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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Muratori - Murawjew (Bojarenfamilie)
zerstreute seine Schiffe; mit nur 26 Soldaten stieg
er 8. Okt. bei Pizzo ans Land, wurde aber bald ge-
fangen genommen und 13. Okt. 1815 erschossen/-
Vgl. Colletta, lliswilk 668 8ix äki-niers iuoi8 äs la
vie ä6 ^oackim N. (Par. 1821); Franceschetti, ^16-
moir68 Lur 168 6V6N6M6ntg <iui ont prec6ä6 1a
nwi-t ä6 ^oaoliim I (ebd. 1826); Gallois, lli8t0jr6
ä6 ^oackim N. (ebd. 1828); de La Rocca, 1.6 roi N.
6t 868 ä6rni6i-8^0ur3 (ebd. 1868); Helfert, Joachim
M. Seine letzten Kämpfe und sein Ende (Wien 1878);
G. Romano, lUcoräi Nui-HNiani (Pavia 1890); de
Sassenaye, 1.63 ä6lui6r3 111013 ä6 N. (Par. 1896).
Seine Witwe Annunciata (Karoline), geb.
25. März 1782 in Ajaccio, lebte fortan unter dem
Titel einer Gräfin von Lip 0 na auf der Villa Campo
Marzo bei Trieft und starb 18. Mai 1839 zu Florenz.
M. hinterließ zwei Söhne und zwei Töchter.
SeinältesterSohn, Napoleon AchilleM., geb.
21. Jan. 1801, ging 1821 nach den Vereinigten
Staaten von Amerika, heiratete hier Karoline Dudley,
eine Großnichte Washingtons, war während der belg.
Revolution Offizier in belg. Diensten, kehrte dann
nach Amerika zurück und starb 15. April 1847 auf
seinem Gute in Florida.
Napolion Lucien M., Prinz vonPonte-Corvo,
zweiter Sohn des Königs von Neapel, geb. 16. Mai
1803 zu Mailand, ging ebenfalls nach den Ver-
einigten Staaten und heiratete 1831 Karoline Geor-
gine Fräser, mit der er eine Mädchenerziehungs-
anstalt errichtete. Nach der Februarrevolution be-
gab er sich 1848 nach Frankreich, wurde 1849 franz.
Gesandter in Turin, 1852 Senator und erhielt von
Napoleon NI. den Titel Hoheit für sich und feine
Familie. Er starb 10. April 1878 zu Paris und
hinterließ zwei Söhne und drei Töchter, von denen
der älteste Sohn, Joachim M., geb. 21. Juli 1834,
das gegenwärtige .Haupt der Familie ist.
Muratori, Lodovico Antonio, ital. Gelehrter,
geb. 21. Okt. 1672 zu Vignola bei Modena, ward
bereits 1694Doktor des Ambrosianischen Kollegiums
zu Mailand und Präfekt der damit verbundenen
Bibliothek, war seit 1700 Bibliothekar des Herzogs
von Modena, wurde Propst von Sta. Maria della
Pomposa und starb 23. Jan. 1750. Unter seinen
zahlreichen Arbeiten, die sich fast auf alle Gebiete
des Wi^ens erstrecken und durch die er namentlich
zum Vater der innern ital. Gefchichtsforfchung
wurde, sind hervorzuheben: "^necäotö." (4 Bde.,
Mailand; dann Padua 1697 -1713), "^U6cäota
(^1-5603." (Padua 1709), M6rum Italicarum 8crii>-
tol68" (25 Bde., Mail. 1723-51), "^ntihuitlU63
It3.1ica6 msäii 26vi" (6 Bde., ebd. 1738 - 42),
"^nnaii ä'IWIia" (12Bde., ebd. 1744-49; deutfch,
9 Bde., Lpz. 1745-49), "I)6l1a p6i't6ttH po68ia ita-
liana" (2 Bde., Vened. 1724 u. ö.; 4 Bde., Mail.
1821), M0VN3 t1i682ui'U3 V6t6rum ii^criptionum"
(4 Bde., Mail. 1739-42). Briefe von ihm an Scotti,
Eontarelli di Corregaio, Leibniz wurden neuerdings
herausgegeben. - Vgl. Troya, 8tuäi intoi-uo aM
^nnali ä' itkIiH ä6i N. (2 Bde., Neap. 1877).
Muratorisches Fragment (Oanon Nuia-
toi-ii), eins der ältesten Verzeichnisse neutestament-
licher Schriften in bruchstückartigem, vielfach ver-
derbtem lat. Texte zuerst von Muratori (s. d.) im
dritten Bande feiner "^nti(MtÄt68 Italic^" heraus-
gegeben. Es stammt wahrscheinlich aus dem letzten
Drittel des 2. Jahrh. n. Chr. und ist für die Gefchichte
de,s neutestamentlichen Kanons von großer Bedeu-
tung. Der Anfang, der von den Evangelien des
Matthäus und des Markus handelt, ist bis auf
wenige Worte verloren gegangen. Außer den Evan-
gelien und der Apostelgeschichte werden 13 Pauli-
nische Briefe aufgeführt. Als unecht und ketzerifch
werden die Briefe an die Laodiceer und an die Alexan-
driner bezeichnet. Außerdem werden als in der kath.
Kirche anerkannte Schriften noch der Brief des Ju-
das, zwei Briefe des Johannes, die Weisheit Salo-
mos, die Apokalypse des Johannes und die (jetzt teil-
weise wieder entdeckte) Apokalypse des Petrus auf-
gezählt, wogegen dem Hirten des Hermas (s. d.) die
Geltung als prophetische Schrift und kirchliches Lese-
buch abgesprochen, die von gnostischen Verfassern
herrührende Pseudonyme Litteratur grundsätzlich ver-
worfen wird. Nach einigen ist der lat. Text Über-
setzung eines griech. Originals. Um die Heraus-
gabe und Erklärung des Textes haben sich F. und
K. Wieseler, Credner, von Gilfe, Hertz, Volkmar,
Hilgenfeld, Overbeck und Hesse verdient gemacht. -
Vgl. Hesse, Das M. F. neu untersucht und erklärt
(Gieß. 1873); Kühn, Das M. F. über die Bücher
des Neuen Testaments (gür. 1892).
Murau. 1) Bezirkshanptmannschaft im österr.
Kronlande Steiermark, hat 1385,18 cikm und (1890)
26735 (13296 männl., 13439 weibl.) E. in 46 Ge-
meinden mit 77 Ortschaften und umfaßt die Gerichts-
bezirke M., Neumarkt und Ober-Wölz. - 2) Stadt
und Sitz der Bezirkshauptmannfchaft fowie eines
Bezirksgerichts (738,22 ykiu, 11364 E.), an der Mur,
in einem Gebirgsthals, hat (1890) 1005, als Ge-
meinde 1293 E., Schloß und Gut des Fürsten
Schwarzenberg mit Vrauneifensteinlagern, und be-
deutende Eisenindustrie. M. ist das alte Imurio.
Murawjew (spr. >jöff), ehemals fouveräne
Vojarenfamilie, die, ursprünglich im Großfürsten-
tum Moskau ansässig, 1488 durch Iwan Wassilje-
witsch I. Ländereien:m Nowgorodischen erhielt.
Nikolaj Nikolajewitsch M., geb. 1768 zu
Niga, diente einige Zeit in der Marine und im Land-
heer, gründete dann auf feinem Gute bei Moskau
eine Privatlehranstalt für Offiziere (die fog. Schule
der Kolonnenführer), aus der mehrere ausgezeichnete
russ. Generale hervorgingen. Die Feldzüge 1812-^
14 machte M. als Oberst und Stabschef des Grasen
Tolstoj mit, schloß die Kapitulation von Dresden ab
und nahm hierauf an der Belagerung von Hamburg
teil. Nach dem Frieden kebrte er zu seiner Militär-
akademie zurück, die 1816 Staatsanstalt wurde. Er
leitete sie bis 1823 und widmete sich dann der Land-
wirtschaft. M. starb 1. Sept. 1840 zu Moskau.
Sein ältester Sohn, Alexander M., geb. 1792,
wurde als Oberst wegen Teilnahme an der Ver-
schwörung von 1825 nach Sibirien verbannt, aber
später zurückgerufen. Beim Ausbruch des Krieges
von 1853 nahm er wieder Dienste, ward 1856 Gou-
verneur von Nishnij Nowgorod und starb 1869 als
Generallieutenant und Senator zu Moskau.
Der zweite Sohn, Nikolaj M., geb. 1793 zu
Petersburg, trat 1810 in die Armee, focht in den
Fcldzügen 1812-15 und im Kaukafus und erhielt
1819 eine Mission nach Chiwa. Er zeichnete sich
dann im Russisch-Türtischen Kriege 1828-29 und
1831 im Feldzuge gegen Polen aus, wo er den Sieg
bei Kazimierz entschied und an der Erstürmung von
Warschau teilnahm. Ende 1832 ging er als außer-
ordentlicher Bevollmächtigter Rußlands nach Ägyp-
ten, um Mehemed Ali zum Friedensschluß zu be-
stimmen, befehligte die am Bosporus gelandeten
russ. Truppen und ward 1835 Befehlshaber des