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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Preußen (Klima. Bevölkerung)

platte, die hinterpommerschen Küstenflüsse, eine Anzahl der schles. Flüsse und der obere Lauf der Saale und Werra. P. hat (1894) ohne die im Bau begriffenen Kanäle (Ems-Dortmund- und Nordostseekanal), die Haff- und Küstengewässer und ohne die Grenzflüsse 3850 km Kanäle, Durchstiche und mit Schleusen versehene Flußstrecken, 4725 km Flußstrecken ohne Schleusen und 825 km Binnenseestrecken, zusammen 9400 km schiffbare Wasserstraßen; hierzu kommen 2725 km nur flößbare Wasserstraßen, also insgesamt 12125 km schiff- und flößbare Wasserstraßen. Kulturellen Zwecken dienen vornehmlich die Moor- und Fehnkanäle (s. Fehn- und Moorkolonien) in der Provinz Hannover, industriellen Zwecken zahlreiche kleinere Wasserläufe mit lebhaftem Gefälle, namentlich in Rheinland, Westfalen, Schlesien, aber auch in den andern Landesteilen, namentlich in Ostpreußen, Pommern, Brandenburg und dem südl. Hannover. (Vgl. die Einzelartikel der Provinzen, Flüsse und Kanäle, sowie den Artikel Deutschland und Deutsches Reich, Bd. 5, S. 116-118, und die Tabelle und Karte zu dem Artikel Schiffahrtskanäle.)

Klima. Das Klima ist gemäßigt und bei dem Fehlen schroffer Gegensätze im ganzen günstig. Im Nordosten ist die Zeit der Reife allerdings sehr beschränkt, und auf den Höhenrücken des norddeutschen Flachlandes, den hess.-westfäl. Gebirgen und den linksrhein. Hochplatten herrschen rauhe Winde vor. Die mehr geschützten Gegenden erfreuen sich indes eines sehr milden und gleichmäßigen Klimas, z. B. die Vorlandschaften der Sudeten, der größere Teil Sachsens, der Süden Hannovers, der Rheingau und das mittlere Rheinthal. Nach 37jährigen Beobachtungen steigt die mittlere Jahrestemperatur auf den Höhen Pomerellens kaum auf 6,7° und auf der ostpreuß. Seenplatte kaum auf 6,3, dagegen an der Moselmündung auf 10,1 und im Rheinthal immer noch auf über 9 bis nahe an 10° C. Das Monatstemperaturmittel liegt in Ost- und Westpreußen bis 5,2° unter Null im Dezember, Januar, Februar und März, in Pommern, Posen, Brandenburg und Schlesien 1 bis 3° im Dezember, Januar und meist auch im Februar, in Sachsen nur im Januar mit weniger als 1°, im Rhein- und Moselthal dagegen mit 1,5 bis 2,5° über Null selbst im Dezember und Januar. Das Maximum der atmosphärischen Niederschläge im langjährigen Durchschnitt fällt auf den Oberharz (Clausthal) mit 1700 mm, dann das Riesengebirge mit 1100, das Rheinisch-Westfälische Schiefergebirge mit 1050, die Nordseeküste mit 7-900, die Küsten der Ostsee mit 6-700, die Vorstufen des Riesengebirges mit 5-600, den norddeutschen Landrücken mit 4-500 mm; am wenigsten Niederschläge wurden in Berlin, der Ukermark, dem östl. Abhang des Eichsfeldes, dem südl. Pomerellen und dem Nahethal beobachtet. (Vgl. die Regenkarte von Europa beim Artikel Europa.) Die Menge der Niederschläge wechselt natürlich von Ort zu Ort, namentlich in den gebirgigen Gegenden. Das Regenstationennetz ist in P. aber nicht dicht genug, um hierüber ein erschöpfendes Bild zu geben. Auf die Richtung des Windes sind örtliche Zustände von großem Einfluß; z. B. überwiegt im Thale der obern Oder Nord- neben Südwind, in Tilsit der Südwind, in Krefeld Südost, in Trier Nordost während eines Dritteils des Jahres neben Süd, in Kreuznach Südwest neben Nordost; auf den meisten Stationen ist aber der Südwestwind, an der Niederelbe, Havel und Warthe der reine Westwind am häufigsten beobachtet. Für die klimatischen Verhältnisse ist charakteristisch, daß in den 5 Jahren 1889-93 von rund 55000 Gemeinde- und Gutsbezirken des Staates Ernteschäden erlitten: durch Regen und Nässe 0,8 bis 18,9 Proz., durch Überschwemmung 0,4 bis 6,2, durch Hagel 4,7 bis 9,7, durch Kälte und Frost (Maifröste) 2,8 bis 12,0, durch Dürre 0,7 bis 34,4 (1893) Proz.

Bevölkerung. P. hatte 1890 einschließlich Helgolands (2086 E.) 29957367 (14703105 männl., 15254262 weibl.) E., d. i. 86 auf 1 qkm, nach frühern Zählungen und Berechnungen 1816: 10349031, 1825: 12256725, 1840: 14928501, 1852: 16935420, 1861: 18491220 (außerdem 14720 Mann Truppen außer Landes), 1867: 23971337, 1871: 24639706 (außerdem 35355 Mann Truppen außer Landes), 1875: 25742404, 1880: 27279111 und 1885: 28318470 E. Die Zunahme der Bevölkerung betrug (1871-90) 21,3 Proz. Am stärksten war die Zunahme in Berlin (91,1 Proz.), Westfalen (36,8), Rheinland (31,6), Brandenburg (24,8) und Sachsen (22,7), am schwächsten in Hohenzollern (0,8), Pommern (6,2) und Ostpreußen (7,4). Am dichtesten ist die Bevölkerung in Rheinland (174,5 E. auf 1 qkm), Westfalen (120,2), Hessen-Nassau (106,1), Schlesien (104,8) und Sachsen (102,2), am dünnsten in Pommern (50,5), Ostpreußen (53), Westpreußen (56,2) und Hohenzollern. (Vgl. Karte der Bevölkerungsdichtigkeit im Deutschen Reiche, beim Artikel Deutschland und Deutsches Reich.) 1890 wurden gezählt 3281193 bewohnte, 58214 unbewohnte Wohnhäuser, 6384175 Haushaltungen und Anstalten, darunter 5937419 gewöhnliche Haushaltungen von zwei und mehr Personen.

Geschlecht. Wie in den meisten europ. Staaten überwiegt auch in P. das weibliche Geschlecht das männliche, und zwar 1890 um 551157; dies entspricht einem Verhältnis des männlichen zum weiblichen wie 1000:1037; dasselbe ist in den letzten Jahrzehnten unverändert geblieben; die einzelnen Bezirke weichen von obigem Verhältnis zum Teil beträchtlich ab. Das männliche Geschlecht überwiegt auffällig in Westfalen (951 weibliche auf 1000 männliche), in Schleswig-Holstein (976) und um ein Geringes in Rheinland (998).

Alter und Familienstand. Der Familienstand nach Altersgruppen zeigt:

^[Tabelle]

Altersgruppen der Ortsanwesenden Familienstand Überhaupt Ledige Verheiratete Verwitwete Geschiedene

Unter 5 J. 4028981 4028981 - - -

5-10 " 3389083 3389083 - - -

10-15 " 3287488 3287333 152 3 -

15-20 " 2905400 2882669 22412 294 25

20-25 " 2549928 2093827 451490 3986 625

25-30 " 2299829 979292 1300638 17311 2588

30-40 " 3864650 657392 3090623 104409 12226

40-50 " 3039620 293885 2490405 241174 14156

50-60 " 2273205 183797 1673912 405102 10394

60-70 " 1510273 112359 865894 526379 5641

70-80 " 682463 47874 254356 378329 1904

80 u. mehr" 122658 8150 22382 91930 196

Unbek. Alters 3789 1934 1323 511 21

Zusammen 29957367 17966576 10173587 1769428 47776

^[Leerzeile]

Religionsbekenntnis. 1890 wurden gezählt 19230376 Evangelische, darunter 14479784 Unierte, 4223176 Lutherische und 527416 Refor-^[folgende Seite]