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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Philipp II. (König von Frankreich) - Philipp IV. (König von Frankreich)
mandie, der seit 1066 auch engl. König war und
von dessen Übermacht er nur durch Wilhelms Tod
(1087) befreit wurde. Nach 20jähriger Ehe verstieß
P. 1092 seine Gattin Bertha von Kolland und ver-
band sich mit Bertrada von Montfort, weshalb er
von Urban II. 1094 gebannt wurde; nachdem er
Bertraden entsagt hatte, wurde er 1097 absolviert,
aber, als er sie nach dem Tode seiner ersten Gattin
aufs neue zu sich nahm, 1100 wiederum gebannt und
erst nach ihrem Tode 1105 vom Vanne gelöst. Er
starb 29. Juli 1108, nachdem er schon seit 1101 seinen
Sohn Ludwig (VI.) zum Mitregenten genommen
und von da an jede Bedeutung verloren hatte.
Philipp II. August, König von Frankreich
(1180-1223), Sohn und Nachfolger Ludwigs VII.,
geb. im Aug. 1165, wurde bereits 1179 von seinem
Vater zum Vtitregenten angenommen und mit Isa-
belle von Hennegau vermählt. Bald darauf bestieg
P. den Thron, als sein Vater 11. Sept. 1180 starb.
1182 wurden die zahlreichen Juden ihrer Güter
beraubt und aus dem Lande getrieben. Auch die
aufsässigen Vasallen, wie der Herzog von Burgund
und der Graf von Flandern, fühlten den Arm des
jungen Königs. Nach Beilegung der Händel mit
Heinrich II. von England vereinigten sich beide
Könige zu einem Kreuzzug nach Palästina, doch
erst unter Heinrichs Nachfolger Richard I. Löwen-
herz kam dieser zu stände. <S. Kreuzzüge, Bd. 10,
S. 728a.) Die Könige nahmen 1191 mit ihren
Heeren an der Eroberung von Akka teil, gerieten
aber miteinander in Streit, so daß P. sich bewogen
fand, alsbald nach Frankreich zurückzukehren. Um
Richard zu beruhigen, schwur er, die engl. Staaten
in dessen Abwesenheit nicht anzugreisen. Trotzdem
reizte er, als Richard vom Herzog Leopold von
Osterreich gefangen genommen worden, Richards
Bruder, Johann ohne Land, sich des engl. Throns
zu bemächtigen, und siel selbst in die Normandie ein. ,
Als Richard 1194 zurückkehrte, eröffnete er sogleich
einen Krieg, der Frankreich furchtbar verheerte.
Nachdem Richard 1199 gefallen war und Johann
den Thron bestiegen hatte, unterstützte P. die Thron-
ansprüche des jungen Herzogs Arthur von Bre-
tagne, der jedoch 1203 von Johann ermordet
wurde. P. benutzte dies, um Johann als franz. Va-
sallen vor den Pairshof zu fordern und ihn, da er
nicht erschien, aller Lehnsbesitzungen in Frankreich
verlustig zu erklären. Als Vollstrecker des Urteils
eroberte er bis 1204 die ganze Normandie, Anjou,
Maine, Touraine, Poitou, so daß von den engl. Be-
sitzungen wenig mehr als Guyenne übrigblieb. Die
Stärkung der sranz. Kriegsgewalt im Kampfe gegen
England blieb auch ferner das Ziel der Politik P.s.
Er sollte es erreichen, als Johann im Bunde mit
dem deutschen Kaiser Otto IV., dem Herzog von
Brabant, den Grafen von Holland, Flandern und
Boulogne 1214 Frankreich angriff. Während P.
seinen Sohn Ludwig den Engländern nach Poitou
entgegenschickte, stellte er sich selbst mit der Haupt-
macht den Verbündeten entgegen und errang über
sie 27. Juli 1214 bei Bouvines einen blutigen
Sieg, der das Übergewicht Frankreichs in Europa
begründete. Bald darauf geriet Johann abermals
mit seinen Großen in Streit, so daß diese dem König
P. die engl. Krone für feinen Kronprinzen Ludwig
antrugen. Dieser ging im Mai 1216 mit einen:
Heere über den Kanal und bemächtigte sich der
Hauptstadt und eines großen Teils Englands. Der
Tod Johanns setzte jedoch den Aussichten Ludwigs
sehr bald Grenzen, und schon im Mai 1217 mußte
er England verlassen. P. war fortan darauf bedacht,
feine Macht im Innern zu befestigen; er hatte das
Krongebiet 1184 - 1215 fast um das Doppelte
durch Einziehung und Eroberung vergrößert. Gleich-
zeitig ward die Macht der groben Barone im süol.
Frankreich durch den langwierigen Krieg gegen die
Albigenser (s. d.) tief erschüttert. Nachdem seine
erste Gemahlin gestorben war, heiratete P. 1193
die dän. Prinzessin Ingeborg, die er jedoch bald
(1196) verstieß, um sich mit Agnes von Meran zu
vermählen. Papst Innocenz III. verhängte deshalb
das Interdikt über Frankreich, so daß sich P. 1200
wieder von Agnes trennen mußte. Doch erst 1213
nahm er Ingeborg wieder als Gemahlin zu sich,
wogegeu der Papst die Kinder der längst gestorbenen
Agnes legitimierte. P. starb 14. Juli 1223 zu
Maules. Er ist der erste bedeutende Herrscher aus
dem Hause der Kapetinger. Aus kleinem Bereiche
hob er die Monarchie zu maßgebender Machtstellung,
indem er in unermüdlichem Kampse gegen England
das franz. Nationalgefühl stärkte und die Krone
zum Mittelpunkt desselben machte. Handel und
Wandel begünstigte er und erkannte bereits die
Wichtigkeit der Stadt Paris, die er mit Mauern
umgab und mit Privilegien bedachte.
Vgl. Baudot de Iuilly, Higtoii-s äs ^Kilipps-
^uFU8t6 (2 Bde., Par. 1702); Delisle, (^tai0FU6
ä68 act68 ä6 ?1ii1ippe-^uFN8t6 (ebd.1856); Scheffer-
Voichorft, Deutschland und P. 1180-1214 (in den
"Forschungen zur deutschen Geschichte", Bd. 8, Gott.
1868); Davidsohn, P. und Ingeborg (^tuttg.1888).
Philipp III., der Kühne, König von Frank-
reich (1270-85), geb. 3. April 1245, begleitete sei-
nen Vater Ludwig IX. auf dessen Zuge gegen Tunis
und folgte ihm, als diefer dort 25. Aug. 1270 ge-
storben war, in der Regierung. Auch unter ihm
vermehrte sich das unmittelbare Gebiet der Krone,
da er 1271 von seinem kinderlosen Oheim Alfons,
Grafen von Poitou und Toulouse, fast ganzLangue-
doc erbte und den Kronprinzen Philipp (den Schö-
nen) 1284 mit Johanna, der Erbin von Navarra
und Champagne, vermählte. Um seinem Neffen die
Erbfolge in Castilien zu sichern, führte er 1276 einen
erfolglosen Krieg; als Verbündeter Karls I. von
Anjou-Sicilien, seines Oheims, unter dessen Ein-
fluß er stand, rückte er gegen dessen Feind Peter
von Aragonien, nahm auch Girona, tonnte aber
nichts weiter ausrichten und starb auf der Heimkehr
5. Okt. 1285 in Perpignan. P. war vermählt zuerst
mit Ifabella von Aragon, von der er zwei Söhne,
Philipp IV. und Karl von Valois, hatte; dann mit
Maria von Brabant. - Vgl. Langlois, 1^6 i-6M6
äs ?. 16 ll^räi (Par. 1887).
Philipp IV., der Schöne (1.6 Lei), König
von Frankreich (1285-1314), ged. 1268 in Fon-
taineblcau, folgte seinem Vater Philipp III. 5. Okt.
1285 und wurde 6. Jan. 1286 zu Reims gekrönt.
Seit 1284 mit der jungen Königin Johanna von
Navarra vermählt, die ihm zugleich Champagne
und Brie zubrachte, nahm er auch den Titel eines
Königs von Navarra an. 1294 entriß er dem Kö-
nige Eduard I. von England, mit dem er wegen
engl. Räubereien an der normann. Küste Streit be-
kommen hatte, die Landschaft Guyenne. 1297 wandte
er sich gegen dessen Bundesgenossen, Guido von
Flandern/doch setzte das Erscheinen Eduards seinem
Siegeslauf ein Ziel. Durch die Vermittelung des
Papstes Bonifacius VIII. kam 1299 zwischen beiden