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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pillauer Tief - Pillnitz
Mecklenburg-Strelitz Nr. 43 und das 3. Bataillon des
Fußartillerieregiments von Hindersin Nr. 2, Post
zweiter Klasse/Telegraph, Ncalprogymnasium, bö-
bere Mädchen- und Navigationsschule; Segelfabri-
tation, Reederei, Fischerei, Vernsteinfischcrei und Ece-
bandel. Der Störfang und -Export war um 1724
sehr bedeutend. 1731-32 liehen sich viele Flücht-
linge aus Salzburg als Gewerbtreibende hier nieder.
P. bildet den Vorbafen von Königsberg und bat
einen Leuchtturm. Das Glatt oder Pillauer Tief
(550 m lang, 6 in tief), 10. Sept. 1510 infolge
eines Sturms entstanden, bildet den Eingang zum
Frischen Haff (s. d.) und ist gegen S. und N. durch
gewaltige Molen begrenzt. 2 Km im NO. das mit
dem benachbarten Wogram vereinigte Dorf Alt-
Pillau mit etwa 4000 E. Östlich hiervon eine
während der Occupation zur Zeit Friedrichs d. Gr.
von den Nüssen erbaute turmartige, als Seezeichen
dienende Landmarke. - Am 6. Juli 1626 erschien
Gnstav Adolf von Schweden auf der Reede von P.
und nahm die unbedeutenden Befestigungen in
Besitz, die er wesentlich erweiterte. Aus der hier-
durch entstandenen Niederlassung ging die Stadt
P., die ihren Namen dem frühern Velowe oder
Alt-Pillau verdankt, hervor. Die Festung wurde
1626-35 von den Schweden besetzt gebalten. Fried-
rich Wilhelm I. erhob P. 18. Jan. 1725 zur Stadt.
P. wurde 1758 von den Russen genommen und bis
1763 behauptet; während dieser Zeit wnrde der
Russische Damm zum Schutz des Hafens und die
Landmarke hergestellt. In die Zeit von 1795 bis
l796 fällt die Anlegnng der Fcstungsplantage.
1807 wurde P. von Oberst Herrmann gegen die
Franzosen (unter Et.-Hilaire) verteidigt, welche die
Festung beschossen. Durch Vertrag vom 24. Febr.
1812 ward sie für die Dauer des Krieges mit Ruß-
land Napoleon eingeräumt, aber 6. Febr. 1813
durch Kapitulation des franz. Generals Eastella den
Russen unter Sievers überliefert und an Preußen
zurückgcgebeu. Zu beiden Seiten des Pillauer Tiefs
sind starte Küstenforts und landeinwärts mehrere
Außenwerke erbaut, die in Gemeinschaft mit einer
Seeminensperre die Einfahrt in das Frische Haff
verteidigen und Stadt und Festung nach der See-
und Landseite schützen.
Pillauer Tief, s. Pillau und Frisches Haff.
Pillen (?iwlli"), erbsengroße Kügelchen, die aus
knetbarem Stoff bestehen, in den Arzneistoffe ein-
gehüllt sind. Man giebt Arzneimittel in Pillen-
form in der Regel, wenn sie sich in anderer Form
nicht gut nehmen lassen, und auch zur Erzielnng
einer genauen Dosierung. Meist sind die P. für den
innerlicken Gebrauch bestimmt, manchmal auch für
andere Zwecke (Zahnpillen u. s. w.). Die Herstellung
der P. erfolgt in der Weise, daß die wirtsamen Be-
standteile für sich oder mit einem Bindemittel zu einer
dildsamen Masse gestoßen werden, aus der dann
auf dcr ^vV^ninc^chine die P. geformt werden.
Zu diesem Zwecke werden durch Rollen mit der Hand
oder im Großbetrieb durch besonders konstruierte
Pressen zunächst Pillenstränge von gleichmäßiger
Dicke hergestellt und diese mit Hilfe des Scbneide-
zeugs der Pillenmaschine zugleich zerschnitten und
gerundet. Das Schneidezeug der Pillenmaschine,
das meist aus Eisen besteht, setzt sich aus zwei genau
aufeinander passenden Teilen zusammen, welche je
30 oder mehr halbeylindrische Kanäle dicht neben-
einander tragen, so daß je zwei derselben in eine
scharfe Schneide auslaufen. Bei der Handpillen-
maschine sind beide Teile des Schneidezeugs ent-
weder flach oder muldenförmig gerundet, bei den
Maschinen für den Großbetrieb hingegen entweder
auf drei Walzen oder auf eine Walze und eine um
dieselbe gebogene Platte verteilt. Durch Gegen-
^ einanderbewcgcn der Schneiden mit allmählich er-
starktem Druck wird die Schueidarbcit soweit voll-
endet, daß es nur noch mäßigem Rollens der P.
gegeneinander unter leichtein Druck bedarf, um die
Kugelgestalt der P. zu vervollkommnen. Als Binde-
mittel für die Pillenmassen dienen in der Regel
Sühholzpulver und ^üftholzsaft, auch Pflanzen-
^ ertrakte, für zersctzbare Körper (wie Höllenstein)
> weißer Tbon; Ole und Balsame werden durch Zu-
! sammcnscbmelzen mit gelbem Wachs verdickt. Die
! P. werden im allgemeinen mit Värlappsamen,manch-
z mal anch mit Zimmetpulver u. s. w. bestreut. Außer-
dem überzieht man die P. häufig zur Verdeckung des
Geschmacks mit Gelatine, Zucker, Blattsilber oder
Blattgold. Um P. für den Magensaft unlöslich zu
machen und erst im Darm zur Wirkung gelangen zu
lassen, überzieht man sie mit einer Lösung von Horn-
stosf (Keratin, s. d.) oder mit geschmolzenem Salol.
Offizinell sind die eisenhaltigen Aloepillen, die
Eisenpillen und die Ialapenpillen. - P. von
Morison, s. Geheimmittel.
Pillendreher, s. Mistkäfer.
Pillkallen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Gum-
i binnen, hat 1060,34 ykm und (1890) 46664 (22480
! männl., 24184 weidl.) E., 2 Städte, 245 Land-
, gemeinden und 54 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im
' .^reiv P., an der Nebeillinie Tilsit-Stallupönen der
Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamteö,
eines Amtsgerichts (Landgericht Insterburg) und
einer Reichsdanknebenstelle,' hat (1890) 2869'evang.
^ E., Post zweiter Klasse, Telegraph, Präparanden-
! anstalt; Eisengießerei und Maschinenfabrik, Pferde-
und Viehmärtte.
! Pillnih, königl. Lustschloß und Kammergut in
der Amtsdauptmaunschaft Dresden-Neustadt der
^ Kreishauptmannschaft Dresden, Sommeraufenthalt
i des Königs von Sachfen, liegt etwa 7 kni oberhalb
Dresden am rechten Elbufer bei dem Dorfe P.
<693 E.). P. war ehemals eine alte Burg. Kur-
l fürst Johann Georg IV. kaufte 1693 das alte
Schloß von Heinrich von Bünau und schenkte es
seiner Geliebten, der Gräsin von Rochlitz, nach
deren Tod es an die Kammer siel. August II. be-
! lehnte damit 1705 die Gräsin Cosel. Opüter war
! es der Sommeraufentbalt des Feldmarschalls Ru-
i towski. August II. erweiterte es bedeutend, und 1788
! -92 wurde es renoviert. An Stelle des alten, 1818
> abgebrannten Schlosses wurde ein neues erbaut.
! Hinter dem Dorfe P. der romantische Friedrichs-
grund und eine 1788 angelegte künstliche Burgruine,
ilnwcit P. derPohrsberg oderPorsberg (355 m)
und da^ Dorf Hosterwitz (558 E.), beliebte Som-
merfrische, mit einer Besitzung des Prinzen Georg
und dem Keppschloß, Eigentum der Großherzogin
^ von Mecklenburg-Strclitz, im romantischen Kepp-
' gründ. - Im Schloß zu P. wurde 25. bis 27. Aug.
1791 die Fürstenversammlung gehalten, bei welcher
Baiser Leopold II., Friedrich Wilhelm II. von Preußen
! und der Graf von Ärtois Maßregeln gegen die Fran-
zösische Revolution besprachen. In dieser sog. Pill-
nitz er Konvention wurde beschlossen, jedem An-
griff von feiten Frankreichs und der Revolution ge-
meinscbaftlicb entgegenzuwirken, und 27. Aug. an
die Brüder Ludwigs XVI. eine Erklärung gegen die
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