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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Landshuter Erbfolgekrieg - Landsknecht
ger, Eberhard t und Schuler; die Pfarrkirche St. Ni-
tola (14. Jahrh.) ueue Altäre und Wandgemälde,
die Dominikanerkirche ist im 17. Jahrh, umge-
baut; die Kirche des Klosters Seligenthal (1232),
1729-38 im Zopfstil neu gebaut, birgt die Gruft der
niederbayr. Herzöge. Ferner hat die Stadt Vronze-
standbilder König Maximilians II. (1868) von Bern-
hard, des Herzogs Ludwig des Reichen, Stifters
der Universität L., nach Vruggers Modell (1857),
und in der Vorstadt St. Nikola ein Kriegerdenkmal
für 1870/71. Das Rathaus (1410) ist völlig umge-
baut, mit got. Facade versehen und im Prunksaal
mit Fresken von S'eitz, Spieß u. a. geschmückt. Die
Stadtresidenz, 1536-43 von deutschen Meistern
begonnen, von ital. Architekten fortgesetzt, ist ein
herrlicher Renaissancebau im Charakter ital. Stadt-
paläste mit Säulenhof und Prachträumen. Die Stadt
hat ein königl. Gymnasium, 1629 von den Jesuiten
gegründet, eine königl. Erziehungsanstalt für Stu-
dierende, Realschule, Präparandenanstalt, Ackerbau-
und landwirtschaftliche Schule, Obstbau-, Töpfer-
schule, zwei klösterliche und ein weltliches Mädchen-
Erziehungsinstitut, ferner einen histor. Verein von
Niederbayernmit Bibliothek undSammlungen, land-
wirtschaftlichen Verein, Gewcrbevcrein mit Muster-
und Modellsammlung und botan. Verein; Wasser-
leitung, Kanalisation, Gasbeleuchtung. Die In-
dustrie erstreckt sich auf Fabrikation von Maschinen,
Geldschränken, Seilerwaren, chem. Produkten und
Tabak, bedeutende Mühlenwerke und Brauereien.
L. treibt lebhaften Handel mit Getreide und Landes-
produkten; es bestehen Frühjahrs- und Herbstmärkte
(Messen), monatliche Vieh- und Pferdemärkte. L. ist
Sitz der Land- und forstwirtschaftlichen Verufs-
genossenschaft für den Reg.-Bez. Niederbayern. Die
1800 von Ingolstadt nach L. übergesiedelte Univer-
sität wurde 1826 nach München verlegt. Dicht bei
der (Htadt der städtische Hofgarten; auf dem Hof-
berge die Burg Trausnitz, die einzige noch er-
haltene bayr. Fürstcnstammburg (1204), mit schönen
Malereien und Holzarbeiten, architektonisch bedeu-
tender Schloßkapelle (1304-31) und dem einst zum
Absteigequartier für Ludwig II. eingerichteten präch-
tigen obersten Stockwerk. Weiter die Ruine der Burg
Wolfstein anderIsar, wo 1252 Konradin, der letzte
Hohenstaufe, geboren wurde. L. wurde um 1180 von
HerzogOttoI.gegründetundwar1255-1504Haupt-
stadt des Herzogtums Bayern-Landsbut. - Vgl.
Staudenraus, Chronik der Stadt L. (3Bde., Landsh.
1832); Geschichte der Stadt L. (ebd. 1835); Wiesend,
Topogr. Geschichte von L. (ebd. 1858); Kalcher,
Führer durch die Stadt L. (ebd. 1875; 2. Aufl. 1888);
ders., Das Landshuter Rathaus (ebd. 1893).
Landshuter Grbfolgekrieg, der über das
Erbe des Herzogs Georg (s. d.) des Reichen von
Bayern-Landshut 1504 ausgebrochene Krieg zwi-
schen den Herzögen Albrecht und Wolfgang von
Bayern-München und Georgs Schwiegersohn, Rup-
recht von der Pfalz. Während Albrecht auf die Tei-
lungsvorschläge Kaiser Maximilians einging, der
selbst ein größeres Gebiet des Erblandes bean-
spruchte, nahm Ruprecht alsbald von den streitigen
Ländern Besitz, wurde aber mehrmals besiegt, in die
Reichsacht erklärt und starb 20. Aug. 1504. Der
Kaiser aber schlug inzwischen bei Regensburg ein
böhm. Heer, welches Ruprecht zu Hilfe kam, und
fällte dann 1505 auf dem Reichstage von Köln einen
Schiedsspruch, wonach Ruprechts Söhne ein Gebiet
an der Donau erhielten, der Nest der Erbschaft aber,
außer bedeutenden Abtretungen an Maximilian, mit
Bayern-München vereinigt wurde.
Landsknecht oder Lanzknecht, im 15. und
16. Jahrh, in Deutschland ein im Fußvolk dienender
Kriegsmann. Maximilian I. beabsichtigte infolge
derMangelhaftigkeit der Kriegsverfassung im Reiche
ein deutsches Kriegsvolk aufzustellen an Stelle der
vom Reiche abgefallenen und als Söldner unzuver-
lässigen Schweizer. Das Mittelalter hatte zwar in
den Rittern eine Reiterei, jedoch keine brauchbare
Infanterie. Letztere Waffe wurde seit den Vurgunder-
kriegen in den Vordergrund gestellt, war auch weniger
kostspielig. Graf Eitel Friedrich von Zollern, beson-
ders aber Georg von Frundsberg (s. d.), den man
den Vater der L. genannt bat, unterstützten den
Kaiser hierin, und auch der Adel, der sonst nur zu
Roh diente, wurde dafür gewonnen.
Die deutschen L. sind, abgesehen von den Iani-
tscharen (s. d.), das erste geordnete Fußvolk des
neuern Zeitalters, und ihre Einrichtungen bilden
die Grundlage aller spätern Organisationen. Bei
ausbrechendem Kriege gab der Kriegsherr einem
bewährten Kriegsmann einen Vestallungsbrief als
Feldoberst oder Kardinal (besonderer Befehlshaber,
im Gegensatz des allgemeinen: General) nebst einem
Patent, ein Regiment L. zu errichten, dazu den Ar-
tikelbrief, auf den sie anzunehmen waren. Der Sold
und die Zahl der Fähnlein wurden bestimmt. Der
Oberst bestellte darauf ibm bekannte Krieger als
seine Hauptleute und machte die Werbung bekannt.
Der Zulauf war immer sehr groß. Waffen (Spieß,
Schwert, Bruststück und Vlechhaube) mußte jeder
mitbringen; die Form war gleichgültig, die Klei-
dung beliebig. Die Angenommenen erhielten Hand-
geld und stellten sich auf einen bestimmten Tag
zur Musterung. Die Gesamtheit bieß dann der Haus
oder die Gemeine (davon Gemeiner). Der Oberst
lieh einen Ring schließen, den Artikelbrief vorlesen,
den Eid vom Schultheißen abnehmen und ernannte
dann seinen Stellvertreter (Locotenenten), den Pro-
viant- und Quartiermeister, den Prosoß und für
jedes Fähnlein den Feldweibel und den Fähnrich,
welchem letztern er die Fahne übergab. Dann Zogen
die Fähnlein auseinander und organisierten "sich
selbst. Der Hauptmann ernannte seinen Locotenen-
ten (Lieutenant) und stellte den Schreiber, Kaplan
und Feldscherer vor; die L. wählten zwei Gemein-
weibel (ihre Vertreter in allgemeinen Angelegen-
heiten, auch Ambosaten, aiudaZZHäoreZ genannt),
den Führer und den Fourier, und teilten sich selbst
in Rotten zu zehn Spießen ein, jede unter einem
Rottmeistcr (jetzt Unteroffizier). Ein Fähnlein be-
stand aus 400 L., 10 -10 Fähnlein bildeten ein
Regiment.
Die Hauptwaffe war der Spieß; gegen Ende des
10. Jahrh, war aber schon die Hälfte mit Feuer-
gewehren bewaffnet. Auf dem Marsche wälzte sich
der Haufe regellos fort; zuweilen marschierte er
aber auch nach Trommelschlag, wozu Trommel-
reime gesungen wurden. Zum Gefecht zog ein "ver-
lorener Hanf", aus den Läufern gebildet, voran,
diesem folgte der "helle Hanf" in gevierter, fast
quadratischer Ordnung mit ungerader Rottenzahl,
welche Glück bringen sollte. Vor der Schlackt knie-
ten die L. zum Gebet nieder; dann warfen sie nach
uralter Sitte Staub hinter sich und gingen ent-
weder zum Angriff mit gefällten Spießen, alle
Hauptleute bei großer Gefahr im ersten Gliede,
oder bildeten, angegriffen, einen "Igel", Fronte