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Lüttich
gemälden (s. Tafel: Glasmalerei Ⅰ, Fig. 9) und die Kirche des Heiligen Kreuzes. Friedhöfe sind auf Ste. Walburge und auf Robermont. Das schönste öffentliche Gebäude ist der Justizpalast, zum Teil aus dem 16. Jahrh., früher die Residenz der Fürstbischöfe; die Vorderseite wurde erst 1734 vollendet; ein Teil dient dem Gouverneur zur Wohnung; ferner das Rathaus, das neue Konservatorium, das Hospiz für alte Leute und die Universität.
Behörden und Bildungsanstalten. An der Spitze der Verwaltung steht ein Bürgermeister, der von vier besoldeten Schöffen unterstützt wird. Die Garnison besteht aus 2 Infanterieregimentern, 1 Artillerieregiment und 2 Schwadronen Kavallerie. L. besitzt eine gut organisierte Feuerwehr, vorzügliche Wasserwerke und Kanalisation; elektrische Beleuchtung ist vielfach eingeführt. Unter dem privaten Wohlthätigkeitsanstalten sind die Chauffoirs publics (Obdachlosenasyle) hervorzuheben. L. ist Sitz eines Gouverneurs, eines Bischofs, eines Appellhofes und einer Staatsuniversität. Die Universität, die 1817 von der niederländ. Regierung gegründet wurde und mit welcher die Bergbauschule (École des mines), die Polytechnische Schule (École des arts et manufactures und École des mécaniciens) sowie seit 1885 die vom Senator Montefiore gestiftete Elektrotechnische Schule (Institut Montefiore) in Verbindung steht, zählte (1890) 1511 Studierende, darunter 128 Ausländer. Es besteht außerdem eine Malerakademie, ein königl. Konservatorium (774 Schüler), ein Lehrerinnen- und ein Priesterseminar. Für öffentliche Schulen geschieht neuerdings viel. Neben Elementarschulen giebt es ein königl. Gymnasium (Athenäum), 2 Mittelschulen (Écoles professionelles) und mehrere Privatinstitute. Daneben besteht noch ein Jesuitengymnasium (etwa 700 Schüler) sowie klösterliche Erziehungsanstalten. Neben dem städtischen Museum ist das vom Fabrikanten Lemille gestiftete Waffenmuseum zu nennen. L. hat drei Theater, darunter das königl. Theater. Die wichtigsten polit. Tagesblätter sind: «Le Journal de Liége», «La Meuse», «La Gazette de Liége» und «L ’Express». ^[Spaltenwechsel]
^[Abb.: Lüttich (Situationsplan).]
Industrie, Handel und Verkehr. L. verdankt seine ausgedehnte Industrie in erster Linie den ergiebigen Kohlenbergwerken, die stellenweise unter der Stadt selbst liegen. Außer Zinkhütten, Gießerei, Walzwerken, Drahtzieherei, Maschinenbau sind hervorragend: Wollzeugfabriken, Flachsspinnerei und Weberei, Tabak- und Cigarrenfabriken, Gerberei, Leimsiederei, Cichorienfabriken und Elektricitätswerke. Der älteste und bedeutendste Industriezweig ist die Waffenfabrikation. Während 1860 in der königl. Probeanstalt 563000 Waffen produziert wurden, sind 1891: 1233234 und 1894: 1039757 Stück durch die Probe gegangen und zwar: 266713 einläufige Flinten, 198780 Doppelflinten, 157740 Kriegswaffen, 25559 Paar Sattelpistolen, 2515 Taschenpistolen und 388450 Revolver. Außerdem besitzt L. eine königl. Geschützgießerei und Bohrerei. L. hat eine Handelskammer, eine Börse für Landesprodukte und bedeutende Pferdemärkte. Zwei Pferdebahnlinien, eine Dampfstraßenbahn und zierliche Maasdampfboote vermitteln den Verkehr in der Stadt und und den gewerbreichen Nachbarorten Herstal (s. d.) und Seraing (s. d.). Auch der Frachtverkehr auf der Maas ist beträchtlich; Hauptgüter sind Steinkohlen, Eisen, Holz und Basalt. L. hat 5 Bahnhöfe; die Station des Guillemins dient den Linien Brüssel-Herbesthal, Marche-L. (65 km) und L.-Flemalle (12 km), Longdoz den Linien L.-Namur (61 km), L.-Maastricht, Vivegnis den Linien L.-Hasselt-Eindhoven (104 km) der L.-Limburger Bahn; diese drei Bahnhöfe sind durch Gürtelbahn (Zwischenstationen: Jonfosse und Palais) verbunden.
Geschichte. L., eine röm. Niederlassung, wurde im 8. Jahrh. Sitz eines Bischofs, mit dem die Bürger, von Frankreich unterstützt, in steter Fehde lagen. Karl der Kühne, im Einverständnis mit dem Bi- ^[folgende Seite]