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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Palatinus - Palembang
größern Ausgrabungen vorgenommen. Die plan-
mäßige Ausgrabung der ausgedehnten und bedeu-
tenden Ruinen der Kaiserpaläste wurde jedoch erst
1861 begonnen; die aus Kosten Napoleons von dem
Architekten P. Nosa geleiteten Arbeiten waren^be-
sonders für die Topographie von Wichtigkeit, ^eit
dem Ankauf der Farnesianifchen Gärten dnrch die
ital. Regierung (1871) führt diese die begonnenen
Arbeiten weiter. - Vgl. H. Jordan, Die Kaiser-
Paläste in Rom (Berl. 1808); Visconti und Lanciani,
<-uiäaclsi?lÜÄtin0 (Rom1873); Dea,lane,I^6Mlai8
<Io8 ^6551-8 (Par. 1888).
Palatmus(lat.), ursprünglich jeder, der zum
paiatium, d. h. zum kaiserl. Hoflager, gehört; im
byzant.-röm. Reiche das gesamte, unter dem (^0ino8
sacrarum lai-Fitionum, dem kaiserl. Finanzminister,
stehende Personal; ferner wohl auch die dem (^011103
z-ornm pi'ivatai-uin untergebenen Beamten, die die
Verwaltung des kaiserl. Privatvermögens besorgten.
Das Mittelalter begriff unter 1'lüHtini oder I^Ia-
<Uni die Vornehmen des Reichs in der nächsten
Umgebung des Königs. Unter ihnen nahm im
Fränkischen Reiche der Pfalzgraf (s. d.) eine beson-
ders einflußreiche Stellung ein. In Italien ist die
Pfalzgrafschaft schon früh zum leeren Titel geworden,
über die feit Karl IV. vorkommenden Hofpfalzgrafen
(Ooinites 8iicri pawtii) s. Hofpfalzgraf. In Ungarn
bezeichnete Palatin den durch die Stände aus vier
vom König vorgeschlagenen Kandidaten und zwar
seit König Matthias Eorvinus auf Lebenszeit er-
wählten obersten Würdenträger des Reichs, der zn
gleicher Zeit als gesetzlicher Stellvertreter des Königs
und als Mittler zwischen König und Reich galt. Auch
England hatte Palatine; doch entsprachen diese mehr
den deutschen Markgrafen.
Palatlum, f. Palatinischer Verg.
I>2.Ia.win (lat.), der Gaumen (s. d.); Palato-
plästik, künstliche Gaumenbildung; Palato-
schisis, 1'. ii88nm, die Gaumenspalte (s. d.).
Palauan(Palawan) oder Paragua, Insel
im NW. der Sulusee, wahrscheinlich die nordösil.
Fortsetzuug Vorneos,ist schmal, gebirgig (bis 1788 m
Höhe), fruchtbar und waldreich. Die größtenteils
malaiische Vevölkernng wird nur auf 30000 E. ge-
schützt. Der größere, südl. Teil gehört zu dem Reich
des Sultans der Euluinseln (s. d.), der nördliche
kleinere, mit dein Hafenort Taitai, zu dem span.
Gouvernement der Philippinen. Im NO. fitzen die
Calamianes, an der Südostküstc Piratenstümme. -
Vgl. Marche, I^on 6t ^wouan (Par. 1887).
Palau Inseln, span. Palaos-, engl. Pelew
Inseln, oder (einheimisch) Pelju-Inseln, ailch
westliche Karolinen genannt, span., zu Mikrone-
sien gehörige Gruppe von 26 hügeligen, meist schma-
len, von Korallenriffen umgebenen und stark be-
waldeten Infeln mit 456 hkin Fläche. Die größte
derselben, Vabeldzuap, Vaobelthaop oder Vabcl-
tbuap, umfaßt 300 likm und zählt etwa 8000 E. Das
Klima ist gesund und wird durch erfrischende Winde
gemäßigt. Der Boden ist fruchtbar und gut be-
wässert. Das Meer wimmelt von Fischen, auch
Trepang findet sich vielfach, ebenso Eeekrebse, Schild-
kröten und Schattiere. Die Bevölkerung, gegen-
wärtig ungefähr 10000 Seelen, find tupferfarbige
Malaien ('s.Tafel: Australische Völkertypen,
Fig. 8). Das Tättowieren ist allgemein. Es giebt
zwei Stände, Häuptlinge oder Adel und das ge-
ineine Volk. Die Häuptlinge sind untereinander
wieder in gewiffe Klassen (Clöbbergölls) geteilt; an
ihrer Spitze steht ein König. (S. auch Karolinen.) -
Vgl. Semper, Die P. (Lpz. 1873); Kubary, Die
socialen Einrichtungen der Palauer (Berl. 1885);
Marche, I^n^on 6t I^laonlni (Par. 1837).
Palaun, Fluß, s. Sittang.
Palaver (vom portug. pai^vi-H, Sprache), feier-
liche Unterhandlung mit afrik. Eingeborenen.
Palawan, Infel, f. Palauan.
Palazzo (ital.), Palast (s. d.).
Palazzolo Acrelde (altgrch. Akrai), Stadt in
der ital. Provinz Siracusa, Kreis Noto, 660 in
ü. d. Vt., hat (1881) 11069, als Gemeinde 11154 E.
Akrai wurde 664 v. Chr. gegründet; die Akropolis
mit Ruinen der alten Stadt si'empio t^raw, Thea-
ter, Odeon, Wasserleitungen, Grabgemächer) liegt
über der Stadt. P. A. bieß bei den sicil. Sarazenen
el-Akrat, bei Edrifi Balenful, später riacoowm. -
Vgl. Iudica, ^nticnitü. äi6 ^ci-6 (Messina 1819).
Pale (grch.), Ringen, Ningkampf, f. Agon.
?a.1ea., verschiedene schuppenartig entwickelte
Vlattformen, die in gewissen Blütenständen als
Deck- oder Vorblätter vorhanden sind. Bei den
Blütenköpfchcn der Kompositen werden z. B. die
Deckblättchen der einzelnen Blüten als Spreublätt-
chen oder!>., bei den Gramineen die beiden Spelzen
als ?. bezeichnet, und man unterscheidet zwischen ?.
iickrioi- und ?. 8u^)6i'i0r (s. Gramineen). Auch be-
zeichnet man häufig mit?, die schuppenartigen Haar-
gebilde an den Wedeln mancher Farne.
Pale Ale (engl., spr. pehl ehl), helles Ale (s. d.).
Palee, Lachsart, s. Felchen.
Palefroi (frz., spr. palfröä), Paradepferd oder
Marschpferd eines Ritters; auch Zelter, Damenroh.
Das Wort wird vom grch. Mrä (bei) und keltisch-
lat. V6i'6än3, aus dem ebenfalls das deutsche Wort
Pferd stammt, abgeleitet und heißt darum ursprüng-
lich Beipferd.
Palembang. 1) Nesideutschaft von Nicderlän-
disch-Ostindien, umfaßt das Stromgebiet des Flusses
Musi in dem südlichern Teile der Osthälfte von der
Insel Sumatra und erstreckt sich von der Banka-
straße gegen Westen bis zu dem Varissangcbirge und
wird nördlich von dem tributären Reiche Djambi, süd-
lich von den Lompongschen Distrikten begrenzt. Die
Bevölkerung beträgt auf 149000 qkm ohne Dzambi
(s. d.) 585 910 E., darunter 383 Europäer und 5305
Chinesen. P., zum großen Teil flaches Alluvialland,
vom Musi und seinen Nebenflüssen bewässert, ist
überaus fruchtbar. An den Ufern des Musi sind
Petroleumlager entdeckt worden. Die Eingeborenen
bestehen aus Mohammed. Malaien, mit Ansnahme
der heidn. Orang-Kubu. welche auf einer äußerst
niedrigen Stnfc der Kultur stehen, in den dichten
Wäldern ein Iägerleben führen und eine eigentüm-
liche Sprache reden. - 2) Hauptstadt der Resident-
schaft P., 73 Icm aufwärts von der Hauptmündung
des Musi, an beiden Ufern in sumpfiger, häusig
überschwemmter Gegend, mit (1891) 50000 E. Von
Gebäuden sind nur die aus Stein ausgeführte Woh-
nung des Residenten, eine schöne Mohammed. Mo-
schee und die Grüber der frühern Sultane von P.,
5 km unterhalb der Stadt, und der jetzt zu Kasernen
benutzte befestigte Wohnsitz der frühern Beherrscher
erwähnenswert. Die wichtigsten Erwerbszweige sind
Handel, Schiffahrt und Schiffbau, Weberei von
Seidenstoffen, Schnitzereien in Holz und Elfenbein,
Verfertigung von Waffen und Goldarbeiten. Zur
Ausfuhr kommt namentlich Kaffee und Pfeffer. P. ist
Sitz eines deutschen Vicekonsuls. - Bis 1821 bildete
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