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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Panätolium - Panckoucke
genosse des jüngern Scipio war, der ihn auch 143 auf eine Gesandtschaftsreise nach Alexandria mitnahm. Nach dem Tode seines Lehrers Antipater übernahm er die Leitung der stoischen Schule in Athen. Er starb um 111 v. Chr. P. modifizierte die stoische Lehre namentlich durch Aufnahme platonischer und aristotelischer Bestandteile. Die Verbreitung des Stoicismus bei den Römern ist großenteils seinem Einfluß zu verdanken.
Panätolĭum, die Bundesversammlung des Ätolischen Bundes, s. Ätolien.
Panax, Pflanze, s. Aralia.
Panāy, eine der span. Philippinen, südöstlich von Mindoro, zählt auf 12560 qkm (1889) 733786 E. (einschließlich der Insel Guimaras), ist gebirgig und bewaldet. Die Cordillera de Antique und Cresta de Gallo durchziehen sie im Westen und erheben sich bis 811 in Höhe. Der Osten wird von den Flüssen Talana und P. bewässert. Sie ist besonders reich an Reis, Tabak, Zuckerrohr, Pfeffer, Yams, Bataten, Kakao, Eben- und Campecheholz. P. hat ansehnliche Viehzucht. Die Bevölkerung sind Visaya, im Innern Mundo und Negrito. Hauptort ist Ilo-ilo.
Pāncarātra, soviel wie Pāntscharātra (s. d.).
Pañcatantra (Pantschatantra, "Die fünf Bücher"), berühmtes ind. Fabelwerk, das dem Vishṇuçarman zugeschrieben wird. Es ist in mehrern, stark abweichenden Recensionen auf uns gekommen. Die kürzeste ist die südl. Recension, die lange nur durch die Übersetzung des Abbé Dubois bekannt war Le Pantcha-Tantra ou les cinq ruses, fables du brahme Vichnou-Sarma, Par. 1826; Neudruck 1872), die auf Bearbeitungen des Werkes in dravidischen Sprachen, Tamil, Telugu und Kanaresisch, beruhte. Der Sanskrittext (hg. von Haberlandt in den "Sitzungsberichten der phil.-histor. Klasse der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien", Nr. 107, 1884) weicht davon stark ab. Eine dem Umfange nach damit übereinstimmende Recension des P. war bereits dem Guṇādhja bekannt, der sie in seine in Paiçātschī (s. Prākrit) geschriebene Bṛhatkathā einverleibt hatte, ein Werk, das uns nur durch die Sanskritbearbeitungen des Sōmadēva im Kathāsaritsāgara und des Kshēmēndra in der Bṛhatkathāmañjarī bekannt ist. (Vgl. L. von Mańkowski, Der Auszug aus dem P. in Kshemendras Bṛihatkathâmañjarî, Lpz. 1892.) Auch der Auszug im Hitōpadēça (s. d.) und die alte syr. Übersetzung des Bud (s. unten) stehen dieser Recension am nächsten. Bedeutend umfangreicher ist die nördl. Recension, die in zwei Bearbeitungen vorliegt, die Kosegarten als textus simplicior (hg. von Kosegarten, Bonn 1848, und erheblich von diesem Texte abweichend von Kielborn und Bühler, 1. Buch, 5. Aufl.; 2. bis 5. Buch, 3. Aufl., Bombay 1885-86) und textus ornatior (hg. von Kosegarten, nur ein Fascikel, Einleitung und neun Erzählungen enthaltend, Greifsw. 1859) bezeichnet hat. Auch der textus ornatior schwankt in den Handschriften bedeutend, so daß es fast unmöglich ist, den Urtext des P. herzustellen. Übersetzt wurde das P. ins Deutsche nach dem Kosegartenschen Text von Benfey (2 Bde., Lpz. 1859), mit einer wichtigen Einleitung, die die vergleichende Märchen- und Fabelkunde begründet hat, ins Französische von Lancereau (Par. 1871), nach dem Kielhorn-Bühlerschen Texte ins Deutsche von Fritze (Lpz. 1884).
Benfey war der Ansicht, daß das P. die fünf ersten Abschnitte eines größern Werkes bildete, das aus 13 Abschnitten bestand, in Sanskrit von Buddhisten abgefaßt war und in Form von Tiererzählungen lehren wollte, wie sich Fürsten bei der Regierung ihrer Staaten zu benehmen haben, also ein Fürstenspiegel war. Dieses Grundwerk sei im 6. Jahrh. n. Chr. auf Befehl des berühmten Sassaniden Chosru Nūshīrvān (531-579) von dem pers. Arzte Barzor ins Pehlevi übersetzt worden, das damals die Reichssprache von Persien war. Die neuern Untersuchungen ergeben jedoch mit Sicherheit, daß lange vor Barzōī bereits ein selbständiges P. bestand, das auch in der Sammlung verwertet war, die Barzōī ins Pehlevi übertrug. Diese Pehleviübersetzung ist verloren. Es ist aber möglich, daß auf sie die alte syr. Übersetzung zurückgeht, die der Periodeut Bud verfaßte, der etwa um 570 die Nestorianischen Gemeinden in Persien und Indien zu beaufsichtigen hatte. Diese syr. Bearbeitung führt den Titel "Kalīlag und Damnag", nach dem Namen der beiden Schakale Karaṭaka und Damanaka, die im ersten Buche des P. die Hauptrolle spielen. Der Text ist hg. von Bickell mit einer Einleitung von Benfey (Lpz. 1876). Im 8. Jahrh. wurde die Pehleviübersetzung des Barzōī von dem zum Islam übergetretenen Perser Abdu-llāh bnu l-Muqaffa (gest. 760) ins Arabische übersetzt, und durch diese arab. Übersetzung ist das Werk in der ganzen islamischen Welt wie im Abendlande verbreitet worden. Als Verfasser des Werkes uennt die arab. Bearbeitung Bidpai (Pidpai, Pilpai), das Haupt der ind. Philosophen. Die Ausgabe von Silvestre de Sacy (Par. 1816) ist ebenso wie die zahlreichen orient. Ausgaben (Kairo 1836, Dehli 1850, Beirut 1884, Bombay 1887 u. s. w.) kritisch wertlos. - Vgl. I. Guidi, TTTTT (Rom 1873). Ins Deutsche übersetzt ist der arab. Text von Holmboe (Krist. 1832) und von Philipp Wolff (2 Bde., Stuttg. 1837; 2. Aufl. 1839), ins Englische von Knatchbull (Oxf. 1819), ins Russische von Attaj und Rjabinin (Mosk. 1889).
Aus der arab. Bearbeitung sind geflossen 1) die jüngere syr. Bearbeitung, 2) die griechische, 3) die persische, 4) die hebräische, 5) die alte spanische.
Sehr wichtig wegen ihrer Treue ist die hebr. Übersetzung der arab. Bearbeitung, die um 1250 der Rabbi Joel gemacht hat (hg. zusammen mit einer andern hebr. Bearbeitung und franz. Übersetzung von Derenbourg, Par. 1881). Sie wurde gegen Ende des 13. Jahrh. von Johann von Capua u. d. T. "Directorium humanae vitae alias parabolae antiquorum sapientum" ins Lateinische übersetzt (hg. zuerst um 1480, zuletzt von Puntoni, Pisa 1884, und kritisch mit Anmerkungen von Derenbourg, Par. 1887), eine Arbeit, die an Formlosigkeit und Unverständlichkeit leidet. Um so vortrefflicher ist die alte deutsche Übersetzung, die auf Befehl des Grafen Eberhard I. von Württemberg (1265-1325) gemacht wurde (der erste datierte Druck: Ulm 1483, seitdem sehr oft, kritisch hg. von Holland, Stuttg. 1860, u. d. T. "Das Buch der Beispiele der alten Weisen").
Panckoucke (spr. pangkúck), Charles Jos., franz. Buchhändler, geb. 26. Nov. 1736 in Lille als Sohn des dortigen Buchhändlers und Schriftstellers André Jos. P. (geb. 1700, gest. 17. Juli 1753), etablierte sich 1764 in Paris und starb 19. Dez. 1798. Nachfolger im Geschäft wurde sein Sohn Charles Louis Fleury P. (geb. 23. Dez. 1780, gest. 12. Juli 1844) und darauf bis 1854, wo das