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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pentathlon - Penthièvre
Priestercodex. Diese beiden Gesetzbücher waren
jedoch keineswegs einheitliche Werke, sondern ver-
einigten in sich Verschiedenartiges. Namentlich gilt
dies von dem Deuteronomischen Gesetzbuch. Die
Grundlage desselben bildet das 621 nnter Iosia
is. d.) im Tempel aufgefundene Gesetzbuch, wie die
Grundlage seiner Gültigkeit der Volksbeschluß des
Jahres 621. Dieses repräsentiert einen Abschluß
der vorsxilischen prophetischen Bewegung, ist aber
nicht nur im Zusammenhang mit der weitern Aus-
wirkung der prophetischen Gedanken in derZeit von
l!21 bis auf Esra mannigfach überarbeitet und er-
weitert, sondern auch mit umfangreichen Nieder-
schlägen der vorprophetischen Entwicklung Israels,
mit der jahwistischen und elohistischen Dar-
stellung der alten Sagen, verschmolzen worden. So
entstand das Gesetzbuch der Ierusalemer Gemeinde;
in ihm sind die Quellen des Iahwisten, des Elohisten,
das Gesetzbuch Iosias mit seinen Erweiterungen und
mehrfache Redaktionen zu unterscheiden.
Das Gesetzbuch Esras hatte als Grundlage ein
um 500 v. Chr. in Babylonien entstandenes Werk,
das in volkstümlicher Weise die Entstehung der jüd.
Religion und ihrer zum guten Teil erst postulierten
Einrichtungen erzählt, indem es mit der Schöpfung
der Welt beginnt, die Entstehung der heil. Gebräuche
in die Vergangenheit zurückdatiert und überall den
prophetischen Gedanken von Kult und Sitte Rech-
nung trägt. Es giebt sonach eine Darstellung des
im deuteronomischen Buche vorliegenden Stoffes
von einem entwickeltern theol. Standpunkte aus,
woraus allein schon sein geringeres Alter folgt.
Insonderheit bildet es die kultischen Pläne Ezechiels
is. d.) weiter. In dieses Buch war eine im Exil ent-
standene Kodifikation des alten Ierusalemer kulti-
schen Gebrauchs bei seiner Proklamation im I.444
schon eingearbeitet, wie sich aus den Wirkungen der
Proklamation ergiebt. <S. Esra.) Dieser Teil mit
seinem kultischen und rituellen Inhalte hat zu einer
Zeit, wo man den zusammengesetzten Charakter des
Gesetzbuches Esras noch nicht genügend erkannt
hatte, veranlaßt, daß dasselbe Priestercodex ge-
nannt wurde. In neuerer Zeit ist für ihn der Name
Heiligkeitsgesetz aufgekommen, während andere
ihn als ältern Teil des Priestercodex bezeichnen.
Als Esra sich behufs der Reform von Babylonien
nach Jerusalem begab, mag er daran gedacht haben,
das ältere, den Bedürfnissen der Gemeinde nicht
mehr genügende deuteronomische Gesetzbuch durch
das in seinem Besitze befindliche zu ersetzen. Doch
hat sich augenscheinlich Esras Gesetzbuch nur neben
dem ältern zu behaupten vermocht, dies aber wird
nach 444 die Ineinanderarbeitung beider veranlaßt
haben, wodurch der P. entstand. Daß die Gesetzes-
bestimmungen bei dieser letzten Redaktion nach Maß-
gabe der an den Tag tretenden Bedürfnisse der Ge-
meinde vielfach erweitert und präcisiert worden sind,
ist zu vermuten, und wird zudem durch die kritische
Analyse bestätigt.
Pentathlon (grch., "Fünskamps"), ein bei den
alten Griechen aus den fünf Kampfarten des Weit-
sprungs, Speerwurfs, Wettlaufs, Diskoswerfens
und Ringens zusammengesetzter Wettkampf, bei dem
in den einzelnen Gängen die Schlechtesten aus-
geschieden, bis schließlich ein Paar im Ringkampfe
den Sieger ergab. - Vgl. Pinder, Über den Fünf-
kampf der Hellenen (Berl. 1867).
?snta.tolniÄ".s, s. Schildwanzen.
Pentedakthlon, Gebirge, s. Taygetos.
Pentekontere, Pentekontöre (grch.), Schiff
mit 50, je 25 an jeder Seite sitzenden Ruderern.
in Athen wahrscheinlich bereits im 7. Jahrh. v. Chr.
Name der Mitglieder der ersten Stellerklasse, deren
(5irundbesitz im Jahre mindestens 500 Medimnen
(Scheffel) Getreide einbrachte. Solon übernahm
den Namen in feine Verfassuug, scheint aber den
Steuersatz dadurch ermäßigt zu haben, daß er
neben der Trockensrucht auch ergänzend den Ertrag
der nassen Frucht (Öl, Wein) in dem dem Medimnus
entsprechenden Hohlmaß, dem Metretes zuließ. Aus
den P. gingen bis in das 4. Jahrh, die obersten
Finanzbeamten, bis in das 5. Jahrh, überwiegend
die Archonten hervor.
Pentekostarion (grch.), das Ritualbuch der
griech. Kirche, das den Gottesdienst von Ostern bis
zu Allerheiligen (s. d.) enthält (osfizielle Ausgaben
Venedig 1568 u. ö.). l(s- d.).
Pentekbfte (grch., frz. ptmtßeöte), Pfingsten
Pelltelikon, Mendeli, gewöhnlichBezeichnung
für das eigentlich Brilettos genannte Gebirge
(1110 m) im Nordosten Attikas (s. d.), einen einzigen
von W. nach O. gestreckten Rücken, nach einer im
Altertum am südl. Fuße gelegenen Ortschaft Pen-
tele, zu der die Marmorbrüche an der Südseite
gehörten. Dieselben liefern noch jetzt wie im Alter-
tum den trefflichen pentelischen Marmor
(s. Marmor), der meist zu architektonischen Zwecken
verwandt wird.
Pentenifia, griech. Inselgruppe, s. Diaporia.
Pentere (grch.), Kriegsschiff mit fünf über-
einander befindlichen Reihen von Ruderern, zuerst
von Dionysius I. von Syrakus (Anfang 4. Jahrh,
v. Chr.) gebaut.
Penthemimeres (grch.), in der Metrik die Cäsur
nach der ersten Hälfte des dritten Fußes, nament-
lich beim Hexameter, z. B.:
Nicht dl'r gl'Illmgl'Nt' I Vrrs, ^ das Ge'dicht imr > machet
den I Dichter.
Weiter versteht man unter P. auch den bis zu dieser
Cäsur reichenden Teil des Verses, so daß z. V. der
Pentameter (s. d.) als die zweimal gesetzte P. des
Hexameters definiert werden kann.
Penthesileia (Penthesil'ea), die Tochter des
Ares und der Otrera, Königin der Amazonen, kam
im Trojanischen Kriege den Troern zu Hilfe, wurde
von Achilleus erlegt, aber ihr Tod von diesem selbst
am meisten betrauert. P. in den Armen des Helden
sterbend war ein Lieblingsgegenstand griech. Kunst
ler. In dem gleichnamigen Trauerspiel von H. von
Kleist wird Achilleus von P. getötet. -- Pentde-
silea heißt auch der 271. Planetoid.
Pentheus, in der griech. Heroensage der Sohn
des Echion und der Agaue, der Tochter des Kadmos,
und al5 König von Theben des letztern Nachfolger,
wurde, weil er sich der Einführung des Dionysos-
dienstes widersetzte, auf Anstiften des Gottes auf
dem Kithäron von seiner eigenen Mutter, die ibn
in ihrer bacchantischen Wut für ein wildes Tier
hielt, und andern Mainaden zerrissen. Diese Sage
ist von den Tragikern wiederholt, namentlich von
^lschylus und in einer erhaltenen Tragödie von
Euripides ("Die Vakchen") bearbeitet worden.
Penthievre (spr. pangtiähwr), ehemalige bre-
tagn. Grafschaft, die jetzt das franz. Depart. Mor-
bihan (s. d.) bildet. Sie gehörte in früherer Zeit meh'
rern Verwandten des Hauses Bretagne; später kam