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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pice - Pichincha
größter Auszeichnung. Trotzdem Nallenstein das
größte Vertrauen in ihn setzte, berichtete P. über alle
geheimen Unternehmungen desselben an den Wiener
Hof und wurde selbst der Führer der gegen den
General verschworenen Offiziere. Nach dessen Er-
mordung erhielt er mit Gallas zur Belohnung einen
Teil der Wallensteinschen Güter. Nach der Schlacht
bei Nördlingen, 1634, drang P. durch Württemberg
bis über den Main. 1636-39 kämpfte er im span.-
niederländ. Heere gegen die Franzosen und Hollän-
der. Seit 1639 operierte er nicht ohne Erfolg gegen
Schweden und Hessen in Thüringen und an der
Weser, ward aber 1642 gegen Torstenson in die
Niederlage von Leipzig verwickelt. Dann wieder in
span. Diensten, kämpfte er.aufs neue glücklich in den
Niederlanden gegen Franzosen und Holländer. Als
1648 die Schweden siegreich vordrangen, wurde er
vom Kaiser zurückberufen und zum Feldmarsch all
ernannt. 1649 wurde er als kaiserl. Prinzipal-
bevollmächtigter auf den Konvent nach Nürnberg
gesendet, der die Vollstreckung des Friedens zum
Zweck hatte, und 1650 vom Kaiser in den erblichen
Reichsfürstenstand erhoben. Schon vorher hatte ihm
der König von Spanien das Herzogtum Amalfi
wieder in Lehn gegeben. P. starb 10. Aug. 1656
kinderlos zu Wien. Seine Güter, darunter Nachod
in Böhmen, erbten die Nachkommen seines Bruders.
P.s Sohn Max in Schillers Tragödie "Wallen-
stein" ist nicht völlig eine Poet. Fiktion, denn P.
hatte einen Bruderssohn Joseph Silvio Max P.
adoptiert und zum Erben eingesetzt. Dieser siel
jedoch als Oberst eines kaiserl. Kürassierregiments
1645 in der Schlacht bei Iankau. - Vgl. A. von
Weyhe-Eimke, Die histor. Persönlichkeit des Max P.
Msen 1870); ders., Octavio P. (ebd. 1871); H. M.
Richter, Die P. (Berl. 1874).
Pice (engl., spr. peiß), Pysa, brit.-ostind. Geld-
rechnungsstufe und Vronzemünze. Als erstere ist
das P. - ^4 der Rupie ls. d.), ^ des Anna (s. d.)
oder das Dreifache des Pie -- etwa 2,i Pf. Das
P. läuft auch in Ostafrika um und heißt dort P esa.
Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft hat solche
Stücke in Berlin prägen lassen.
I>ioba., s. Fichte (botanisch).
Picen, ein Kohlenwasserstoff von der Zusam-
mensetzung N22H14, welcher bei der Destillation von
Vraunkohlenpech und Petroleumrückständen gewon-
nen wird. Er krystallisiert in blau fluorescierenden
Blättern, ist in allen Lösungsmitteln schwer löslich,
schmilzt bei 338° und siedet bei 519".
Picönter, s. Picenum.
Picenum, eine Landschaft des alten Mittel-
italiens zwischen dem Apennin und dem Adriatischen
Meere. Sie reichte von der Mündung dcs Flusses
Asis (jetzt Esino) bis über den Vomanus (jetzt Vo-
mano), gegen N. und W. durch Umbrien, gegen W.
und S., wo das Land den Namen des Gebietes der
Prätutticr führte, durch Sabiner und Vestincr be-
grenzt. In ältester Zeit bewohnten P. Umbrer.
Diese wurden von Sabinern überwunden, deren
Schar der Sage nach der dem Mars geheiligte
Specht (picu8) voranflog; von ihm wird der Name
des Landes, P., und des Volks, Piccnter, abge-
leitet. Sie standen zunächst mit Rom im Bündnis;
im 3. Jahrh. v. Chr. erst erhoben sie sich, wurden
aber 268 durch den röm. Konsul Publius Sempro-
nius überwunden und traten nun in das Verhält-
nis abhängiger Bundesgenossen. Ein großer Teil
von ihnen wurde an den Salernitanischen Meer-
busen, namentlich in die nach ihnen benannte Stadt
Picentia verpflanzt. In der alten Hauptstadt der
Picenter, Asculum, kam 91 v. Chr. der Vundes-
genossenkrieg zum Ausdruck. P. bildete die fünfte
Region Italiens seit Augustus.
Pichegru (spr. pisch'grüh), Charles, General der
franz. Republik, geb. 16. Febr. 1761 zu Arbois
(Depart. Jura), wurde Lehrer der Mathematik an
dem klerikalen Collage in Brienne und trat 1783 in
ein Artilleriercgiment, in dem er in Amerika kämpfte.
1793 stieg P. zum Divisionsgeneral auf und half
unter Hoche Landau entsetzen. Im Febr. 1794 erhielt
er den Oberbefehl über die Nordarmee und eroberte
in einem siegreichen Feldzuge ganz Holland (s. Fran-
zösische Nevolutionskriege, Bd. 7, S. 187). Damit
war die ruhmvolle Laufbahn P.s geschlossen. Er
erhielt zwar den Oberbefehl über die Rhein- und
Moselarmee, kehrte jedoch bald nach Paris zurück
und unterdrückte 2. April 1795 den Aufstand der
Jakobiner, ließ sich aber, nachdem er zur Rhein-
armee zurückgekehrt war, in Unterhandlungen mit
dem Prinzen Condö ein. Noch kam es zu keinem
Einverständnis, doch führte P. den Krieg fo lau,
daß das Direktorium ihm zu Anfang 1796 das
Kommando nahm. P. zog sich auf sein Gut Belle-
vaux bei Arbois zurück und trat im März 1797 als
Abgeordneter in den Rat der Fünfhundert, wo er
den Vorsitz übernahm und sich zum Mittelpunkt der
Pläne machte, die eine Revolution zu Gunsten der
Vourbons bezweckten. Das Direktorium kam indes
18. Frnctidor (4. Sept.) den Verschwörern zuvor.
P. wurde verhaftet, mit vielen Genossen zur Depor-
tation verurteilt und nach Cayenne geschafft, von
wo er Juni 1798 nach England entkam. Er ergriff
nun offen die Sache der Bourbons und begab sich
zum Heere Korsakows, kehrte jedoch nach dessen
Niederlage bei Zürich nach England zurück und
verband sich dort 1803 mit George Cadoudal (s. d.)
und andern Franzosen zur Ermordung Napoleons.
Er kam nach Paris, wo er im Jan. 1804 auch
Moreau Anträge machte. Bald geriet die Polizei
den Verschwörern auf die Spur, und P. sah sich
genötigt, in dem Hause des Kaufmanns Leblanc
Zuflucht zu suchen, der ihn für 300000 Frs. verriet.
In der Nacht vom 28. Febr. wurde P. verhaftet und
in den Temple gebracht. Noch ehe das Urteil ge-
sprochen war, fand man ihn 6. April 1804 erdrosselt
im Gefängnis; die Anzeicyen fprachen gegen Selbst-
mord, doch ist derselbe keineswegs ausgeschlossen. -
Vgl. Montgaillard,^l6in0ii'6c0iic6rnantlI.ti'3.^i30ii
äs ?. äan3 168 ann668 III, IV 6t V (Par. 1804);
Gassier, Vie än Fenei-^I?. (ebd. 1814); Treilhe, I^a.
V6rit6 ä6voii66 Ml 16 tkiQ^ä (ebd. 1814); Pierret,
?ick6Fru (ebd. 1826); Vouziers, ^ieiieZrn (Dole
1870); über den Tod P.s: Nauroy, 1^68 8eci-6t8 ä68
Lon^lirtLä (Par. 1889).
Pichincha lspr. -tschintscha), Vulkan in der süd-
! amerik. Republik Ecnador, auf der Westcordiüere,
im WNW. von Quito, das 1660 durch einen Aus-
bruch fast völlig vernichtet wurde, hat fünf Gipfel,
deren höchster 4787 in erreicht.
Die Provinz P. von Ecuador zählt 205000 E.
Sie umfaßt das Hochthal der Anden von Quito,
zwiscken den Parallelketten sowie Teile des West-
nnd Ostabhanas. Bewässert wird P. durch den Rio
Perucho, welcher in den Pacisic mündet, und die
Quellflüsse des Rio Napo. Man gewinnt Zucker-
rohr, Mais, Weizen, Indigo, Baumwolle, Kakao
und Früchte aller Art. Hauptstadt ist Quito (s. d.).