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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Plasmodium - Platää
sie einen mit einer Cilie versehenen Schwärmer aus-
treten lassen. Die Schwärmer stellen nach kurzer
Zeit ihre lebhaften Bewegungen ein und nehmen
eine amöbenartig kriechende Bewegung an. In die-
sem Zustande dringen sie in die Haare der jungen
Kohlwurzeln ein und bilden dort im Verein mit an-
dern ein Plasmodium, das später fast die ganze
Zelle einnimmt. Der Pilz kann sehr schädlich für
Kohlpflanzungen werden, weil durch die Bildung der
umfangreichen Anschwellungen den oberirdischen Or-
ganen eine gewisse Menge von Nährstoffen entzogen
wird und schließlich, hauptsächlich beim lungern An-
dauern von feuchter Witterung, die ganzen Wurzel-
partien verfaulen. Ein sicheres Mittel gegen diese
Krankheit kennt man nicht, doch sind folgende Maß-
regeln geeignet, die Weiterverbreitung zu hindern
und (freilich erst nach Verlauf mehrerer Jahre) den
infizierten Boden wieder für Kohlbau brauchbar
zu machen: Ausreißen und Verbrennen der Kohl-
strünke im Herbst, mindestens zwei Jahre lang An-
bau anderer Pflanzen, deren Wurzeln für den Pilz
kein geeigneter Nährboden sind (Kartoffeln, Getreide),
sorgfältige Auswahl nur gesunder junger Pstänzchen
beim Bestellen des Feldes.
Plasmodium, die nackten, nicht von Membran
umgebenen vegetativen Protoplasmamassen der My-
xomyceten (s. d.).
?1a,8nioäinin ina.!.a.i-i2.s, ein bei Malaria im
Blut gefundener Mikroorganismus, den Protozoen
zugehörig, die specifische Ursache der Krankheit. (S.
Wechselfieber, Malaria.)
Plasmogönie (grch.) nennt Haeckcl diejenige
Form der Urzeugung (s. d.), bei der ein Organis-
mus in einer organischen Vildungsflüssigkeit ent-
steht, d. h. in einer solchen Flüssigkeit, welche die zu
seiner Zusammensetzung nötigen Grundstoffe in
Form von verwickelten und lockern Kohlenstoffver-
bindungen (z. B. Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) ent-
hält. Unter Autogonie hingegen versteht derselbe
Forscher diejenige Form der Urzeugung, bei welcher
die Entstehung eines Organismus in einer anor-
ganischen Vildungsflüssigkeit, welche jene Grund-
stoffe in einfachen und beständigen Verbindungen
(Kohlensäure, Ammoniak, binäre Salze u. s. w.) ent-
hält, vor sich geht.
Plafsenburg, s. Kulmbach.
Plasticität (frz.), Formbarkeit, Vildsamkeit.
Plastlden (grch.), Bildnerinnen oder Ele-
mentarorganismen nennt Haeckel die Zellen,
und er unterscheidet unter ihnen weiter Cytoden
(s. d.) und echte Zellen (s. d.), die erstern sind ohne
Kerne und unterscheiden sich als Urcytoden ohne
Hülle und als Hüllcytoden mit Hülle. Die Zellen
hingegen haben einen Kern, sind aber auch entweder
als UrzeUen hüllenlos oder als Hüllzellen mit einer
Zellmembran versehen.
Plastidüle (grch.) nennt Haeckel die einzelnen
kleinsten Teilchen des belebten Plasmas, gewisser-
maßen lebende Moleküle. (S. Erblichkeit.) - Vgl.
Haeckel, Über die Periaenesis der P. (Berl. 1876).
Plastik (grch.), s. Bildhauerkunst und Vildnerei.
Plastisch (grch.) nennt man in der Kunst Dar-
ftellungen in körperlicher Form; in übertragener
Weise kann man vom Plastischen auch da sprechen,
wo nur der künstlerische Schein einer körperlichen
Form vorhanden ist.
Plastische Ehirurgie, Anaplastik oder
Autoplastik, diejenigen chirurg. Operationen,
welche sich mit dem Wiederersatz verloren gegange-
ner Teile, mit dem Verschluß erworbener oder ange-
borener Lücken und Spalten, mit der Beseitigung und
Verhütung der durch Narbenverziehung verursachten
Verunstaltungen beschäftigen. In das Gebiet der
P.C. fällt z.V. die Herstellung defekter Nasen (Rbi-
noplastik) und Lippen (Cheiloplastik), der Ver-
schluß der Lippen- (Hasenscharte) und Gaumenspalte
(Wolfsrachen), die Beseitigung der Verziehungen
und Umstülpungen der Augenlider (Vlepharo-
plastik). Ihre Aufgabe löst die P. C. meist durck
Versetzen und Aneinanderfügen von Hautlappen und
Hautstückchen. Letztere werden in der Regel aus der
Umgebung der herzustellenden Teile oder wenigstens
vom Patienten selbst entnommen. In gewissen
Fällen hat man jedoch auch Teile eines andern In-
dividuums, ja selbst eines Tiers (Kanmchenbinde-
haut) zur Plastik verwandt. Am frühesten scheint
die P. C. von den alten Indern geübt zu sein. Im
Mittelalter war sie bereits in Italien und Sicilien
im Gebrauch. Ihre allgemeinere und ausgebreitetere
Anwendung datiert jedoch erst seit dem dritten und
vierten Jahrzehnt des 19. Jahrh. - Vgl. von
Szymanowsky, Handbuch der operativen Chirurgie,
Tl. 1 (Braunschw. 1870); Tillmanns, Lehrbuch der
speciellen Chirurgie (4. Aufl., Lpz. 1895).
Plastographie (grch.), Schriftfälschung.
?1a.8tron (frz., spr. -öng), eiserne Brustplatte
am Panzer, halber Harnisch für die Vorderseite,
Brustleder des Fechtmeisters zum Schutz beim Unter-
richt im Stoftfechten; im übertragenen Sinne: Stich-
blatt, Zielscheibe des Spottes.
Plastüni, die vom Kubankosakenheer aufgestell-
ten Truppenteile zu Fuß.
Plata, Strom und Stadt, s. La Plata.
Platää, griech. Stadt im südl. Böotien, auf
einem an die nördl. Vorberge des Kithäron sich an-
schließenden, im N. nach der Ebene des Flusses
Asopos ziemlich schroff abfallenden Plateau gelegen.
Ursprünglich war P. Mitglied des Vöotischen Bun-
des, sagte sich aber, um der Oberherrschaft Thebens
zu entgehen, von dem Bunde los und stellte sich, da
Sparta es in seinen Bund nicht aufnahm, unter
den Schutz Athens (510 v. Chr.), dem es die Vun-
destreue schon in der Schlacht bei Marathon (490)
bewährte. In P.s Gebiet gewannen die Griechen
unter Führung des spartan. Reichsverwesns Pana-
mas im Hochsommer (das überlieferte Schlachten-
datum 19. Sept. ist unrichtig) 479 v. Chr. den ent-
scheidenden Sieg über das von Mardonius geführte
Heer der Perser. Aus der reichen Beute wurde der
Athena Areia ein Tempel errichtet, der neben dem
ältern Tempel der Hera (Heräon) eine Hauptzierde
der Stadt bildete. Das Andenken des Sieges ward
durch das alle vier Jahre mit Wettspielen gefeierte
Fest der Eleutheria (Vefreiungsfcst) bis tief in die
röm. Kaiserzeit hinein lebendig erhalten. In den
ersten Jahren des Peloponnesischen Krieges, 427
v. Chr., wurde die Stadt nach tapferer Gegenwehr
von den Peloponnesiern und Thebanern erobert
und durch gänzliche Zerstörung (mit Ausnahme der
Heiligtümer) für ihre Treue gegen Athen bestrast.
Erst nach dem sog. Antalkidischen Frieden (386 v.Chr.)
stellten die Spartaner P. wieder her, aber 372 zer-
störten es die Thebaner aufs neue. Die Stadt blieb
in Trümmern liegen bis auf die Zeit Alexanders
d. Gr., der die Nachkommen der alten Bewohner,
denen schon Philipp nach der Schlacht bei Chäro-
nea (338) ihre Heimat zurückgegeben hatte, beim
Wiederaufbau der Stadt unterstützte. Seitdem be-