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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Manuskripthalter - Manx
Pergament oder Papier, selten auf Cbarta (vom
ägypt. Papyrus), Wachstafeln, Palmdlättern oder
ähnlichem abschrieben. Der Gebrauck der Charta
zu Handschristen hörte im Abendlande schon mit dem
9. Jahrh, völlig auf. Das Papier kam im Orient
im 8. bis 9. Jahrb. auf und ward vom 12. Jahrh,
an auch im Abendland gebräuchlicher; jetzt hat es
das Pergament ganz verdrängt. Zum Schreiben
bediente man sich für die Charta des Pinsels (poni-
t ilwg) und des Schreibrohrs (c^amu8, cauna), für
Wachstafeln des Griffels l"ti1u8), für Pergament
der Feder (^enna.). Von Tinten war die schwarze
oder bräunliche die gewöhnlichste; aber auch rote
findet man schon in sehr alten Handschriften. Mit
ihr wurden die Anfangsbuchstaben, die ersten Zeilen
und die Inhaltsanzeigen geschrieben, daber die Aus-
drücke Rubrnm, Rubrik und Rnbrikator. Seltener
kommt in alten Handschriften blaue Tinte vor, iiioch
feltener grüne und gelbe. Auch mit Gold und Sil-
ber schrieb man entweder ganze Handschriften, die
jedoch wegen ihrer Kostbarkeit unter die größten
Seltenheiten gehören, oder wenigstens Titel und
Anfangsbuchstaben Die äußere Gestalt der M. ist
bedingt durch die Natur des Schreibstoffs; die Rollen
ivowinwa) der Charta sind die älteste Art, gebcftcte
Bücher oder Bände, die eigentlichen coäices, eignen
sich besser für das Pergament und Papier (f. Co-
der). Die Schreiber der M. (lidrarii, 8cridao)
waren bei den Alten meist Sklaven oder Freige-
lassene, in den folgenden Zeiten die Mönche, unter
denen vorzüglich die gelehrten Benediktiner durä)
die Ordensregel dazu verpflichtet waren; aber auch
andere Stände sind uuter deu Schreibern vertreten.
Korrektoren und Rubrikatoren besserten und schmück-
ten nachher die Handschriften aus. Die alteu M.
haben meist ein regelmäßiges Quadratformat; das
Langfolioformat geht uicht über das 13. Jahrh,
hinauf. Manche M. haben am Ende (im Kolophon)
eine deutliche Bestimmung, waun, gewöhnlich auch
durch wen sie geschrieben worden sind, und man
nennt sie deshalb datierte Codices. Docd darf man
die Richtigkeit dieser Unterschriften nicht ohne wei-
teres für erwiesen annehmen, da sie oft aus der
Vorlage übernommen sind. Abgeschabte und neu
überschriebene Handschriften (coäicL8 rosci-ipti)
nennt man Palimpseste (s. d.). - Vgl. Ebcrt, Hand-
schriftenknndc (2 Bde., Lpz. 1825 -27); Watten-
bach, Anleitung zur griech.Paläographie (ebd. 1807;
2. Aufl. 1877); ders., Anleitung zur lat. Paläo-
grapbie (ebd. 1809; 4. Aufl. 1880); ders., Das
Schriftwefen im Mittclalter (2. Aufl., ebd. 1875);
Arndt, Eckrifttafeln zum Gebrauche bei Vorlesungen
(Berl. 1874-78); Gardthausen, Griech. Paläo-
grapbie (Lpz. 1879); G. M. Thompson, Ilanädook
ot (Fi-oek lmä Llltin i)alH60Fi-ai)Iix iLono. 1893).
Manuskripthalter, s. Buchdruckerkunst (Bd. 3,
S. 00id).
^ Alauns NR2.IRUIN 1a.va.t (lat.), eine Hand wäscht
die andere, eine aus dem Griecbischen übernommene
sprichwörtliche Redensart, welche sich in des Scneca
"^I)0c0lo0)'ut08i3)) und in des Pctronius "Sa-
tiren" (45) findet.
Alanus inortüa. (lat.), Tote Hand (s. d.).
Manutenenz oder Manutention (neulat.),
Vesckützung, namentlich im Besitz.
Manutlus, eigentlich Manuzz i, Mannuzzi,
auch Manucci, ital. Buchhändlerfamilie. Ihre
Drucke heißen Aldinen (s. d.) nach Aldus dem ersten
und Aldus dem dritten in der Reihe der M.
Aldus I. oder der Ältere, geb. etwa 1448 in
Vassiano bei Velletri in der Nähe von Rom (daher
auck Romanns genannt), betrieb seine lat. Stndien
in Rom, die griechischen in Ferrara (uuter Guarini),
trat daun in Beziehungen zu dem Fürsten Pio zu
Carpi und gründete aus dessen Mitteln 1485 eine
Buchdrnckerei in Venedig, aus der neben eigenen
Arbeiten eine große Reihe von kritischen Ausgaben
hervorgingen lim ganzen über 130 Bände), die be-
sonders das Studium der gricch. Autoren bedeutend
förderten und diese meist sogar zuerst in der Ur-
sprache bekannt mackten. Sie zeicknen sich durch
Korrektheit und geschmackvolle Ausstattung aus.
Viele angesebene Gelehrte, besonders auch flüchtige
Griechen, unterstützten M. bei feinen Arbeiten. Er
gründete sogar zum Zwecke der Herausgabe klassi-
scher Schriftsteller eine wissenschaftliche Gesellschaft,
die ^encaclemia, aus der später die ^c^äemia. äeiia
I^mn. bervorging. Auch leitete M. die Erziehung
des Sohnes des Fürsten Pio von Carpi, Alberto
Pio, und setzte (seit 1503) dessen Beinamen seinem
Namen bei (Aldo Pio). M. schrieb zahlreiche Vor-
reden zu seinen Ausgaben, ferner noch "victio-
nai'iuin Fi-56cuni" (1497), "In8titnti0N68 ^raeco-
latiiiiie" (1501 u. 1508), "(Fi'lNliMÄticaL in3titn-
tioiiLL ^i'Ä6caL" (1515), "Do inoti'13 lloratiauiZ"
(1509) und ein Gedicht "Nn^rnin?an6F7ri3". Er
starb 0. Febr. 1515 und wurde in Carpi begraben.
Das Geschäft wurde von Verwandten fortgesetzt.
1533 übernahm es der Sobn des erstern, Paulus
M., geb. 12. Juni 1511. Er besah ebenfalls große
Gelehrsamkeit und zwar im Lateinischen. 150L
folgte er einem Rufe des Papstes nach Rom und
trat an die Spitze einer Buchdruckern zur Heraus-
gabe der Kirchenväter. Unter der Vorbereitung zur
Rückkehr nach Venedig starb er 0. April 1574. Aus
der vcuet. Vuchdruckerei gingen hervor von 1515 bis
1533 etwa 120, seitdem'bis 1574 etwa 515 Werke.
M. schrieb Kommentare zu Ciceros Schriften und
Verschiedenes über röm. Altertümer. Seine "I^i-
8wiÄ6 86i6cw0" gab Fickelscherer heraus (Lpz. 1892).
Des letztern Sohn Aldus II. M., geb. 1547,
trieb philol. und jurist. Studien und übernahm
neben der Vcrlagsthätigkeit nacheinander verschie-
dene Lehrstühle. 1590 folgte er einem Rufe nach
Rom zur Leitung der päpstl. Buchdruckerei und
überließ das väterliche Geschäft an Nikolaus Ma-
nassi. Er starb 1597 ohne Leibcserben. - Außer der
im Artikel Aldinen angegebenen Litteratur vgl. noch
I. Schück, Aldus M. und seine Zeitgenossen (Berl.
1862); Edm. Goldsmid, ^ dililioFi-apIiicÄi 8k0teli
c"f tdo ^Iäin6 ?i'L88 at Venice (3 Bde., Edinb. 1887);
Omont, ^ÄtÄi0ZUL8 äL3 iivi-68 ssl608 ot Wtin3) im-
1)i'im^8 1)3.1- ^1ä6 N2.nuc6 ü^ V6N186, 1498, 1503,
1513 (Par. 1892).
Manuzzi^ Buchhändlerfamilie, s. Manutius.
Manx, der kelt. Dialekt der Insel Man (s. d.),
dem gälischcn Sprachzweige angehörend <s. Gälisch),
wird nock von etwa 12000 Leuten gesprochen, ist aber
im Aussterbcn begriffen. Unter den Litteraturdenl-
mälern, die nickt weit hinaufreichen, sind die eigen-
tümlichsten die Balladen und 0Iiri3tnia3 (^ai-olg, die
am Weihnachtsabend gcsuugcn werden. Die Bibel
ist 1771-75 unter den Bischöfen Wilson und Hildes-
ley übersetzt und gedruckt worden. Für die Rettung
der Überreste ist seit 1858 die Nanx Hoci^t^ thätig.
Grammatik von Kelly (1805; neugedruckt Douglas
1859 und Lond. 1870); Manx Diction^ von Kelly
und andern (Douglas 1800).