichtungen und liefern eine ungleich
größere Leuchtkraft. Die hierher gehörenden Kon-
struktionen (Brillantdoppelbrenner, Kaiserlampe,