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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Plattnasen - Platzgeschäft
15 cm. Der P. geht im Norden bis Lappland hin-
auf und im Süden bis zu den Canarischen In-
seln. Im letzten Drittel des April kommt er aus
dem Süden zu uns und zieht im September wieder
dahin zurück. Seine Nahrung besteht aus Insekten;
daneben liebt er besonders Kirschen sowie auch man-
cherlei Beeren. Das Nest enthält fünf bis sechs
schwach rötlichweiße, dunkelgesteckte Eier.
Plattnafen, s. Affen.
Plattner, Schmiede, die aus Eisenplatten Rü-
stungen schlugen. Sie blühten im 15. Jahrb. na-
mentlich in Mailand, Innsbruck, Augsburg, Nürn-
berg, Dresden, Wittenberg und verschwanden nach
dem Dreißigjährigen Kriege.
Plattnerrt, Mineral, s. Bleisuperoxyd.
Plattschnäbel (loäiäas), Familie der Kuckucks-
vögcl (s. d.) mit plattgedrücktem, vorn abgerundetem
Schnabel, starken Vartborsten, kurzen Flügeln und
kurzem Schwänze, hohen, dünnen Läufen. Die P.
bilden blosi eine Gattung (^oän8) mit fünf, auf das
tropische Amerika nebst Westindien beschränkten
Arten. Es sind zarte, nicht große Vögel mit leb-
haften, meist grünen Farben und leben von In-
sekten. Von manchen Forschern werden die P. den
Tyrannen (s. d.) zugerechnet.
Plattschwanzschlange, s. Meerschlangen.
Plattschweifsittiche, Platts chwanzftttiche
s^iHt^ckroiclae), eine der größten Papageienfami-
lien, deren Mitglieder sich durch den langen stufen-
förmigen Schwanz, in welchem die vier mittelsten
Federn in der Regel gleichlang sind, von andern
Papageien unterscheiden. Die etwa 70 in 6 Gat-
tungen zerfallenden Arten bewohnen die weiten
Grassteppen Australiens und der umliegenden In-
seln, erscheinen dort, wo der reifende Grassamen
reiche Ernte verspricht, in großen Scharen, plündern
auch die Getreideschober der Ansiedler und wandern
weiter, wenn die Vorräte aufgezehrt sind. In der
Größe schwanken die P. zwischen der Elster und einer
kleinen Drossel. Fast alle sind außerordentlich leb-
haft gezeichnet. Alljährlich werden zahlreiche P. auf
den europ. Vogelmarkt gebracht. Hierhin gehören
zunächst der Wellen- und der Nymphensittich,
dieser wegen seines Schöpses auch Nymphen-
kakadu (s. d.) genannt. Ferner die Lauffittiche,
von denen der grüne Ziegensittich l^^uoriiani-
1)1iii3 XovH6-266iHQäiÄ6 F^"a^m.) mit roter Kopf-
zeichnung von Neuseeland der bekannteste ist. Von
den Grassittichen (I^Msina.) gelangen biswei-
len der Rosenbrustsittich (Nupliema Nourki
<^c>^?ci)und der Schönsittich (I^upliLinH pulclieiia
F7i"ll), s. Tafel: Papageien III, Fig. 4) nach
Europa, während von den eig entlich enP.(?1^>
cei'tMZ) regelmäßig eine große Anzahl herüberkom-
men. Am bekanntesten ist die Nosella (I^iHt^oc^-
5N3 6xiiniu8 F7ian, s. Taf. II, Fig. 5) aus dem südl.
Australien, die in fast allen Farben prangt und sich
sehr leicht züchtet. Ihr Preis ist dem entsprechend sehr
gesunken und bewegt sich zwischen 35-40 M. für
das Paar. Ahnlich in der Farbenverteilung, aber
dunkler, ist derPennantsittich (s. d., I>i3.t)'c6rcu8
6l6Zan3 ^m.) und der Vlahkopfsittich (?1at^
cercug ^allicepZ O?tl).) mit gelber Kopffärbung.
Weiter sieht man häufiger, besonders in zoolog.
Gärten, den oberseits grün, unterseits lebhaft rot
gefärbten Königssittich (i^t^csi-cnZ 8c^nlatu3
^öc/iF^.), den grünen, durch die scharlachroten Flügel-
decken sofort auffallenden S ch a r l a ch f l ü g e l s i t t i ch
l?1at^c6i-cn3 ei-MiropteruZ <?m.) und den oliven-
gelben, fchwarz und rot gezeichneten Bergsittich
l^iat^cki-cuZ m6iHnurn3 I>ett?'), alle das auftrat.
Festland bewohnend. Die genannten können, ein-
gewöhnt und gegen rauhe Winde geschützt, Sommer
und Winter im Freien aushalten und werden mit
Hirse, Spitzsamen, Hafer, wenig Hanf, Grünem
und Früchten aller Art ernährt.
Plattseide, s. Seide.
Plattstich, s. Stickerei.
Plattwürmer (?1awä68 8. ?iHtIiLimiiitIi68),
eine große, sehr formenreiche Klasse von Würmern
ss. d.) von plattgedrückter, mehr oder weniger ver-
längerter Körperform, die der Leibeshöhle entbehren,
zum großen Teil Schmarotzer sind und eine starke
Vereinfachung ihrer Organisation erlitten haben,
die bis zum völligen Schwunde ganzer Organsysteme
(Sinnesorgane, Verdauungsapparat) gesteigert sein
kann. Wo ein Darm vorhanden ist, entbehrt er des
Afters, Kreislauf- und Atmungsorgane fehlen fast
stets, hingegen sind Nervensystem und Erkretions-
gefäßsystem vorhanden, und eine hohe und leistungs-
fähige Ausbildung behalten überall die meist zwit-
terigen Fortpflanzungsorgane. An Stelle von Be-
wegungsorganen haben sich bei den schmarotzenden
P. an verschiedenen Körperstellen (meist am Kopfe)
besondere Haftorgane in Gestalt von kräftigen Saug-
gruben oder Chitinhaken entwickelt. Unter den P.
unterscheidet man folgende Ordnungen: I. Strudel-
würmer (s. d.), II. Saugwürmer (s. d.), III. Band-
würmer (s. d.), IV. Schnurwürmer (s. d.).
^Ia.t^oa.roinu.3, s. Krabben.
I>1a.tz?ooroiaa.o, ?1a.t^oorou8, s. Platt
sch Weifsittiche.
V1a.tNp2.ra.sa., s. Spargelfliege.
?1a.t^pU8, Gattung der Borkenkäfer (s. d.).
Via.tzfrrkIiia.0, s. Affen.
Platzadjutant, foviel wie Platzmajor (s. d.).
Platzangst, Platzfurcht, Agoraphobie,
Bezeichnung eines bald mehr den Charakter der
Furcht, bald der Angst tragenden Zustandes, in den
manche nervös reizbare (besonders geistig über-
anstrengte) Personen geraten bei Anblick eines großen
Platzes, beim Versuch, einen solchen zu überschreiten,
in Theatern, Kirchen, überhaupt beim Anblick weiter
Räume oder auch zahlreicher Menschen, seltener in
der Einsamkeit. Meist haben die davon Befallenen
nur das dunkle Gefühl, daß ihnen die Fähigkeit, sich
im Gleichgewicht zu erhalten oder Ortsbewegungen
auszuführen, abhanden kommen werde. Dieses Ge-
fühl kann fo heftig werden, daß Unfähigkeit, aufrecht
zu gehen oder zu sitzen, sich vom Platze zu bewegen,
eintritt, ohne daß wirkliche Lähmungs- oder Schwin-
delerscheinungen vorhanden sind. Es handelt sich im
wesentlichen um eine Schwächung des Willens durch
anomale, ihrer Entstehung nach nicht näher bekannte
Sensationen. Die Bedeutung einer Geisteskrankheit
besitzt die P. <m sich nicht, geht auch selten in solche
über. Sie wird durch Kaltwasserkuren oft geheilt.
Platzet, ein Gewölbe (f. d., Bd. 7, S. 995 a).
Platzfurcht, s. Platzangst.
Platzgeschäft, der Gegensatz von Distanz-
geschäft (s. Distanzkauf). Es liegt vor, wenn der
Verkäufer dem Käufer die Ware an dem Platze zu
übergeben hat, an welchem sie sich befindet, ohne
daß sie von diesem Orte nach einem andern Orte zu
versenden ist. Daß Käufer und Verkäufer an diesem
Platze ihren Wohnsitz oder ihre Handelsniederlassung
haben, ist das Gewöhnliche, aber nicht das Aus-
schlichliche. Auf der Messe werden viele P. von