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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meßner - Mestre
festigt sind. Hierdurch wird ein freibängcndcr Nab-
men gebildet, den man in die passendste ^age bringt,
um die Ware beim Messen bequem durchsehen zu
können. Nach dem Durchgang des Gewebes durch
die Walze wird es auf Wickelbrettchen aufgewickelt.
Ferner versteht man unter M. auch besonders in
Getreidespeichern, Vrauereicu und Mälzereien ge-
bräuchliche Apparate, die, mit einer Wage kombi-
niert, die Feststellung des Volumens eines bestimm-
ten Gewichts von Körnerfrüchten u. a. ermöglichen.
Metzner, kath. Kirchendiener, entsprechend dem'
Küster (s. d.) oder Kirchner in der evang. Kircke; in
manchen Gegenden auch soviel wie Mcßpriester.
Meßopfer, s. Messe und Opfer.
Metzrad, M ahrad, ein mit einer Vorrichtung
zum Zählen seiner Umdrehungen versehenes Nad,
mit dem man die Länge der ^inie mißt, die das
sich drehende Nad durchlausen hat. Die M. werden
oft zu Längenmessnngen im Gelände benutzt und
liefern auf guten Wegen brauchbare Nefultate. Es
kam zuerst bei der 1525 von Fernel ausgeführten
Gradmessuug (s. d.) zur Anwendung. Als Kurven-
messer ls. d.) dienen sie zum Messen von Entfernun-
gen auf Karten und Plänen. (S.Perambulator.)
Nüessrs. (engl., spr. meschrs), ^Abkürzung von
N083iour8 (Herren; besonders bei firmen in Brief-
Metzrute, s. Meßlatte. Laufschriften).
Metzfcheibe, s. ^Lti-ollrdinm.
Metzstab, soviel wie Meßlatte is. d.).
Metztisch, Mensel, ein in Verbindung mit der
Kipprcgel (s. d.) zu topogr. Geländeaufnahmen be-
nutztes geodätisches Instrument. Der M. ist 1590
durch Professor John Prätorius zu Altdorf bei Nürn-
berg erfunden und hat den Zweck, von dem aufzu-
nehmenden Gelände ein geometrisch richtiges Bild in
beliebiger Verkleinerung unmittelbar in Zeichnung
(graphisch) zu liefern. Jeder M. besteht aus der Meß-
tischplatte und dem Fußgestell (Stativ). Die Meß-
tischplatte ist ein aus Lindcnholz parkettartig zusam-
mengesetztes, etwa 0,5 in im Quadrat großes Zeichen-
brett mit drei Echraubenlöckern an seiner untern
Seite, um auf dem Fußgestell fest aufgeschraubt
werden zu können. Die obere, vollkommen ebene
Fläche wird mit Zcichcnpapicr bespannt und dient
nicht nur als feste, horizontale Unterlage für die
auf dem M. zu benutzenden Instrumente (Kippregel
u. s. w.), sondern sie bildet zugleich die Zcichcnfläche,
auf der das Bild des Geländes'an Ort und Stelle
gezeichnet wird. Das Fußgestcll zersällt in den
Kopf und in den Dreifuß. Der Kopf, aus Mefsing
gearbeitet, hat den Zweck, die Platte sest mit dem
Fußgcstcll zu verbinden (durch drei Schrauben) und
ermöglicht scrner eine grobe und feine Drehung der
angeschraubten Mchtischplatte um einen senkrechten
Ecntralzapfen; außerdem hat er bei den neuern und
verbesserten Meßtischkonstruktionen auch eine Ein-
richtung zum feinen Horizontalstellcn der Meßtisch-
platte vermittelst dreier Stellschrauben. Bei den
ältern M. konnte die Horizontalstcllung der Platte
uur durch entsprechendes Eintreten der Beine de^
Dreifußes in den Erdboden erzielt werden. Der M.
ist im Lanfc der Zeit in sehr verschiedenen Formen
angefertigt worden. Die wichtigern derfclben sind
das alte und neue Dresdener Stativ, das Münche-
ner (Reichenbachsche) Stativ, die neuern Stative
von Baumann, Pistor, Iähns, Vreithaupt u. a.
Bei der preuß. Landesaufnahme sind gegenwärtig
besonders das sog. verbesserte Baumannsche und
das Generalstabsstativ von 1875 in Gebrauch.
Meßtischblätter, f. Gradabteilung.
Metz- und Marktsachen, nach der Deutschen
i Ewilprozeßordnung Klagen aus solchen Handels-
! gcschäften, welche auf Messen und Märkten (mit
Ausnahme der Jahr- und Wochenmärkte) geschlossen
werden. Zuständig ist dafür das Gerickt des Meß-
oder Marktortcs, vorausgesetzt, daß die Erhebung
der Klage erfolgt, während der Beklagte oder ein
zur Prozeßführung berechtigter Vertreter dcsfelben
am Orte oder im Bezirk des Gerichts sich aufhält.
Die M. u. M. werden vom Gesetz als schleunige
Sachen behandelt. Daher gehören sie zu den sog.
Feriensachen, in denen auch während der Gerichts-
ferien Termine abgehalten und Entscheidungen er-
lassen werden, und die Ladungs- und Einlassungs-
frist beträgt bei ihnen nur 24 Stunden. Vgl. Civil-
! Prozeßordnung §§.30,194,234,481,517; Gerichts-
verfassungsgesetz §. 202, Nr. 3.
Metzunkosten, s. Meßgebühren.
Metzwechsel oder Marktwechsel, nach der
Deutschen und Osterr. Wechselordnung (ebenso nach
dem (^0ä6 ä6 coNinercO und dem ungar. Wechsel-
gesetz von 1876) ein Wechsel, dessen Mhlungszeit
auf eine Messe oder einen Markt festgesetzt ist. Das
Besondere dieser Wechsel ist, daß sie keinen aus dem
Wechsel ersichtlichen bestimmten Verfalltag haben,
diefer vielmehr durch die Gesetze und Verordnungen
des Meß- oder Marktplatzes bestimmt wird; nur
beim Mangel solcher Bestimmungen ist der Zah-
lungstag der Tag vor dem gesetzlichen Schluß der
Messe oder des Marktes, bei eintägiger Dauer
der Messe oder des Marktes natürlich dieser Tag.
Ein Wechsel auf eine Messe und einen bestimmten
Tag ist kein M. M. dürfen auch nur in der am
Platze bestimmten Präsentationszeit zur Annahme
präsentiert werden. Der Protest muß stets vor
Schluß der Messe, des Marktes aufgenommen wer-
den, da sonst nicht festgestellt werden kann, daß
Zahluug in der Messe gefordert und nicht geleistet
sei. Für die meisten Meß- und Marktplätze bestehen
! gesetzliche Bestimmungen über den Zahltag, so für
! Leipzig, Vraunfchweig, Frankfurt (Main und Oder),
i Breolau. Für den Leipziger M. beginnt die Frist
der Präsentation zur Annahme am Tage nach Ein-
läutung der Messe und dauert bei den beiden Haupt-
mcssen bis Donnerstag nach Ausläutung der Messe,
bei der Neujahrsmesse bis zum 12. Jan., und wenn
dieser ein Sonntag ist, bis zum folgenden Tage.
Für Osterreich enthält das Einführungspatent vom
25. Jan. 1850 Bestimmung, ebenso das ungar.
Weckselgesetz von 1876.
Mesta oder Kara-su (im Altertum Nestes),
Fluß im türk. Wilajet Saloniki, entspringt am ^>üd-
fuße des Muss-alla, fließt in südöstl. Richtung längs
des Nbodopegcbirges, ist 15)2 km lang und mündet
gegenüber der Insel Thasos.
Mestizen (span.), s. Farbige.
Mestnitschesttvo, im mostauischcn Zartum das
Recht jedes höhern Würdenträgers, kraft dessen er
nicht unter jemand zu dienen brauchte, dessen Vor-
fahren unter seinen eigenen Vorfahren gedient hatten.
Es wurde 1682 aufgehoben.
Mestre, Distriktshauptort in der ital. Provinz
Venedig, an der Lagune, am Kanal M., Ver-
einigungspunkt der nach Venedig führenden Bah-
nen, mit vielen Villen der Venetiancr, Maschinen-
bau, Schokoladenfabriken und Märkten, hat (1881)
mit Malghera 4857 E. M. kam 1318 an die Gra-
fen von Görz, 1329 an die Scala, 1337 an Venedig.